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President Donald Trump gestures during a campaign rally in Montoursville, Pa., Monday, May 20, 2019. (AP Photo/Matt Rourke)

Eigentlich befindet sich Donald Trump bereits im Wiederwahl-Modus. Nun macht er es offiziell. Bild: AP/AP

Analyse

Warum Donald Trump 2020 wiedergewählt wird – und warum nicht

Morgen Dienstag lanciert US-Präsident Donald Trump offiziell die Kampagne für seine Wiederwahl. Trotz negativer Umfragewerte ist er keineswegs chancenlos. Das spricht dafür und das dagegen.



Wollte Donald Trump überhaupt US-Präsident werden? Es gibt starke Indizien, die daran zweifeln lassen. Der Autor Michael Wolff beschrieb in seinem Skandalbuch «Fire and Fury», wie konsterniert der New Yorker Immobilienmagnat am Abend des 8. November 2016 gewesen sei, als er seinen Wahlsieg realisiert habe. Trump habe seine Kandidatur primär zu PR-Zwecken lanciert.

Wie dem auch sei: Wie viele vor ihm hat sich der Präsident mit dem Virus der Macht infiziert. Er mag das Weisse Haus nicht besonders und sehnt sich nach dem Trump Tower in New York zurück, doch allzu bald ausziehen mag er nicht. Im Gegenteil: Donald Trump will 2020 wiedergewählt werden. Am Dienstag gibt er in Orlando den Startschuss zur Kampagne.

Auf den ersten Blick scheint diese Vorstellung absurd. Wie kann ein Mann, der permanent Lügen verbreitet und Skandale produziert, der gerade seinen 73. Geburtstag gefeiert hat und nicht durch grossen Arbeitseifer auffällt, an eine zweite Amtszeit denken? In Wirklichkeit sind seine Chancen nicht so schlecht, wie man auf den ersten Blick annehmen könnte.

Obwohl seine Beliebtheitswerte zwischen 40 und 45 Prozent verharren, gehen in einer aktuellen CNN-Umfrage 54 Prozent der Befragten davon aus, dass Trump die Wahl im November 2020 gewinnen wird. Mit Larry Sabato und Allan Lichtman geben ihm zwei der meistbeachteten Politologen der USA zum heutigen Zeitpunkt ebenfalls gute Chancen auf eine Wiederwahl.

Lichtman – ein Demokrat – war einer von ganz wenigen Experten, die 2016 bis zuletzt überzeugt waren, dass Trump gegen Hillary Clinton gewinnen wird. Er hat seit der Präsidentschaftswahl 1984 jedes Mal den Sieger richtig vorhergesagt. Nun geht er davon aus, dass nur eine Amtsenthebung Trumps Bestätigung im Amt verhindern kann. Endgültig festlegen will er sich aber nicht.

Was spricht für Trumps Wiederwahl?

Wirtschaft

«It's the economy, stupid!» war das Motto von Bill Clintons erfolgreicher Kampagne 1992. Tatsächlich wird der Erfolg einer Präsidentschaft stark an der wirtschaftlichen Lage gemessen. Und da sieht es für Donald Trump richtig gut aus. Die US-Wirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit ist tief. Trumps Anhänger sagen, der Präsident habe den Boom mit seiner Steuerreform und seinen Deregulierungen erst entfesselt. In der CNN-Umfrage sehen dies 52 Prozent auch so.

Bisherigen-Bonus

FILE - In this Nov. 7, 2012, file photo, President Barack Obama waves as he walks on stage with first lady Michelle Obama and daughters Malia and Sasha at his election night party in Chicago. Former President Obama and first lady Michelle Obama will visit Chicago for a community meeting to discuss their planned library and museum. (AP Photo/Carolyn Kaster, File)

Barack Obama war angeschlagen und schaffte die Wiederwahl 2012 dennoch. Bild: AP/AP

Ein amtierender Präsident wird selten abgewählt. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist dies nur Jimmy Carter 1980 und George Bush senior 1992 widerfahren. Hingegen wurden Harry Truman, Bush junior und Barack Obama trotz widriger Umstände im Amt bestätigt. Obama und auch Bill Clinton hatten zum gleichen Zeitpunkt ähnliche Beliebtheitswerte wie Trump heute. Allerdings ist Trump wesentlich unbeliebter, was gegen ihn spricht.

Aussenpolitik

Die Amerikaner haben nach den traumatischen Erfahrungen in Afghanistan und Irak genug von aussenpolitischen Abenteuern. Und da hat Trump bislang geliefert. Er ist selber ein Isolationist und will die US-Soldaten nach Hause holen. Auch seine Forderung an die NATO-Verbündeten, mehr Geld für die Verteidigung auszugeben und die USA zu entlasten, stösst auf Zustimmung.

Treue Fans

Allen Lügen und Twitter-Tiraden zum Trotz kann sich Donald Trump auf den Rückhalt seiner vorwiegend weissen Anhängerschaft verlassen. Sie scheint ihm fast bedingungslos zu folgen und in Kauf zu nehmen, dass er die Mauer an der Südgrenze nicht gebaut hat. Ausserdem ist kein ernsthafter Herausforderer aus den Reihen der Republikaner in Sicht. Bill Weld, der frühere Gouverneur von Massachusetts, will gegen Trump antreten, doch Chancen gibt man ihm keine.

Und das spricht gegen Trumps Wiederwahl:

Wirtschaft

Die US-Wirtschaft befindet sich seit 2009 auf Wachstumskurs. Damit steigt das Risiko eines Abschwungs. Mit seinen Handelskriegen und Strafzöllen sorgt Trump zusätzlich für Unsicherheit. Er scheint dem Frieden selber nicht zu trauen. Das zeigen seine Angriffe auf die Notenbank FED und die Forderung nach tieferen Zinsen. Eine Rezession im Wahljahr wäre Gift für ihn.

Enthusiasmus

epa07379611 Demonstrators rally against the proposed border wall emergency declaration by US President Donald J. Trump at a Presidents Day protest in Los Angeles, California, USA, 18 February 2019. The event was in opposition to the administration's plans for an emergency declaration to build a wall on the southern US border.  EPA/EUGENE GARCIA

Protest gegen Donald Trump in Los Angeles. Bild: EPA/EPA

Donald Trump mag über eine treue Fangemeinde verfügen, doch auch der Wille seiner Gegner, ihn aus dem Amt zu jagen, ist beträchtlich. Dies zeigte sich im letzten November bei den Kongresswahlen, als die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus eroberten. Und schon 2016 hatte Hillary Clinton fast drei Millionen Wählerstimmen mehr geholt.

Demografie

Frauen, Junge und Minderheiten: Mit dieser «bunten» Koalition schaffte Barack Obama zweimal die Wahl. Clinton konnte dieses Kunststück nicht wiederholen, doch nun spricht einiges dafür, dass es erneut funktionieren wird. Trumps weisser Nationalismus ist ein Affront für Schwarze und Latinos, viele Frauen sind entsetzt über die Angriffe der Republikaner auf das Abtreibungsrecht, und die jungen Amerikaner flirten zunehmend mit dem «Sozialismus».

Landkarte

Parallel zur Demografie wandelt sich die politische Landkarte, zu Ungunsten der Republikaner. In Michigan, Pennsylvania und Wisconsin hatte Trump 2016 nur knapp gewonnen, und im Süden droht weiteres Ungemach. Laut einer aktuellen Umfrage der renommierten Universität Quinnipiac würde Trump in Texas (!) gegen Joe Biden verlieren. In Arizona ist dank der wachsenden Latino-Bevölkerung eine ähnliche Entwicklung erkennbar.

Diese Demokraten kandidieren gegen Trump

In den fast eineinhalb Jahren bis zur Wahl kann viel passieren. Aussenpolitisch könnte es zu einer Eskalation mit Iran oder Nordkorea kommen. Im Kongress laufen Ermittlungen gegen Trump und seine Entourage. Kommt es zu einem Impeachment, obwohl dieses Verfahren laut Umfragen unpopulär ist? Und wird die Kandidatin oder der Kandidat der Demokraten aus der harten Vorwahl-Schlacht im mehr als 20-köpfigen Bewerberfeld gestärkt oder beschädigt hervorgehen?

Ein unberechenbarer Faktor ist die Einmischung aus dem Ausland in den US-Wahlkampf. Donald Trump sorgte diese Woche mit seiner Aussage für Aufruhr, er würde durchaus Informationen von ausländischen Stellen annehmen, die seinen Gegnern schaden könnten. Man kann hoffen oder befürchten, dass Trumps Wiederwahl-Kampagne scheitert. Aber davon ausgehen sollte man nicht.

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