VAE verlassen die Opec – mit Folgen für das Öl-Kartell
Was ist die Opec?
Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) wurde 1960 in Bagdad von fünf Ländern gegründet – Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela – mit dem Ziel, die Interessen grosser Ölexporteure zu vertreten, Fördermengen zu koordinieren und stabile Einnahmen für die Mitglieder zu sichern. Die Opec-Länder fördern rund 40 Prozent des weltweiten Erdöls und verfügen über den Grossteil der bekannten globalen Ölreserven. Neben der Opec gibt es seit 2016 das erweiterte Bündnis Opec+, das auch zehn Nicht-Mitglieder wie Russland einschliesst und unter der Führung von Saudi-Arabien stabile Preise sichern sowie Überkapazitäten verhindern soll.
Wer sind die Mitglieder?
Die VAE traten der Opec 1967 bei – ihr Austritt hinterlässt das Kartell mit noch elf Mitgliedern. Die fünf Gründungsstaaten sind Saudi-Arabien, Iran, Irak, Kuwait und Venezuela. Hinzu kommen Algerien, Libyen, Nigeria, Gabun, Äquatorialguinea und die Republik Kongo. Frühere Mitglieder wie Katar (Austritt 2019) und Angola (Austritt 2024) haben das Bündnis bereits verlassen.
Warum treten die VAE aus?
Abu Dhabi hat in den vergangenen Jahren massiv in den Ausbau seiner Förderkapazitäten investiert und wollte schon lange mehr Öl fördern – war aber durch die Opec-Quoten gebremst. Energieexpertin Carole Nakhle von Crystol Energy sagt, die Entscheidung «hat sich lange angekündigt». Hinzu kommt, dass einige Opec-Mitglieder ihre Quoten regelmässig überschritten, während die VAE sich compliant verhielten. Auch das Verhalten des Iran als Opec-Mitglied dürfte den Entscheid beschleunigt haben.
Dass ein Austritt intern diskutiert wurde, ist nicht neu: Das «Wall Street Journal» berichtete bereits 2023 von entsprechenden internen Debatten. Vor Kriegsausbruch förderten die VAE täglich 2,9 Millionen Barrel – rund 16 Prozent der gesamten Opec-Produktion. Ausserhalb der Opec könnten die Emirate ihre Produktion laut Experten um rund eine Million Barrel täglich steigern. Bis 2027 ist ein Zielwert von 5 Millionen Barrel täglich angestrebt.
Gab es bereits frühere Austritte?
Der Austritt ist auch eine direkte Eskalation im Verhältnis zu Saudi-Arabien, das in der Opec eine führende Rolle einnimmt. Die Emirate und Saudi-Arabien galten lange als enge Verbündete, tragen seit einigen Jahren aber offen einen Machtkampf um wirtschaftlichen Einfluss aus. Bei Konflikten wie in Jemen und im Sudan unterstützen sie unterschiedliche Seiten. Katar hatte die Opec bereits 2019 verlassen, Angola folgte 2024. Der VAE-Austritt setzt diesen Erosionstrend fort.
Ein weiterer geopolitischer Aspekt: Der Schritt gilt als Gewinn für US-Präsident Donald Trump, der die Opec wiederholt als Kartell kritisiert hatte, das «den Rest der Welt abzockt». Der Austritt öffnet die Tür für engere Wirtschaftsbeziehungen zwischen den VAE und den USA.
Was bedeutet das für die Opec?
Kurzfristig sind die Folgen begrenzt, solange die Strasse von Hormus blockiert bleibt. Die Weltbank warnt jedoch, der Krieg im Nahen Osten habe den grössten Ölversorgungsausfall aller Zeiten verursacht. Die Energiepreise dürften dieses Jahr im Schnitt um rund ein Viertel steigen, eine Normalisierung des Schiffsverkehrs durch Hormus könnte sechs Monate dauern.
Längerfristig könnte der VAE-Austritt den Markt grundlegend verändern. Ökonom David Oxley von Capital Economics erwartet gegenüber der BBC mittelfristig tiefere Ölpreise, aber höhere Volatilität. Energieanalyst Saul Kavonic von MST Financial geht noch weiter: «Mit dem Austritt der VAE verliert die Opec rund 15 Prozent ihrer Kapazität und eines ihrer diszipliniertesten Mitglieder.» Er bezeichnet den Schritt als «den Beginn vom Ende» der Opec. Saudi-Arabien müsse künftig die interne Compliance und das Marktmanagement weitgehend allein stemmen – und andere Mitglieder könnten dem Beispiel der VAE folgen.
(mke/awp/sda/dpa)
