Im Mai orakelten die Zeitungen von Tamedia, dass die ukrainische Front wanke und Kiews Armee zusammenbrechen könne. Zahlreiche Experten rieten der Ukraine, endlich mit Moskau zu verhandeln und Gebiete abzutreten.
Die «Weltwoche» – nie verlegen, wenn es um die Verbreitung von Kreml-Propaganda geht – sprach von der «ausgebluteten ukrainischen Armee». Ein abgehalfterter Spitzendiplomat, der heute für das Bündnis Sahra Wagenknecht politisiert, wurde mit den Worten zitiert, dass die Ukraine den Krieg verloren habe.
Wenn man eines aus der Invasion in der russischen Region Kursk lernen kann, dann das hier: Der Verlauf dieses Kriegs ist nicht vorhersehbar, und es haben sich alle, ja wirklich alle Sofa-Experten und Schreibtischtäter getäuscht. Wie schon zu Beginn des Kriegs, als der Verteidigungswille der Ukrainer sträflich unterschätzt wurde, hat niemand einen solchen Gegenschlag erwartet.
In den Medien von CH Media hiess es dagegen, dass die Ukraine nicht verloren sei und das Bild, das viele Publikationen vom Krieg vermittelten, nicht mit der tatsächlichen Situation übereinstimme. Aber auch wir hätten uns nicht erträumt, dass die Ukraine noch zu einer so grossen und gut vorbereiteten Aktion in der Lage ist.
Was am 6. August vollkommen überraschend begann, entpuppt sich jetzt als erfolgreicher Ausbruch der Ukrainer aus dem Stellungskrieg um den Donbass und die Region Charkiw im Osten des Landes.
Kiew trifft Moskau an seiner schwächsten Stelle und übernimmt damit zumindest an einem Teil der mehr als 1000 Kilometer langen Front die Initiative. Und wie es scheint, ist die Blitzoffensive noch nicht erlahmt. Schätzungen gehen von einem Gebietsverlust von zwischen 400 und 1000 Quadratkilometern für die Russen aus – auf ihrem eigenen Territorium.
Nördlich des Einbruchs, an der wichtigen Strasse zwischen Kursk und Rilsk, heben die Russen Schützengräben aus. In der Nähe dieser Verkehrsachse liegt auch das Atomkraftwerk Kursk. Moskau will um jeden Preis verhindern, dass die Ukrainer bis dorthin vorstossen. Ob Kiew das überhaupt beabsichtigt, wissen wir nicht. Die russischen Behörden haben inzwischen Zehntausende Bewohner evakuiert, nicht nur aus der Region Kursk, sondern auch im benachbarten Belgorod. Das legt die Vermutung nahe, dass auch Moskau von einer Fortsetzung der ukrainischen Offensive ausgeht.
Inzwischen liess die ukrainische Militärführung verlauten, dass sie vor allem zwei Ziele verfolge:
Das russische Invasionskorps hat inzwischen zwar einige Verbände verschoben, aber es scheint sich dabei nicht um die wichtigen Kampfeinheiten zu handeln, die sich im Donbass momentan den ukrainischen Städten Pokrowsk und Torezk nähern.
Der russische Vormarsch setzt sich dort zwar fort, allerdings mit geringeren täglichen Geländegewinnen als zuvor. Ob das bereits die Folgen der Operation Kursk sind, wird sich zeigen. Das verlangsamte russische Vorrücken im Donbass könnte auch damit zusammenhängen, dass Moskaus Truppen nun wieder in zunehmend überbautes Gebiet vorstossen.
Für Kiew stellt sich die Frage, wie tief seine Soldaten noch nach Russland eindringen sollen und ob es nicht klüger wäre, denn Einbruch zu verbreitern statt zu vertiefen.
In Kursk operieren die Ukrainer hoch mobil, auch mit kleinen vorgeschobenen Trupps, die Hinterhalte legen. Allerdings haben sie als Angreifer erhebliche Verluste an Menschen und Material zu beklagen.
Wenn Putin die verlorenen Städte und Dörfer zurückholen will, müssen seine Luftwaffe und Artillerie diese so zerstören, wie sie es im ukrainischen Donbass tun. Spätestens dann wird sich die hässliche Fratze des Kriegs auch in Russland zeigen – für alle sichtbar.
(aargauerzeitung.ch)
Und gerade jetzt verkündet Olaf Scholz, dass die Hilfe Deutschlands an die UA eingestellt wird. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Scholz hätte es ja inoffiziell der UA mitteilen können, aber gerade jetzt öffentlich?
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