Lasst doch Trump Denkmäler bauen
In den nächsten Wochen sollte eigentlich eine wichtige Brücke zwischen der amerikanischen Stadt Detroit und dem kanadischen Windsor eröffnet werden. Sie wird den Warenverkehr zwischen den USA und Kanada massiv entlasten und bildet somit ein bedeutendes Element im Handel zwischen den beiden Nationen.
Die Brücke sollte eröffnet werden, wird es aber vielleicht nicht, denn Donald Trump hat sein Veto eingelegt, mit der Begründung: Zunächst müsse Kanada seine neuen Handelsverträge mit China aufs Eis legen, und zudem seien die USA auch bei der Finanzierung dieser Brücke übers Ohr gehauen worden.
Selbstredend ist dies vorgeschobener Blödsinn. Als der Bau dieser Brücke im Jahr 2017 beschlossen wurde, war Trump ein enthusiastischer Befürworter. Dass der US-Präsident einen weiteren Streit mit seinem nördlichen Nachbarn vom Zaun bricht, hat daher wohl andere Gründe, beispielsweise eine weitere Ablenkung von den Epstein-Files, die nach wie vor wie ein Damoklesschwert über dem Weissen Haus hängen.
Wahrscheinlich ist jedoch einmal mehr Trumps krankhafter Narzissmus die Ursache. Die Lösung wäre daher simpel: Die Brücke, die nach dem legendären Hockeyspieler Gordie Howe benannt ist, muss einfach in Trump-Brücke umgetauft werden. Mit dieser simplen Massnahme löst sich der Konflikt in Luft auf.
Was so lächerlich tönt, ist in der Trump-Ära bittere Realität geworden. Der Präsident tickt tatsächlich so. So hat er auch die Gelder für einen Tunnel zwischen New York und dem Bundesstaat New Jersey eingefroren, ebenfalls ein bedeutendes Infrastrukturprojekt.
In einem Gespräch mit Chuck Schumer, einem der zwei Senatoren aus dem Bundesstaat New York, hat er jedoch durchblicken lassen, er werde die Gelder freigeben, sollte man die Penn Station, den legendären Bahnhof in Manhattan, in Trump Station umbenennen. Und ja, man könnte im gleichen Zug den Dulles Airport in Washington – dort starten und landen die Auslandflüge – in Trump Airport umtaufen. Schliesslich trage der Flughafen für Inlandflüge bereits den Namen Reagan Airport.
Lange hat sich Trump damit begnügt, seinen Namen an Hotels und Liegenschaften anzubringen. Wie ein Hund, der jede Strassenlaterne markiert, ist er jedoch in seiner zweiten Amtszeit bemüht, alles und jedes mit seiner Signatur zu versehen.
Das Kennedy Center hat etwas davon abbekommen, ebenso ein Friedensinstitut, das er ursprünglich schliessen wollte. Ferner drängt Trump darauf, dass das Stadion der Washington Commanders nach ihm benannt wird. Ein monumentaler Ballroom soll den Ostflügel des Weissen Hauses ersetzen und seinen Ruhm für alle Zeiten festigen, ebenso ein riesiger Triumphbogen am Fluss Potomac, den der Präsident anlässlich der 250-Jahr-Feier nach dem Vorbild von Paris errichten lassen will.
«Sein Ziel besteht darin, solange er die Möglichkeit dazu hat, sich in das Alltagsleben einer undankbaren Nation hineinzudrängen, sogar – oder besonders – an Orten, die nicht viel für ihn übrig haben», stellt Michelle Cottle in der «New York Times» fest.
Trumps narzisstischer Markierungs-Wahn ist das klarste Symbol für die Veränderung, die sich derzeit in den USA abspielt: Nordamerika verwandelt sich in eine Plutokratie, eine von einem Geldadel beherrschte Gesellschaft. So hat allein die Trump-Familie gemäss Angaben verschiedener Quellen 2025 mehr als vier Milliarden Dollar gescheffelt, kleinere Geschenke wie ein 480-Millionen-Dollar-Jet aus Katar nicht mitgezählt.
Generell zeichnet sich ab, was eine K-Wirtschaft genannt wird, will heissen: Die Schere zwischen sehr Reichen und dem Mittelstand öffnet sich immer weiter. So stellte das Wirtschaftsblatt «Wall Street Journal» jüngst fest:
Sind die USA damit auf dem Weg in eine Kleptokratie nach russischem Vorbild? Liegt darin das Geheimnis für Trumps rätselhafte Sympathie für Wladimir Putin? Wie auch immer, noch ist es nicht so weit. So stellt Gideon Rachman in der «Financial Times» fest, dass gegen Trumps nicht mehr zu rechtfertigendes Verhalten Widerstand erwächst, sowohl international wie auch im eigenen Land. «Dieser Widerstand könnte noch an Fahrt aufnehmen – und gar in einer Zurückweisung der MAGA-Bewegung enden», so Rachman.
Angesichts dieses wachsenden Widerstandes muss auch die These Mark Carneys, die er in seiner Rede am WEF in Davos vertreten hat, nicht das letzte Wort sein. Der kanadische Premierminister hat proklamiert, dass die liberale Weltordnung unter der Führung der USA endgültig zerbrochen sei. Dem stellt Rachman die These entgegen: «Der wachsende Widerstand gegen Trump erhöht die Chancen, dass seine Präsidentschaft sich letztlich als eine groteske Verirrung erweisen wird – und nicht als ein endgültiger Paradigmenwechsel.»
Sollte Rachman Recht erhalten, dann können wir auch Trumps Denkmal-Wahn gelassen sehen. Sollte er denn das Weisse Haus einmal endgültig verlassen haben, werden auch die Inschriften wieder verschwinden und möglicherweise auch die Denkmäler. Mit ihnen könnte das Gleiche geschehen wie mit den Stalin-, Hussein- und Assad-Statuen: Sie werden von fröhlichen Menschen gestürzt und durch die Strassen geschleift.
Trumps Denkmäler werden dann zu Mahnzeichen. Oder wie Gal Beckerman im «Atlantic» schreibt: «Der effektivste Weg, die noch nie da gewesene Selbstbedienung der Trump-Regierung zu unterstreichen, führt stets über Momente, die aufzeigen, dass die Abnormalität abscheulich und nicht zu leugnen ist.»
