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Der Propaganda-Zug aus Belgrad
quelle: epa/epa / str
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Serbien wollte gerade diesen Zug in den Kosovo schicken – das konnte ja nicht gut kommen 



Nach 18-jähriger Unterbrechung wollte Serbien am Samstag den Zugverkehr nach Kosovo wiederaufnehmen – mit einem Propaganda-Zug in den serbischen Nationalfarben. Nach heftigen Reaktionen stoppte Serbiens Regierungschef Aleksandar Vucic den Zug jedoch vor der Grenze.

Er habe gewaltsame Auseinandersetzungen verhindern wollen, sagte Vucic in Belgrad. Er warf Pristina vor, Polizeikräfte an die Grenze entsandt zu haben, um einen «weitreichenden Konflikt zu provozieren».

Der Zug mit der Aufschrift «Kosovo ist Serbien» in mehreren Sprachen war am Morgen vom Hauptbahnhof in Belgrad gestartet. Er sollte nach Kosovska Mitrovica im vorwiegend von Serben bewohnten Norden des Kosovo fahren. Im Inneren des Zuges waren Repliken von Ikonen aus serbisch-orthodoxen Klöstern im Kosovo abgebildet.

A train hostess stands in a train carriage decorated with the iconic figures as it departs from Belgrade to Mitrovica, Kosovo at Belgrade's railway station, Serbia, Saturday, Jan. 14, 2017. Serbia has launched a railway link to Serb-dominated northern Kosovo despite protests from authorities in Pristina who described the move as a provocation and an aggressive violation of Kosovo's sovereignty. (AP Photo/Darko Vojinovic)

Religiöse Ikonen im Inneren des Zuges. Bild: Darko Vojinovic/AP/KEYSTONE

Souveränität bedroht

Das mehrheitlich von ethnischen Albanern bewohnte Kosovo hatte sich im Jahr 2008 einseitig für unabhängig von Serbien erklärt. Die serbische Regierung und die Kosovo-Serben erkennen die Unabhängigkeit jedoch nach wie vor nicht an. Kosovo-Präsident Hashim Thaci rief am Samstag die serbische Führung auf, den Zug zu stoppen. Dieser bedrohe die Souveränität des Kosovo.

Pristina bat auch die EU einzugreifen. Es handle sich bei der Wiederaufnahme des Zugverkehrs um eine Einmischung, «die unsere Souveränität bedroht und beweist, dass Serbien das Kosovo destabilisieren will», erklärte die kosovarische Beauftragte für Verhandlungen mit Serbien, Edita Tahiri.

Kosovos Präsident Hashim Thaci schrieb auf seiner Facebook-Seite, dass er den freien Personen- und Güterverkehr zwar respektiere. Doch die nationalistischen Motive im und auf dem Zug widersprächen klar dem kosovarischen Gesetz und der Verfassung. Dieser Zug sei «komplett unakzeptabel», schreibt Thaci.

epa05247614 Newly elected Kosovo President Hashim Thaci sits at the president's office after he was received by the outgoing President of the Republic of Kosovo, Atifete Jahjaga (unseen), in Pristina, Kosovo, 07 April 2016. The swearing-in ceremony for Thaci in the Kosovo parliamant reportedly was not attended by the members of the opposition.  EPA/VALDRIN XHEMAJ

«Komplett inakzeptabel»: Kosovos Präsident Hashim Thaci. Bild: VALDRIN XHEMAJ/EPA/KEYSTONE

Serbien ist sich keiner Schuld bewusst

Der serbische Minister für den Kosovo, Marko Djuric, wies die Vorwürfe zurück und hielt entgegen, es gebe ja auch zahlreiche Busverbindungen zwischen Serbien und dem Kosovo.

«Wir haben einen Zug geschickt, nicht einen Panzer.»

Aleksandar Vucic, Ministerpräsident von Serbien

Am Abend warf der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic dem Kosovo vor, den Zugführer und die Passagiere inhaftieren zu wollen. Der Kosovo habe bewusst einen Konflikt schüren wollen, als es den Zug nicht habe einfahren lassen wollen.

«Es war mein Entscheid, den Zug in Raska zu stoppen, um einen Konflikt zu verhindern und um zu zeigen, dass wir Frieden in der Region wollen», sagte Vucic. «Wir haben einen Zug geschickt, nicht einen Panzer.» 

Serbian Prime Minister Aleksandar Vucic speaks during a press conference in Belgrade, Serbia, Saturday, Jan. 14, 2017. A Serbian train, sent to Kosovo despite protests from the government in Pristina which called it a violation of its sovereignty, was stopped at the border on Saturday, triggering a dramatic escalation of tensions between the former wartime foes.  (AP Photo/Darko Vojinovic)

Aleksandar Vucic: Der serbische Ministerpräsident macht dem Kosovo Vorwürfe. Bild: Darko Vojinovic/AP/KEYSTONE

EU-Beitritt angestrebt

Auf der kosovarischen Seite der Grenze warteten unterdessen Dutzende Mitglieder einer Sondereinheit der Polizei auf den Zug-Konvoi. Daraufhin endete dessen Fahrt in Raska, dem letzten serbischen Ort vor der Grenze. Vucic warnte, Serbien wolle zwar den Frieden, werde es aber nicht zulassen, wenn Albaner im Kosovo die serbische Minderheit angriffen.

Die zu mehr als 90 Prozent von ethnischen Albanern bewohnte ehemalige serbische Provinz war nach dem Kosovo-Krieg der Jahre 1998 und 1999, bei dem 13'000 Menschen starben, unter internationale Verwaltung gestellt worden.

Die Normalisierung der Beziehungen zwischen Pristina und Belgrad ist Voraussetzung für den von Serbien angestrebten Beitritt zur Europäischen Union. Auch der Kosovo strebt die Aufnahme in die EU an. Das 1,8-Millionen-Einwohner-Land wird von mehr als hundert Staaten anerkannt, darunter die meisten EU-Länder und die USA. (cma/sda/afp/dpa)

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