WHO bestätigt weiteren Fall von Hantavirus auf «Hondius» – Angst auf Teneriffa
Die Zahl der Menschen, die positiv auf das Hantavirus getestet wurden, steigt auf sechs. Das gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am späten Freitagabend bekannt. Zudem gebe es zwei Verdachtsfälle. Drei der bisherigen Patienten starben, darunter eine Frau aus Deutschland.
Unterdessen nähert sich das Polarkreuzfahrtschiff «Hondius» den Kanaren. Es wird am Sonntagmorgen auf Teneriffa erwartet.
Die Planungen für die Ankunft, inklusive Untersuchungen und Quarantäne-Prozeduren, würden von verschiedenen Organisationen verantwortet, darunter die WHO, teilte der Veranstalter Oceanwide Expeditions am Freitagabend mit. Der Betreiber erklärte, derzeit zeige niemand auf der «Hondius» Symptome.
Proteste auf Teneriffa
Auf Teneriffa wächst trotzdem die Sorge, der Ausbruch könnte sich vom Schiff aus ausbreiten. Hafenarbeiter demonstrieren und drohen mit Streik. «Sie wollen uns ein Schiff mit Menschen schicken, die mit einem Virus infiziert sind», zitierte die «Bild»-Zeitung einen der Arbeiter. Er habe Angst vor einem Lockdown und Toten. «Das wird eine Katastrophe.»
Der Hotel- und Gaststättenverband von Teneriffa rief derweil dazu auf, «Ruhe zu bewahren und unnötige Panik zu vermeiden». Die WHO hat wiederholt betont, dass es sich bei dem Hantavirus-Ausbruch um eine ernste Entwicklung handle, aber keinesfalls um den Beginn einer Pandemie. Hantaviren werden üblicherweise durch infizierte Nager wie Ratten oder Mäuse übertragen. Bei dem aktuellen Ausbruch geht es um den sogenannten Andes-Typ, bei dem eine Übertragung von Mensch zu Mensch bereits in der Vergangenheit in Einzelfällen dokumentiert wurde.
Virus in Schweiz sequenziert
Auch der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sieht keinen Grund zur Panik. t-online sagte er, es gebe bisher keine belastbaren Hinweise darauf, dass das Virus mutiert und besonders ansteckend geworden sein könnte. Auch nachdem das Virus aus Blutproben des in der Schweiz behandelten Patienten vollständig sequenziert wurde, hat sich seine Bewertung nicht verändert. Dem Science Media Center Germany erklärte Schmidt-Chanasit, es lägen keine klaren epidemiologischen Hinweise auf ein verändertes Verhalten des Virus vor.
Somit bleibe die bisherige Risikobewertung: Enger, längerer oder ungeschützter Kontakt zu Erkrankten sei anders zu bewerten als flüchtige Alltagskontakte. Sein Fazit: «Relevante Kontaktpersonen sollten wegen der langen Inkubationszeit über mehrere Wochen aktiv überwacht werden.» Eine pauschale Quarantäne aller Personen halte er hingegen «nicht automatisch für verhältnismässig».
Keine Entwarnung in Düsseldorf
Die in Düsseldorf in der Uniklinik isolierte Kontaktperson der toten Deutschen wurde bislang negativ auf das Virus getestet. Das Universitätsklinikum betonte indes, dies bedeute keine Entwarnung. Der Bereichsleiter Tropenmedizin, Oberarzt Professor Dr. Torsten Feldt, erklärte: «Wir können nur sagen, dass sie derzeitig keine aktive Infektion hat.»
Die Frau könne durchaus infiziert sein, sich aber noch innerhalb der Inkubationszeit befinden. Diese betrage meist zwischen zwei bis vier Wochen, es gebe aber auch Einzelfälle mit einer bis zu acht Wochen langen Inkubationszeit.

