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Ted Cruz kritisiert Journalistin wegen Kabul-Bericht – der Konter von CNN sitzt

17.08.2021, 18:1419.08.2021, 06:34

Sie ist eine der letzten ausländischen Journalistinnen in Afghanistan: Clarissa Ward. Die erfahrene Kriegsreporterin erlebte bereits mehrere Konflikte – darunter den russischen Einmarsch in Georgien, den syrischen und libanesischen Bürgerkrieg und nun die Machtergreifung der Taliban.

Am Sonntag noch berichtete Ward vom Studio aus, unverschleiert, wie die Taliban immer näher auf Kabul vorrückten. Am Tag darauf kam ihr nächster Bericht: Nun verschleiert von den Strassen Kabuls, im Hintergrund sind immer wieder Taliban-Kämpfer zu sehen, die die Strassen patrouillieren.

Die Kombination der beiden Aufnahmen erreichte als Meme hunderttausende im Netz und steht sinnbildlich für die repressiven Ansichten der radikalen Taliban.

Vor und nach dem Einmarsch der Taliban:

bild: twitter

Das Bild erreichte eine solche Reichweite, dass sich Ward selbst gezwungen sah, sich dazu zu äussern. Auf Twitter schrieb sie: «Dieses Meme ist inakkurat. Das obere Foto stammt von innerhalb eines privaten Gebäudes. Das untere vom Kabul in Taliban-Hand. Ich habe schon vorher ein Kopftuch in den Strassen Kabuls getragen, wenn auch nicht mit vollständig bedecktem Haar und Abbaya. Es gibt also einen Unterschied, aber nicht ganz so stark.»

Der Stein des Anstosses

Viel mehr zu Reden als das Meme gab allerdings ein Stimmungs-Bericht von den Strassen Kabuls. Ward begibt sich zur ehemaligen US-Botschaft, davor haben sich einige Taliban-Kämpfer postiert.

Ward unterhält sich mit ihnen, will von ihnen wissen, was ihre Botschaft an die USA sei. «Amerika hat bereits genug Zeit in Afghanistan verbracht, jetzt müssen sie das Land verlassen», antwortet einer der Taliban. Immer mehr Leute gesellen sich dazu um für Fotos zu posieren.

«Sie skandieren ‹Tod den Amerikanern›, scheinen aber gleichzeitig freundlich zu sein», kommentiert Ward. Und meint: «Es ist völlig bizarr.»

Dieser eine Satz wird dann auch von zahlreichen rechten Medien aufgegriffen. Die Kritik wie immer: CNN würde die Feinde Amerikas unterstützen. Ein Journalist des rechtskonservativen TV-Netzwerk OANN griff den Satz auf, von da erreichte es den republikanischen Senator Ted Cruz (Texas).

Dieser kommentierte auf Twitter: «Gibt es einen Feind der USA, den CNN nicht anfeuert?»

Dabei ist der Bericht von Ward taliban-kritisch. Später im Bericht steht sie vor dem Präsidentenpalast. Nach kurzer Zeit sagt Ward: «Sie haben mir gerade gesagt, ich solle zur Seite gehen, weil ich eine Frau bin.»

Der Konter

Der Angriff von Cruz lässt CNN jedoch nicht auf sich sitzen. Unter den Tweet folgt postwendend der Konter:

«Anstatt in schwierigen Zeiten nach Cancun abzuhauen, riskiert Clarissa Ward ihr Leben um der Welt zu erzählen, was passiert. Das nennt man Tapferkeit. Anstatt die irreführenden Clips eines Verschwörungstheoretikers zu verbreiten, wäre Ihre Zeit vielleicht besser genutzt, Amerikanern in Not zu helfen.»

CNN spielt dabei auf die Ereignisse im Winter an, als der Cruz' Staat Texas von einem schweren Wintersturm getroffen wurde und er nach Mexiko in die Ferien flog.

(jaw)

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Die Taliban übernehmen die Macht in Afghanistan

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Die Taliban übernehmen die Macht in Afghanistan
quelle: keystone / zabi karimi
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