DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

2 Tote, 80 Vermisste, 4000 in Haft – jetzt klagen Lukaschenko-Gegner die Polizei an

17.08.2020, 07:4817.08.2020, 10:58

In Belarus (Weissrussland) wollen die Gegner von Staatschef Alexander Lukaschenko an diesem Montag Strafanzeigen wegen der Polizeigewalt gegen friedliche Bürger stellen. Die Sicherheitskräfte müssten für die brutalen Misshandlungen von Demonstranten und Gefangenen zur Verantwortung gezogen werden, sagte die Oppositionelle Maria Kolesnikowa.

Bei den Demonstrationen waren mindestens zwei Menschen gestorben. Sie wurden am Wochenende unter grosser Anteilnahme der Bürger beerdigt. Die genauen Todesursachen bei beiden Männern sind unklar. Zudem werden Medien zufolge rund 80 Menschen vermisst.

Wie viele Personen wurden verhaftet?

Nach Darstellung von Kolesnikowa befinden sich noch immer 4000 Menschen in Haft. Bei einem Protestmarsch hatten Hunderttausende Menschen am Sonntag die Freilassung der politischen Gefangenen gefordert. Zudem verlangten sie den Rücktritt von Lukaschenko.

Wie wurden die Gefangenen behandelt?

Der Machtapparat hatte am Freitag mehr als 2000 Gefangene freigelassen – vielen zeigten danach schwere Verletzungen: Blutergüsse, blutigen Striemen auf dem Rücken, Platzwunden am Kopf und Verbrennungen von Blendgranaten.

Eine Frau zeigt das Foto eines Mannes, der Berichten zufolge während den Protesten von der Polizei zusammengeschlagen und verletzt wurde.
Eine Frau zeigt das Foto eines Mannes, der Berichten zufolge während den Protesten von der Polizei zusammengeschlagen und verletzt wurde.Bild: keystone

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sah auch Hinweise auf Folter. Die Behörden wiesen ungeachtet unzähliger Foto- und Videobeweise die Vorwürfe von Misshandlungen zurück.

Die Misshandlung durch die Polizei hinterliess bei Artem Pronin Blutergüsse an den Beinen.
Die Misshandlung durch die Polizei hinterliess bei Artem Pronin Blutergüsse an den Beinen.Bild: keystone

Die Regierungsgegner wollen auch in den nächsten Tagen gegen Lukaschenko protestieren. «Wir werden keine Ruhe geben, bis die gegenwärtigen Machthaber zurückgetreten sind und Belarus ein freies Land wird», sagte Kolesnikowa in Minsk. «26 Jahre Alptraum müssen enden.»

Was sagt Lukaschenko?

Zuvor war Staatschef Lukaschenko auf dem Unabhängigkeitsplatz der Hauptstadt vor Unterstützern aufgetreten und hatte betont, dass er in keinem Fall von der Macht ablasse.

Lukaschenko trat am Sonntag vor Unterstützern in Minsk auf.
Lukaschenko trat am Sonntag vor Unterstützern in Minsk auf.Bild: keystone

Der 65-Jährige will sich an diesem Montag mit streikenden Fabrikarbeitern treffen. Die Streiks in den Staatsbetrieben gelten als echte Gefahr für seinen Machterhalt, weil dadurch die wirtschaftliche Basis des Landes wegzubrechen droht. Regierungsmitglieder und Funktionäre aus der Präsidialverwaltung hatten bereits am Wochenende versucht, die Menschen wieder an die Werkbänke zu bringen - ohne Erfolg.

Was sagt die EU?

Der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell schrieb bei Twitter nach den Protesten mit Hunderttausenden Menschen am Sonntag in Minsk, dass die Europäische Union an der Seite der Belarussen stehe. Die EU-Aussenminister hatten am Freitag Sanktionen gegen die Staatsführung in Belarus auf dem Weg gebracht.

EU-Aussenbeauftragter Josep Borrell.
EU-Aussenbeauftragter Josep Borrell.Bild: sda

Die FDP-Abgeordnete Renata Alt sagte dem «Tagesspiegel», sowohl das Auswärtige Amt als auch Kanzlerin Angela Merkel hätten zu spät und schwach reagiert. «Vor der Haustür der EU finden grobe Menschenrechtsverletzungen statt, und Deutschland und die EU schauen zu.» Wichtig sei es jetzt, die friedlichen Proteste zu unterstützen und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) als Vermittlerin ins Spiel zu bringen. Lukaschenko lehnt eine Vermittlung ab.

Die FDP-Politikerin forderte Deutschland und die EU zudem auf, das Gespräch mit Russland zu suchen. Ziele seien ein Ende der Gewalt in Belarus sowie freie und faire Wahlen. «Man muss um jeden Preis ein Szenario wie in der Ukraine oder wie in Prag 1968 vermeiden», sagte die FDP-Politikerin mit Blick auf Russlands Angebot, Belarus beizustehen. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Proteste in Belarus gehen weiter

1 / 20
Proteste in Belarus gehen weiter
quelle: keystone / dmitri lovetsky
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Belarus lässt überraschend Gefangene frei

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Alec Baldwin deaktiviert seinen Twitter-Account

Rund sechs Wochen nach dem tödlichen Schuss an einem Filmset hat Hollywood-Star Alec Baldwin (63) seinen Twitter-Account deaktiviert.

Zur Story