Warum Trump eine Dynastie will
Schon die Römer wussten, dass Ruhm vergänglich ist. «Sic transit gloria mundi», lautet ein bekanntes lateinisches Zitat. Und schon die römischen Imperatoren taten alles, um gegen den Zerfall ihres persönlichen Ruhms anzukämpfen. Caligula beispielsweise liess Tempel nach sich benennen, goldene Statuen von sich in Rom aufstellen und machte – um seine Verachtung der politischen Kaste zu demonstrieren – ein Pferd zum Konsul, dem höchsten zivilen und militärischen Amt.
Donald Trump singt aus dem gleichen Gesangsbuch. Im kommenden Juni wird er 80 Jahre alt. Zwar prahlt er damit, dass er «eine aussergewöhnlich brillante Person» sei, doch er ahnt zumindest, dass er deswegen nicht unsterblich ist. Wie Caligula unternimmt er daher geradezu hektisch alles, um dafür zu sorgen, dass sich auch die Nachwelt an ihn erinnert.
Sein Ballroom kostet inzwischen nicht mehr 200 Millionen, sondern eine Milliarde Dollar, und das Geld stammt auch nicht mehr von privaten Mäzenen, sondern vom Steuerzahler. Der bis 2028 zu errichtende Trump'sche Triumphbogen in Washington ist ebenfalls für die Ewigkeit gedacht. Zudem hat der Präsident eine überdimensionale goldene Statue anfertigen lassen, die dereinst in seiner Bibliothek, die als Wolkenkratzer in Miami vorgesehen ist, aufgestellt werden soll.
Schliesslich will Trump nicht nur, dass landesweit Flughäfen und Bahnhöfe nach ihm benannt werden, sondern drängt auch darauf, dass sein Konterfei nebst George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln in den Mount Rushmore, einen Berg im Bundesstaat South Dakota, gemeisselt werden soll.
Dass dies alles nicht reichen wird, weiss auch Trump. Auch er kann sich ausmalen, dass sich in Washington viele schon die Hände reiben, dass wohl schon an dem Tag, an dem er zum zweiten Mal in seinem Privatjet in Richtung Florida abheben wird, sein Nachfolger die Bagger und Abrissbirnen auffahren lässt, um dem Spuk ein Ende zu bereiten, um nicht nur die Gold-Orgie im Weissen Haus wieder zu entfernen, sondern möglicherweise auch Ballroom und Triumphbogen – sollten sie denn je gebaut werden – wieder abzureissen.
Trump weiss auch, dass selbst ein Nachfolger aus den Reihen der Grand Old Party so handeln könnte, denn dass seine Speichellecker Opportunisten sind, die ihn aus tiefsten Herzen hassen, ist ihm bewusst. Nur wenn es ihm daher gelingt, ein Mitglied aus der eigenen Familie ins Oval Office zu hieven, besteht die Chance, dass sein grandioser Kitsch ihn überleben wird.
Mit anderen Worten: Trump braucht eine Dynastie. Zu diesem Schluss kommt auch Edward Luce in der «Financial Times». Er schreibt:
Als Nachfolger aus der eigenen Familie kommt eigentlich nur Don Jr. infrage. Dessen Bruder Eric gilt als Lachnummer, Baron und Tiffany haben das in der Verfassung vorgeschriebene Mindestalter von 35 Jahren noch nicht erreicht, und Ivanka hat sich völlig aus der Politik zurückgezogen. Trumps ältester Sohn ist denn auch eifrig bemüht, sich politisch zu profilieren, bisher allerdings mit überschaubarem Erfolg. Das Wettbüro Polymarket schätzt seine Chancen, seinem Vater als amerikanischer Präsident nachfolgen zu können, auf derzeit drei Prozent ein.
Als republikanische Favoriten werden derzeit J.D. Vance und Marco Rubio gehandelt. Doch das könnte sich ändern. Trump unternimmt alles, um beide so klein wie möglich zu machen, nicht nur, weil er wie alle Diktatoren keinen Nachfolger salbt, da dies seine Macht sofort schmälern würde, sondern auch, um seinem Sohn eine Tür offenzuhalten.
Deshalb zahlen der Vize und der Aussenminister einen hohen Preis. Sie werden regelmässig gedemütigt. So wird spekuliert, dass Trump den Streit mit dem Papst nicht nur aus Grössenwahn angezettelt hat, sondern auch, um Vance schlecht aussehen zu lassen. Dieser ist gläubiger Katholik und bald soll sein zweites Buch erscheinen, in dem er schildert, wie er zum Glauben gefunden hat. Um Trump nicht zu verärgern, musste er sich jedoch dazu entblöden, dem Papst Nachhilfeunterricht in Sachen Theologie zu erteilen.
Vance darf auch nicht nach Rom reisen, um den Streit zwischen dem Vatikan und dem Weissen Haus wieder auszubügeln. Mit dieser Aufgabe wurde Marco Rubio betreut, obwohl dieser als Aussenminister und Sicherheitsberater in Personalunion angesichts des Irankrieges wohl dringendere Dinge zu tun hätte. Trump will damit aller Welt zeigen, dass Rubio kein Henry Kissinger ist, und – um das noch zu unterstreichen – lässt er ihn viel zu grosse, hässliche Schuhe tragen.
Dabei gehören Vance und Rubio zu den Mitgliedern des Kabinetts, denen man zwar mangelnde Moral, nicht jedoch mangelnde Intelligenz nachsagen kann. Für andere Mitglieder der Regierung trifft dies nicht zu, etwa für Verteidigungsminister Pete Hegseth oder FBI-Direktor Kash Patel. Ihr Wirken ist in einem Mass peinlich, dass in Washington derzeit Wetten laufen, nicht, ob, sondern wann sie – wie bereits die Justizministerin Pam Bondi, die Heimatschutzministerin Kristi Noem und die Arbeitsministerin Lori Chavez-Deremer – gefeuert werden.
Grössenwahn des Präsidenten, gepaart mit der Inkompetenz seiner Regierung, ist zu einer Gefahr für die USA geworden. So schreibt der «Economist»:
