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Das Ausland nimmt Anteil – hier in Karachi, Pakistan.
Das Ausland nimmt Anteil – hier in Karachi, Pakistan.Bild: EPA/EPA

Unbekannte Islamistengruppe soll hinter Anschlägen stecken – zwei Schweizer Opfer

22.04.2019, 19:04

Hinter der verheerenden Anschlagsserie in Sri Lanka steckt nach Regierungsangaben die weitgehend unbekannte Islamistengruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ). Bislang wurde die einheimische Gruppe vor allem im Zusammenhang mit der mutmasslichen Beschädigung buddhistischer Statuen in dem Inselstaat genannt.

Nun wird sie für den Tod von fast 300 Menschen in christlichen Kirchen und Touristenhotels am Ostersonntag verantwortlich gemacht. Regierung und Experten gehen davon aus, dass die NTJ über Verbindungen zum internationalen Terrorismus verfügen muss, um eine solch grosse, koordinierte Anschlagsserie verüben zu können.

Die Trauer in Sri Lanka ist grenzenlos.
Die Trauer in Sri Lanka ist grenzenlos.Bild: EPA/EPA

Zum ersten Mal trat die NTJ im Dezember öffentlich in Erscheinung, als die Islamisten der Beschädigung buddhistischer Statuen im Bezirk Kegalle verdächtigt wurden. Der Fall sorgte für einen Aufschrei unter der mehrheitlich buddhistischen Bevölkerung Sri Lankas.

Zwei Schweizer in Sri Lanka getötet
Bei der Anschlagsserie auf Kirchen und Luxushotels in Sri Lanka sind am Ostersonntag auch zwei Schweizer Staatsangehörige getötet worden. Das bestätigte das Aussendepartement EDA am Montagabend.

Eines der Schweizer Opfer besass demnach eine zweite Staatsangehörigkeit. Ein drittes Familienmitglied, das über zwei ausländische Nationalitäten verfügte, starb ebenfalls. Das EDA sei mit den Angehörigen in Kontakt und unterstütze sie im Rahmen des konsularischen Schutzes, teilte das Aussendepartement weiter mit.

Die Schweizer Botschaft in Colombo unterstützt ausserdem eine in der Schweiz lebende schweizerisch-srilankische Familie, deren Eltern unter den Todesopfern sind. (sda)

NTJ-Anführer Abdul Razik wurde bereits vor den Anschlägen mehrmals inhaftiert. Er wurde der Anstachelung zu religiösen Unruhen beschuldigt. Nach einem Vorfall im Jahr 2016 hatte der Chef der radikalen Buddhistengruppe BSS vor einem «Blutbad» gewarnt, sollte Razik nicht bald ins Gefängnis kommen.

Die mutmassliche Zerstörung der Statuen im Dezember war ein weiteres Anzeichen für die Radikalisierung der NTJ. Im Januar entdeckten Sicherheitskräfte dann 100 Kilogramm hochexplosiven Sprengstoffs in der Nähe eines abgelegenen Wildparks. Zwar wurde keine spezifische Gruppe in diesem Zusammenhang genannt. Allerdings verkündeten die Behörden später die Festnahme von vier radikalen Muslimen.

Polizeichef warnte vor Anschlägen

In einem Schreiben vom 11. April an führende Sicherheitsvertreter hatte Sri Lankas Polizeichef vor Plänen der NTJ gewarnt, Selbstmordanschläge auf Kirchen sowie auf die indische Botschaft in Colombo zu verüben.

Erste Menschen werden beerdigt.
Erste Menschen werden beerdigt.Bild: AP/AP

Die Polizei richtete in der Folge offenbar Warnungen an Kirchenvertreter. Ein Pfarrer der Volkskirche in Colombo, der anonym bleiben wollte, sagte, die Polizei habe ihn zu erhöhter Wachsamkeit und Vorkehrungen wegen möglicher «Zwischenfälle» geraten.

Daraufhin seien die Sicherheitsmassnahmen im Umfeld der Kirche verstärkt und etwa Autos kontrolliert worden. Da die Warnungen aber nicht besonders präzise gewesen seien, hätten einige Kirchen keine ausreichenden Vorkehrungen ergriffen.

Mögliche internationale Unterstützung

Sri Lankas Regierung hält es derweil für unwahrscheinlich, dass die NTJ die Anschläge ohne Unterstützung von Islamisten aus dem Ausland durchführen konnte. «Wir glauben nicht, dass eine kleine Organisation in diesem Land all das alleine machen kann», sagte Regierungssprecher Rajitha Senaratne. Nach Angaben des Präsidialamts hatten Geheimdienste darauf hingewiesen, dass «internationale Terrorgruppen hinter einheimischen Terroristen» stehen.

Auch das Soufan Center in New York, das weltweite Sicherheitsbedrohungen analysiert, zieht Verbindungen zum internationalen Dschihad.

Die Anschläge in Sri Lanka wiesen alle «Markenzeichen» früherer Angriffe auf, bei denen lokale Islamisten aus dem Ausland unterstützt wurden. So habe das Terrornetzwerk Al-Kaida bei den Anschlägen in Indonesien zu Weihnachten im Jahr 2000 mit einer einheimischen Gruppe zusammengearbeitet. (sda/afp)

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