DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Anführer des Umsturzes, Mamady Doumbouya, spricht zur Bevölkerung aus dem Fernsehstudio in Conakry.
Anführer des Umsturzes, Mamady Doumbouya, spricht zur Bevölkerung aus dem Fernsehstudio in Conakry.
Bild: keystone

Putsch in Guinea – Militärjunta will Macht festigen

06.09.2021, 21:20

Die Anführer eines Militärputsches im westafrikanischen Guinea haben Regierungsmitgliedern am Montag untersagt, das Land zu verlassen. Die Mitglieder des Kabinetts, die einen Tag nach der Absetzung von Präsident Alpha Condé zusammengerufen wurden, sollten ihre Reisepässe und Dienstfahrzeuge abgeben, sagte der Anführer des Umsturzes, Mamady Doumbouya, in der Hauptstadt Conakry.

Doumbouya, der Befehlshaber einer von Condé geschaffenen Elite-Militäreinheit, hob ausserdem einen am Sonntag verhängten Stopp des Luftverkehrs sowie eine Ausgangssperre in Bergbaugebieten auf. Guinea ist einer der weltweit grössten Lieferanten von Bauxit, einem Erz, das zur Herstellung von Aluminium verwendet wird. Das rund 13 Millionen Einwohner starke Land, das ungefähr so gross ist wie Grossbritannien und im Westen des Kontinents an den Atlantischen Ozean grenzt, beliefert alle wichtigen Weltmärkte, mit China einer seiner grössten Abnehmer.

Im Anschluss an die Sitzung fuhr Doumbouya in einem Militärkonvoy zum Zentralgefängnis Siruté in der Hauptstadt und veranlasste die Freilassung von vier Oppositionspolitikern, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete. «Die anderen werden später befreit», sagte der Putschistenführer mit Blick auf Tausende von Oppositionsmitgliedern, die unter Präsident Condé verhaftet worden waren.

Hunderte von Anhängern der Opposition feierten den Sturz Condés in den Strassen der Hauptstadt. Menschen tanzten am Strassenrand, hielten Fäuste als Siegeszeichen in die Luft und lieferten sich Hupkonzerte, um ihre Freude und Hoffnung auf eine Neuanfang auszudrücken.

Der Aufenthaltsort des abgesetzten Präsidenten blieb am Montag unklar. Nach Angaben von Militärquellen soll sich Condé unter Hausarrest in einem Hotel in Conakry befinden. Die Vereinten Nationen, Europäische Union, Vereinigte Staaten und Russland haben den Umsturz verurteilt.

Condé war 2010 bei der ersten freien demokratischen Wahl seit Guineas Unabhängigkeit 1958 an die Macht gekommen. Ihm werden Reformen in der Wirtschaft und im Militär zugeschrieben, ausserdem sorgte er nach politisch turbulenten Jahrzehnten für mehr Stabilität. Kritiker sehen Condé indes als zunehmend autoritären Herrscher, dessen Amtszeit von Menschenrechtsverletzungen geprägt war. Vergangenes Jahr sicherte er sich nach einer umstrittenen Verfassungsänderung eine dritte Amtszeit. Der Abstimmung waren monatelange politische Spannungen und gewalttätige und brutal unterdrückte Proteste vorausgegangen, bei denen Dutzende starben.

Guineas Militär und der abgesetzte Präsident Alpha Condé.
Guineas Militär und der abgesetzte Präsident Alpha Condé.
Bild: keystone

Der Putsch habe ein Jahrzehnt politischer Stabilität auf den Kopf gestellt und sei zweifellos von den Umstürzen im Mai 2021 und August 2020 im benachbarten Mali inspiriert, sagte Eric Humphery-Smith, Afrikaexperte der Sicherheitsberatungsfirma Verisk Maplecroft. Für den globalen Bauxitmarkt sagte Humphery-Smith «eine erhebliche Versorgungsunterbrechung» für die nächsten Tage, wenn nicht sogar Wochen voraus.

In Afrika kommt es häufig zu Regierungswechseln durch Militärputsche. In Mali, in dem die Bundeswehr als Teil einer UN Friedensmission im Einsatz ist, entmachtete das Militär Präsident Ibrahim Boubacar Keita im August 2020. Neun Monate später zwangen die Putschisten auch den Interimspräsidenten zum Rücktritt. 2019 wurde Autokrat Omar al-Bashir im Sudan vom Militär abgesetzt. Das gleiche Schicksal ereilte Präsident Robert Mugabe 2017 in Simbabwe sowie Präsident François Bozizé 2013 in der Zentralafrikanischen Republik. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Tanja Stadler zerpflückt beliebtes Skeptiker-Argument

Tanja Stadler betonte am Dienstag wiederholt die hohe Wirksamkeit der Impfungen gegen das Coronavirus. Der Schutz vor Hospitalisierungen sei in allen Altersgruppen «extrem hoch», sagte die neue Taskforce-Präsidentin.

Dennoch kursieren immer wieder Meldungen, wonach der Impfschutz stark abgenommen haben soll. So wurde unter Impfskeptikern etwa die Meldung herumgereicht, wonach in Israel 59 Prozent der Covid-Patienten geimpft seien.

Dies ist jedoch kein Grund, um an der Wirksamkeit der Impfung zu …

Artikel lesen
Link zum Artikel