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Wahlen in Kentucky: Stoppt Thomas Massie Trump?

Rep. Thomas Massie, R-KY, sits at a table alone in the studio ahead of a Kentucky Educational Television (KET) debate, Monday, May 4, 2026, in Lexington, Ky. (AP Photo/Jon Cherry)
Election 2026 Kentuc ...
Wird für Trump gefährlich: Thomas Massie.Bild: keystone
Analyse

Stoppt dieser Mann Trump?

Siegt Thomas Massie in den Vorwahlen in Kentucky, ist dies ein ganz schlechtes Omen für den Präsidenten und seine Grand Old Party.
18.05.2026, 20:2018.05.2026, 20:38

Thomas Massie ist so ziemlich das Gegenteil eines Progressiven. Der republikanische Abgeordnete aus dem Bundesstaat Kentucky ist nicht konservativ, er bewegt sich an der Grenze zum Libertären. In mehr als 90 Prozent aller Abstimmungen im Repräsentantenhaus hat er denn auch zusammen mit seinen Kollegen der Grand Old Party (GOP) im Sinne von Donald Trump gestimmt.

Trotzdem überschüttet ihn der Präsident mit Hass-Posts und üblen Beschimpfungen. Er sei ein «Dummkopf» und ein «vollständiges und totales Desaster», so Trump. Mehr noch: Trump flog gar eigens in den Bezirk von Massie, um in den Vorwahlen für dessen Gegenkandidaten Ed Gallrein, einem ehemaligen Navy Seal, die Wahltrommel zu schlagen. Was hat Massie verbrochen, um den Zorn des Präsidenten auf sich zu ziehen?

Rep. Thomas Massie, R-Ky., and Rep. Marjorie Taylor-Greene, R-Ga., right, speak during a news conference as the House prepares to vote on the Epstein Files Transparency Act, at the Capitol in Washingt ...
Thomas Massie mit Epstein-Opfern vor dem Kapitol.Bild: keystone

Zwei Dinge: Erstens war er zusammen mit dem demokratischen Abgeordneten Ro Khanna die treibende Kraft hinter der erzwungenen Veröffentlichung der Epstein Files. Trump wollte dies lange um jeden Preis verhindern. Zweitens hat sich Massie erdreistet, gegen Trumps Big Beautiful Bill zu stimmen. Er tat dies aus Überzeugung, denn die damit verbundene Erhöhung des ohnehin schon krassen Staatsdefizits widerspricht seinen tiefsten Überzeugungen.

Mit anderen Worten: Trump wütet gegen Massie, weil dieser einer aussterbenden Rasse angehört. Der 55-jährige Ingenieur mit einem MIT-Abschluss ist ein konservativer Republikaner, der sich erlaubt, eine eigene Meinung zu haben.

Zudem hat Massie noch eine weitere Todsünde begangen: Er will Israel wie auch der Ukraine die Militärhilfe verweigern, weil er grundsätzlich der Meinung ist, dass dieses Geld im eigenen Land benötigt wird. Das hat zur Folge, dass die Kampagne seines Gegners von der Israel-Lobby im grossen Stil unterstützt wird.

Miriam Adelson, die Witwe des ehemaligen Casino-Tycoons Sheldon Adelson, und die Financiers Paul Singer und John Paulson haben Millionen Dollar an die Kampagne von Gallrein gespendet. Auch AIPAC, die israelische Lobby-Organisation, hat tief ins Portemonnaie gegriffen. Die Folge davon ist die teuerste Vorwahl-Kampagne aller Zeiten. Insgesamt sind mehr als 32 Millionen Dollar für Werbung ausgegeben worden; 18,6 Millionen Dollar für Gallrein, 13,5 Millionen Dollar für Massie. Dieses Geld stammt mehrheitlich von Kleinspenden.

epa12597489 US President Donald Trump (L) talks with Miriam Adelson (R) during a Hanukkah reception in the East Room at the White House in Washington, DC, USA, 16 December 2025. EPA/YURI GRIPAS / POOL
Milliardärin und Trump-Fan: Miriam Adelson.Bild: keystone

Das zeigt die Bedeutung, die diese Vorwahl hat. Sie findet morgen statt, und der Ausgang könnte eng werden. Derzeit hat Massie in den meisten Umfragen einen kleinen Vorsprung.

Was spricht für Trump? Wie erwähnt soll Massie mit einer Geldwalze plattgemacht werden. Dazu muss er auch Schläge tief unter der Gürtellinie verkraften. So wurde auch eine kurzzeitige Freundin – seine Frau ist verstorben – von den Gegnern aufgeboten, die behauptet, Massie habe sie bezahlt, damit sie nicht auspacke, dass er seine Mitarbeiter schlecht behandle. «Es wird hässlich», erklärt denn auch Dave Fischer, der für die Wahl zuständig ist, im «Wall Street Journal». «Sehr hässlich.»

Trump kann auch vorweisen, dass am Wochenende Bill Cassidy, ein republikanischer Senator im Bundesstaat Louisiana, die Vorwahlen gegen eine von Trump unterstützte Gegenkandidatin verloren hat. Cassidy hatte sich seinerzeit im zweiten Impeachment-Prozess für eine Verurteilung des Präsidenten ausgesprochen. Im Bundesstaat Indiana sind auf lokaler Ebene Vertreter der GOP besiegt worden, die einem von Trump verlangten Gerrymandering – einer willkürlichen Manipulation der Wahlbezirke – nicht zugestimmt hatten.

Schliesslich kann Trump auf eine sichere Basis in Kentucky zählen. 2024 hat er in diesem konservativen Bundesstaat die Wahlen sehr deutlich gewonnen.

Was für Massie spricht

Doch auch Massie ist beliebt. Und die Stimmung hat sich in letzter Zeit deutlich gegen Trump gewandt. Immer tiefer versinkt der Präsident in einem Umfrageloch. Das hat verschiedene Gründe:

Gerade die Trump-Wähler leiden immer stärker unter der Erschwinglichkeitskrise, und diese verschärft sich weiter. Inzwischen können die Löhne nicht mehr mit der Inflation mithalten. Dazu kommt, dass der Präsident einen möglicherweise fatalen Fehler begangen hat. «Ich kümmere mich nicht um die finanzielle Situation der Amerikaner», antwortete er auf die Frage nach den wegen des Irankrieges explodierenden Lebenskosten des Mittelstandes. Dieses Zitat dürfte ihm noch lange um die Ohren fliegen und von den Demokraten vor den Zwischenwahlen in einer Endlosschleife rezykliert werden.

Trump leidet offensichtlich unter Realitätsverlust. Er spürt, dass er nicht mehr ewig leben wird und kümmert sich fast ausschliesslich um sein Erbe. Deshalb will er einen Ballroom, einen Triumphbogen, deshalb lässt er den Teich vor dem Lincoln-Denkmal blau malen und das Weisse Haus mit Gold vollpflastern. Dumm bloss, dass selbst die Mehrheit seiner Wählerinnen und Wähler genau das nicht will.

HANDOUT - Schweizer Wirtschaftsfuehrer mit Daniel Jaeggi, Mercuria, Alfred Gantner, Partners Group, Johann Rupert, Richemont, Jean-Frederic Dufour, Rolex, Marwan Shakarchi, MKS PAMP, sitzend von recht ...
Lässt sich gerne bestechen: Trump und die Schweizer Delegation im Oval Office.Bild: MSC; ROLEX; PARTNERS GROUP; MERC

Die Korruption des Trump-Clans hat inzwischen industrielle Ausmasse angenommen. Rund sechs Milliarden Dollar sollen der Präsident und seine Söhne mittlerweile unrechtmässig eingesackt haben. Dabei lässt sich der Präsident nicht nur von den Ölscheichs des Persischen Golfes bestechen. Eiskalt zockt er auch die eigene MAGA-Basis ab. So hat die Trump Organization rund 60 Millionen Dollar an Anzahlungen für ein Smartphone eingesteckt, das längst hätte ausgeliefert werden sollen und das, wenn überhaupt, nicht wie versprochen in Amerika, sondern in China produziert wird.

Die Israel-Frage könnte sich ebenfalls als Bumerang erweisen. Gaza und der Irankrieg haben dazu geführt, dass die Mehrheit der Amerikanerinnen und Amerikaner keine Sympathien mehr für Netanjahu & Co. empfindet.

Nebst seinen Eitelkeits-Projekten denkt Trump hauptsächlich an Rache. Deshalb unterstützt er in den Vorwahlen Kandidaten, die in den eigentlichen Wahlen gegen demokratische Gegner auf der Strecke bleiben könnten. Senator Bill Cassidy hat er bereits abgeräumt. Susan Collins in Maine, Joni Ernst in Iowa und John Cornyn in Texas könnten die nächsten Opfer sein.

Für die GOP könnte das im kommenden November böse enden. Das befürchtet auch das konservative «Wall Street Journal». Es stellt fest:

«Sollten die Republikaner das Abgeordnetenhaus verlieren, dann kann der Präsident keine Gesetze mehr verabschieden. Sollten sie den Senat verlieren, kann er keine konservativen Richter mehr ernennen. Stattdessen wird er sich dann zwei Jahre lang mit von den Demokraten eingeleiteten Untersuchungen gegen sich und seine Familie herumschlagen müssen.»
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19 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Trio_Duo
18.05.2026 20:40registriert Februar 2025
Die Bevölkerung müsste Trump stoppen. Alles andere ist ein weiteres Armutszeugnis für die Amis... Gewählt... WIEDERgewählt...
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Driver-Seat
18.05.2026 21:02registriert Juli 2025
Ich wünsche mir so sehr, dass im November der Wandel eingeleitet wird.
Trump und sein Clan müssen so schnell wie möglich für ihre Verbrechen bestraft werden.
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Mentos
18.05.2026 20:42registriert Mai 2020
Thomas Massie ist für Trump momentan eher wie ein hartnäckiger Kieselstein im Schuh. Es ist extrem nervig, es behindert den Gang, aber man schmeißt deshalb nicht gleich die ganze Wanderausrüstung weg. Ob daraus eine Lawine wird? Das entscheiden in Kentucky am Ende die Wähler, nicht die Wahrsager.
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