International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa08545324 Maria Kolesnikova, a representative of opposition politician Victor Babariko makes a heart sign after Babariko was not registred as presidential candidate at the central election commission in Minsk, Belarus, 14 July 2020. The presidential campaign has kicked off in Belarus, with the election scheduled for 09 August 2020.  EPA/TATYANA ZENKOVICH

«Wir werden keine Ruhe geben, bis die gegenwärtigen Machthaber zurückgetreten sind und Belarus ein freies Land wird», sagte die Oppositionelle Maria Kolesnikowa am Sonntag in Minsk (Archivbild vom Juli 2020). Bild: keystone

«Werden keine Ruhe geben» – diese 12 Impressionen zeigen, dass Belarus nicht klein beigibt



Belarus bebt. Das früher als Weissrussland bekannte Land im Osten Europas erlebte am Wochenende erneut Massenproteste gegen Staatschef Alexander Lukaschenko. Vor allem im Minsk kam es zu historischen Protesten. So viele Menschen gingen noch nie auf die Strasse.

Video: watson

EU-Ratschef beruft Sondergipfel zu Belarus ein

Angesichts der Massenproteste nach der Präsidentenwahl in Belarus (Weissrussland) hat EU-Ratschef Charles Michel für Mittwoch (12.00 Uhr) einen EU-Videogipfel angesetzt. Die Menschen in Belarus hätten das Recht, über ihre Zukunft zu entscheiden und ihre Führung frei zu wählen, schrieb Michel am Montag auf Twitter. Gewalt gegen die Demonstranten sei inakzeptabel. (sda/dpa)

Die Bevölkerung weigert sich, die Wiederwahl von Lukaschenko anzuerkennen, kaum jemand glaubt dem angeblichen Wahlresultat von 80 Prozent Zustimmung. Sie lassen sich dabei auch nicht durch Polizeigewalt und Massenverhaftungen einschüchtern.

Wie das aussieht, zeigen die folgenden Impressionen vom Sonntag. Lassen wir die Bilder sprechen:

Eine Luftaufnahme vom Unabhängigkeitsplatz in Minsk:

«Wir werden keine Ruhe geben, bis die gegenwärtigen Machthaber zurückgetreten sind und Belarus ein freies Land wird», sagte die Oppositionelle Maria Kolesnikowa am Sonntag in Minsk vor Demonstranten. «26 Jahre Alptraum müssen enden.» Zuvor war Staatschef Lukaschenko auf dem Unabhängigkeitsplatz vor Unterstützern aufgetreten und hatte betont, dass er in keinem Fall von der Macht ablasse.

Bei der Kreuzung am Kriegsdenkmal «Hero City Stella» war ein weiterer Hotspot.

Die Menschen riefen «Lukaschenko, uchodi», – zu Deutsch: Hau ab! – und «Mörder» und «Freiheit für die politischen Gefangenen». Kolesnikowa verlas auch die Namen der Inhaftierten, darunter an erster Stelle Viktor Babariko und an zweiter Sergej Tichanowski.

Babariko, früher Chef einer russischen Bank, gilt bei möglichen Neuwahlen als der Kandidat mit den besten Aussichten. Tichanowski ist ein regierungskritischer Blogger – seine Frau Swetlana war an seiner Stelle gegen Lukaschenko angetreten und hatte nach Meinung der Lukaschenko-Gegner die Wahl haushoch gewonnen.

Wie viele Demonstranten waren es? Die Schätzungen gehen auseinander, einige sprechen von 100'000, andere von 250'000 alleine in Minsk. Landesweit sollen gemäss Aktivisten über eine halbe Million auf den Beinen gewesen sein.

Lukaschenko wollte seine Unterstützer ebenfalls mobilisieren. Naja, das ging wohl nach hinten los:

Von allen Seiten kommt Unterstützung, die Euphorie ist riesig:

Eine Drohnenaufnahme zeigt den «Friedensmarsch» von oben, ebenfalls beim Kriegsdenkmal in Minsk

Während das Staatsfernsehen russische Popsongs zeigt, demonstrieren auf der Strasse zehntausende Menschen:

Eine Zeitraffer-Aufnahme vom Minsker Stadtzentrum:

Trotz Provokation von Seiten der Polizei bleiben die Demonstranten mehrheitlich friedlich:

In Grodno (Hrodna, viertgrösste Stadt von Belarus) macht auch die Müllabfuhr mit:

Und es ist noch nicht vorbei, ...

... denn für heute Montag haben Gegner Lukaschenkos zu flächendeckenden Streiks in den Staatsbetrieben aufgerufen. In der Folge gingen am Montagmorgen Bilder des leeren Studios des Staatsfernsehens viral.

Das Staatsfernsehen macht auch mit:

Die Opposition rief alle Streikenden auf, sich um 17 Uhr (MESZ) auf dem Unabhängigkeitsplatz in Minsk zu versammeln.

Und: Am Montag meldete sich die Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja zurück. Sie will sich an die Spitze der Bewegung gegen Staatschef Alexander Lukaschenko stellen. «Ich bin bereit, in dieser Zeit Verantwortung zu übernehmen und als nationale Anführerin zu handeln», sagte die 37-Jährige am Montag in einer Videobotschaft aus ihrem Exil im EU-Land Litauen.

Tichanowskaja meldet sich zurück:

Sie hoffe, dass sich mit diesem Schritt das Land beruhige, alle politischen Gefangenen freigelassen und so bald wie möglich neue Präsidentschaftswahlen angesetzt werden könnten.

Tichanowskaja hatte Belarus aus Angst um ihre Sicherheit und die ihrer Kinder verlassen. Ihre Unterstützer sehen sie als die eigentliche Gewinnerin der Präsidentenwahl vor gut einer Woche, die von massiven Fälschungsvorwürfen überschattet war. Sie hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, als Präsidentin Neuwahlen auszurufen.

«Ich habe und hatte keine Illusionen in Bezug auf meine politische Karriere», sagte sie. «Ich wollte keine Politikerin sein, aber das Schicksal fügte es so.» Das wichtigste sei die Unabhängigkeit von Belarus. «Sie ist die Konstante, die unter keinen Umständen verloren gehen darf.»

Sie forderte in dem Video die Sicherheitskräfte und Mitarbeiter der Justiz auf, die Seite zu wechseln: «Wenn Sie sich entscheiden, keine kriminellen Befehle mehr auszuführen und sich an die Seite der Menschen zu stellen, werden diese Ihnen vergeben.»

Mit Material der Nachrichtenagenturen SDA und DPA.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Proteste in Belarus gehen weiter

Belarus: Wahlleitung erklärt Lukaschenko zum Sieger

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Internet abgestellt, Metrostationen gesperrt – so sollen Demos in Minsk verhindert werden

Vor neuen Massenprotesten in Belarus gegen Machthaber Alexander Lukaschenko haben Hundertschaften von Polizei und Militär das Zentrum der Hauptstadt Minsk unter ihre Kontrolle gebracht. Bewaffnete Uniformierte in Sturmhauben bezogen unter anderem am Prospekt der Sieger und am Unabhängigkeitsprospekt Stellung, um die neue Sonntagsdemonstration zu verhindern. Erwartet werden Zehntausende Menschen.

Die Behörden sperrten sämtliche Metrostationen im Zentrum, um Ansammlungen von Menschen zu …

Artikel lesen
Link zum Artikel