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In den Philippinen wird mit Zwiebeln geschmuggelt und geheiratet

Philippinsche Braut posiert mit Zwiebeln
Die Braut und die Brautjungfern posieren alle mit Zwiebeln.facebook/philippine star

Wieso die Zwiebel in den Philippinen plötzlich zum Luxusgut geworden ist

27.01.2023, 16:3328.01.2023, 14:17
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Zwiebeln statt Blumen. Damit posiert ein philippinisches Ehepaar an seinem Hochzeitstag am 21. Januar 2023. Wollten sie etwa Geld sparen und kein Geld für Blumen ausgeben?

Braut mit Ehemann und Zwiebeln
Blumen verwelken nach der Hochzeit, die Zwiebeln hingegen können danach noch gegessen werden, erklärte die Braut April Lyka Biorrey ihren Entscheid gegenüber einer lokalen Zeitung.Bild: facebook/philippinestar

Ganz im Gegenteil: Zwiebeln sind in den Philippinen nämlich gerade rare Ware und für lokale Verhältnisse ungeheuerlich teuer. Ende Dezember musste man in der Hauptstadt Manila bis zu 720 Peso (umgerechnet 12 Franken) pro Kilo Zwiebeln hinblättern. Zum Vergleich: Der tägliche Mindestlohn in der Hauptstadt liegt zwischen 533 und 570 Peso (also zwischen 9 und 9.60 Franken). Wer also Zwiebeln in die Finger bekommt, der ist im Besitz eines luxuriösen Guts.

In der Zwischenzeit ist der Preis wieder gesunken, doch Zwiebeln kosten noch immer das Zwei- oder Dreifache von Fleisch. Eine Katastrophe für den asiatischen Inselstaat, findet sich das Gemüse ja in fast jedem philippinischen Gericht. Viele Restaurants müssen die Zutat aus ihren Menüs streichen. Eine Person auf Twitter schrieb, dass Zwiebeln auch in Lebensmittelläden praktisch nicht mehr existent seien:

Das Landwirtschaftsministerium warnte bereits im vergangenen August, dass das Zwiebelangebot schrumpfe und bald nicht mehr ausreiche, um die Nachfrage zu decken.

Noch ist aber nicht ganz klar, wieso genau die Preise derart in die Höhe geschossen sind. Bauernverbände und Fachleute nennen diverse Gründe für die Zwiebelkrise: So sei beispielsweise die Nachfrage nach der Pandemie in die Höhe geschossen. Zudem wurde das Land dieses Jahr von zwei besonders heftigen Stürmen heimgesucht, welche grosse Ernteschäden verursacht haben. Die Regierung vermutet zudem, dass eine kriminelle Organisation Zwiebeln künstlich verknappt, um den Preis zu manipulieren. Dies wiederum lässt den Schmuggel der plötzlich kostbaren Ware aufblühen.

epa10412687 Vegetables displayed for sale at a market in Manila, Philippines, 17 January 2023 (issued on 18 January 2023). Soaring prices of fuel and food are exhausting the pockets of many Filipino h ...
Nur noch ein sehr seltener Anblick: Zwiebeln auf philippinischen Märkten.Bild: keystone

Der Zwiebelschmuggel floriert

Illegale Händler nutzen die bleibende hohe Nachfrage, um die Zwiebeln zu horrenden Preisen anzubieten. Dafür werden sie in grossen Mengen ins Land geschmuggelt. So entdeckte die Zollbehörde im Hafen von Cagayan de Oro, auf der zweitgrössten Insel der Philippinen, am 21. Dezember zwei Container voller geschmuggelter Zwiebeln – sie waren hinter Brot und Backwaren versteckt. Die beiden Container wogen 50'000 Kilo und enthielten Zwiebeln mit einem geschätzten Wert von umgerechnet 338'456 Schweizer Franken.

illegal importierte Zwiebeln in den Philippinen.
Die Zwiebeln befanden sich in zwei Containern, deren Inhalt als «Brot und Backwaren» deklariert war.Bild: BUREAU OF CUSTOMS

Auch zehn Besatzungsmitglieder der Philippine Airlines versuchten Anfang Monat ihr Glück: Sie füllten ihr Gepäck mit fast 40 kg Zwiebeln und Früchten, flogen allerdings bei der Zollkontrolle auf.

Ferdinand Marcos Jr., der Präsident der Philippinen, der sich bei Amtsantritt selbst zum Landwirtschaftsminister ernannte, kündigte diesen Monat die Einfuhr von 21'060 Tonnen Zwiebeln an. Die erste Lieferung ist diese Woche eingetroffen.

Ferdinand Marcos Jr, President of the Philippines, addresses a panel session during the 53rd annual meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Wednesday, January 18, 2023. The me ...
Ferdinand Marcos Jr. am WEF in Davos.Bild: keystone

Zu spät, klagen viele Landwirte. Für sie beginnt nämlich genau jetzt die Erntezeit. Die Regierung hofft dennoch, mit Zwiebelimporten gegen den Schmuggel und die hohen Kosten vorgehen zu können. (saw)

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20 Kommentare
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Hadock50
27.01.2023 18:49registriert Juli 2020
Wie kann man mur den Sohn eines Diktators, welcher das Land gebeutelt hat zum Präsidenten wählen?🤷‍♂️
Ich frage mich ob da alles mit rechten Dingen zu und her ging.
Die leidtragenden sind einmal mehr die Bevölkerung.
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