Grossoffensive an der chinesischen Grenze – Myanmars Militär greift Rebellen an
Das Militär in Myanmar hat eine neue Offensive zur Rückeroberung strategisch wichtiger Grenzregionen und Handelsrouten begonnen. Der seit März amtierende Militärchef Ye Win Oo treibe die Angriffe voran, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Montag unter Berufung auf Rebellengruppen und Analysten. Die Offensive konzentriere sich auf den Bundesstaat Kachin an der Grenze zu China, den Bundesstaat Chin an der indischen Grenze sowie auf einen wichtigen Handelskorridor im Bundesstaat Karen nahe Thailand.
Ziel der Militärführung sei es, die Kontrolle über die wichtigsten Kommunikations- und Handelswege des Landes von ethnischen Rebellengruppen wiederzuerlangen. Ein Vertreter des Präsidialamtes lehnte eine Stellungnahme ab. Reuters konnte die Angaben zu den Militäroffensiven und ersten Erfolgen zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Im nördlichen Bundesstaat Kachin geht es dem Militär insbesondere um den Zugang zu Minen an der chinesischen Grenze. Dort wird etwa die Hälfte der weltweiten schweren seltenen Erden gefördert, die für Windkraftanlagen und Elektrofahrzeuge wichtig sind. Die Kachin Independence Army teilte mit, sich auf die Verteidigung vorbereitet zu haben.
Angebot über Friedensgespräche gescheitert
Im westlichen Bundesstaat Chin an der Grenze zu Indien meldete die Chin National Front strategische Rückzüge ihrer Kämpfer aus den Städten Falam und Tonzong wegen schwerer Luftangriffe des Militärs. Nahe Thailand versucht die Armee zudem, die Kontrolle über eine wichtige Schnellstrasse zurückzugewinnen. Die dort aktive Rebellengruppe Karen National Union lehnte Friedensgespräche ab und verwies auf einen vollständigen Mangel an Vertrauen in das myanmarische Militär.
Die Angriffe folgen auf einen Vorschlag von Präsident Min Aung Hlaing. Der ehemalige Chef der Militärregierung hatte den Rebellengruppen im vergangenen Monat Friedensgespräche innerhalb von 100 Tagen angeboten, was viele der ethnischen Armeen umgehend zurückwiesen.
Der anhaltende Konflikt in Myanmar begann im Jahr 2021, als das Militär die demokratisch gewählte Regierung unter der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi durch einen Putsch stürzte. Dies löste einen landesweiten Aufstand aus, der sich zu einem bewaffneten Widerstand entwickelte. In dessen Verlauf drängten ethnische Armeen und Rebellengruppen das Militär aus mehreren Regionen zurück.
Verwendete Quellen:
- Nachrichtenagentur Reuters
- Fünf Jahre nach dem Putsch: Junta-Chef in Myanmar zum Präsidenten gewählt
- Myanmar-Junta lässt mehr als 10'000 Häftlinge frei – darunter 10 Ausländer
- Junta bleibt an der Macht: Kritik an Wahlergebnis in Myanmar
- UN-Gericht startet Völkermord-Prozess gegen Myanmar
- «Scheinwahl» in Myanmar: Junta will Macht legitimieren

