International
Analyse

Teheran behält seine Trumpfkarte – und feiert einen strategischen Sieg

KEYPIX - President Donald Trump pretends to aim a sniper gun while speaking with reporters in the James Brady Press Briefing Room at the White House, Monday, April 6, 2026, in Washington. (AP Photo/Ju ...
Donald Trump hat am Dienstag überraschend im Iran-Krieg eine Waffenpause angekündigt. Bild: keystone
Analyse

Teheran behält seine Trumpfkarte – und feiert damit einen strategischen Sieg

Der amerikanische Präsident stimmt doch noch Verhandlungen mit dem Iran über einen Friedensplan zu – zu Bedingungen des Gegners, der zudem die Kontrolle über seinen wichtigsten Trumpf behält.
08.04.2026, 06:3008.04.2026, 06:30
renzo ruf, washington

Die Ankündigung kam 88 Minuten vor Ablauf des Ultimatums. Donald Trump kündigte in der Nacht auf Mittwoch an, dass er die Angriffe auf den Iran für vorerst zwei Wochen aussetzen werde – sofern das Regime in Teheran die Strasse von Hormus «komplett, umgehend und sicher» für den Schiffsverkehr öffnet, wie er auf dem Internetdienst Truth Social schrieb. Teheran habe im Gegenzug versprochen, die Angriffe auf Nachbarländer im Nahen Osten auszusetzen.

Die Waffenruhe im Überblick:

Die geplante Zerstörungskampagne gegen zivile Ziele im Iran, die Trump noch am Dienstag in einer aussergewöhnlich harschen Stellungnahme angekündigt hatte, ist damit schubladisiert. Stattdessen wird der amerikanische Präsident, mit Hilfe von Vermittlern in Pakistan und China, und basierend auch auf Ideen aus Teheran, einen Friedensplan aushandeln. Auch Israel werde sich an die Waffenpause halten, hiess es zudem aus dem Weissen Haus – obwohl der Iran nach der Publikation von Trumps Stellungnahme weiter Raketen auf Israel abfeuerte.

Ein strategischer Sieg für den Iran

Die Unterstützer Trumps lobten den Präsidenten umgehend für seinen angeblich geschickten Verhandlungsstil. Weil er eine derart massive Drohkulisse aufgebaut habe, «zuckte der Iran zuerst», sagte die Fernsehmoderation Laura Ingraham auf dem Sender Fox News. Trump habe damit nicht nur seine Ziele erreicht, sondern auch seine Kritiker Lügen gestraft, die ihn zuletzt als irre bezeichneten.

Unabhängige Beobachter wiesen in ersten Reaktionen darauf hin, dass die Feuerpause im Iran-Krieg an eine klare Bedingung geknüpft sei: Der Iran muss die Blockade der Strasse von Hormus «komplett» und «umgehend» beenden. Der Aussenminister Abbas Araghtschi teilte in einer ersten Stellungnahme in Englisch aber mit, dass die sichere Passage von Schiffen durch die Meerenge mit den iranischen Streitkräften koordiniert werden müsse, unter «angemessener Berücksichtigung technischer Beschränkungen».

FILE - Iranian Foreign Minister Abbas Araghchi looks on during a meeting with Director General of the International Atomic Energy Agency (IAEA) Rafael Grossi, and Egyptian Foreign Minister Badr Abdela ...
Irans Aussenminister Abbas Araghtschi.Bild: keystone

Diese Formulierung deutet darauf hin, dass Teheran seine Trumpfkarte in diesem Krieg nicht aus der Hand gibt: Die Strasse von Hormus wird vorderhand durch den Iran kontrolliert. Das ist ein strategischer Sieg für die verbleibenden Führungskräfte des Regimes und «schlicht katastrophal», wie der demokratische Senator Chris Murphy sagte.

Hinzu kommt, dass die iranische Regierung berüchtigt dafür ist, auf Zeit zu spielen. Der 10-Punkte-Plan, auf dessen Basis angeblich nun verhandelt werden soll, enthält zum Beispiel die Bedingung, dass sämtliche amerikanischen Sanktionen gegen den Iran beendet werden sollen. Das ist eine Maximalforderung, die in weiten Teilen des amerikanischen Kongresses auf Ablehnung stossen wird.

Hat der Präsident den Bogen überspannt?

Die Kritiker Trumps schüttelten derweil den Kopf über einen Präsidenten, der im entscheidenden Moment (fast) immer einen Rückzieher macht – und zwar immer dann, wenn der Druck von Börsianern und Energiehändlern zu gross wird. Stimmen im rechten und linken Lager wiesen noch am Dienstag darauf hin, dass die Methode Trump aber langsam an die Grenzen stosse. So musste der Präsident dieses Mal mit der Vernichtung «einer ganzen Zivilisation» drohen, um einem militärisch bereits weitgehend besiegten Land Konzessionen abzuringen.

Trump geht das Risiko ein, dass er trotz der Schlagkraft der amerikanischen Streitkräfte bald nicht mehr ernst genommen wird. In der nächsten Krise könnte dies katastrophale Folgen haben. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
123 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Gina3
08.04.2026 06:49registriert September 2023
Eine Anmerkung vorweg: Ich bin froh, dass die Welt nicht von der Armee des „Friedenspräsidenten“ Trump verwüstet wurde.
Und dann ein Kommentar dazu:
“Die Kritiker Trumps schüttelten derweil den Kopf über einen Präsidenten, der im entscheidenden Moment (fast) immer einen Rückzieher macht – und zwar immer dann, wenn der Druck von Börsianern und Energiehändlern zu gross wird.”

Am Ende zählt nur eine Sprache: die des Geldes!!!
Frieden? Demokratie?
Fehlanzeige!!
1634
Melden
Zum Kommentar
avatar
mrmikech
08.04.2026 07:09registriert Juni 2016
Das amerikanische Volk hat Milliarden für einen unnötigen Krieg bezahlt – und für was genau? Selbst viele Trump-Anhänger sind nicht so naiv, das einfach hinzunehmen. Viele wissen vielleicht nicht genau, wo der Iran liegt, aber sie sehen Trumps Widersprüche klar und spüren vor allem das immer leerere Portemonnaie.

Die Welt hat Amerika als verlässlichen Partner längst aufgegeben. Trump zerstört mit jeder Aktion weiter Vertrauen und macht die USA zunehmend irrelevant.

Gut für China und Europa. Wir sollten unsere Rolexen und Goldbarren hier behalten.
1213
Melden
Zum Kommentar
avatar
Mentos
08.04.2026 07:01registriert Mai 2020
Der diplomatische „Moonwalk“ – Donald Trump sieht aus, als würde er nach vorne stürmen, bewegt sich aber eigentlich in die entgegengesetzte Richtung.
1113
Melden
Zum Kommentar
123
US-Patriots: Beschaffung von Alternative für Schweiz schwierig – die Sonntagsnews
Die Bundesverwaltung will ihre Abhängigkeit von Microsoft reduzieren und das Egerkinger Komitee plant eine neue Offensive gegen Moscheeprojekte in der Schweiz. Das findet sich in den Sonntagszeitungen.
Der Bund strebt laut der «NZZ am Sonntag» eine schrittweise Abkehr von Microsoft an. «Die Bundesverwaltung strebt an, ihre Abhängigkeit von Microsoft schrittweise und langfristig zu reduzieren», bestätigte ein Sprecher der Bundeskanzlei der Zeitung. Dies komme überraschend, da erst kürzlich Microsoft 365 trotz Bedenken wegen der Datensicherheit an rund 54'000 Arbeitsplätzen eingeführt worden sei. Intern habe es zuvor Widerstände gegen Alternativen gegeben, die teils als «Bastelei» bezeichnet worden seien. Der frühere Armeechef Thomas Süssli habe jedoch gefordert, alternative Lösungen rascher zu prüfen. Eine Machbarkeitsstudie zeige nun, dass ein Ersatz durch Open-Source-Software möglich sei. Als Referenz gelte Deutschland, wo an einer unabhängigen Open-Source-Lösung gearbeitet werde, an der auch die Schweiz interessiert sei. Das Bundesland Schleswig-Holstein habe seine Verwaltung bereits umgestellt.
Zur Story