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Belarussischer Blogger Protassewitsch begnadigt

epa09223072 (FILE) Police officers detain a journalist Roman Protasevich attempting to cover a rally in Minsk, Belarus, 26 March 2017 (reissued 23 May 2021). A Ryanair flight from Athens, Greece to Vi ...
Roman Protassewitsch während einer Demo im Jahr 2017.Bild: keystone

Belarussischer Blogger Protassewitsch begnadigt

22.05.2023, 15:07
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Zwei Jahre nach seiner spektakulären Festnahme und wenige Wochen nach seiner Verurteilung ist in Belarus der frühere Regierungskritiker Roman Protassewitsch begnadigt worden.

«Vor allem bin ich dem Land und dem Präsidenten persönlich unglaublich dankbar für diese Entscheidung», sagte Protassewitsch belarussischen Medien zufolge am Montag in Minsk. Protassewitsch wurde nach seiner Festnahme mehrfach im belarussischen Staatsfernsehen gezeigt und distanzierte sich dort von seiner oppositionellen Tätigkeit.

Die spektakuläre Festnahme Protassewitschs hatte im Mai 2021 weit über die Grenzen der Ex-Sowjetrepublik hinaus für Aufsehen gesorgt. Gemeinsam mit seiner damaligen Freundin Sofia Sapega war er auf einem Flug von Athen nach Vilnius, als die Ryanair-Maschine von den belarussischen Behörden wegen einer angeblichen Bombendrohung zu einer Landung in Minsk gezwungen wurde. Anschliessend wurden beide inhaftiert. Die russische Staatsbürgerin Sapega wurde später zu sechs Jahren Haft verurteilt – und inzwischen nach Russland überstellt.

Protassewitsch wurde Anfang Mai zu acht Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte dem ehemaligen Chefredakteur des oppositionellen Telegram-Kanals Nexta einen versuchten Staatsstreich vorgeworfen. Nexta rief nach der Präsidentenwahl 2020 zu Protesten gegen den autoritär regierenden Machthaber Alexander Lukaschenko auf, der sich erneut zum Sieger erklären liess. International wurde die Abstimmung nicht anerkannt. Lukaschenko liess die Proteste brutal niederschlagen, gilt seither aber als noch abhängiger von Moskau.

Protassewitsch galt als politischer Gefangener. Angehörige gehen davon aus, dass er seine regierungsfreundlichen Aussagen in Haft unter Druck und Folter machte. Hunderte Lukaschenko-Gegner sind weiter im Gefängnis. Viele haben ein Arrangement mit dem Machtapparat abgelehnt.

(yam/sda/dpa)

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5 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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NONOSISI
22.05.2023 15:50registriert März 2023
Die Schweiz sollte ihm aktiv Asyl anbieten.
Einfach aus Ausgleich für die als Neutralität verkaufte Unterstützung von Putin und Lukaschenko, derer sich unser bürgerlich regiertes Land schuldig macht.
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josoko
22.05.2023 15:32registriert Januar 2021
Irgendwann bricht jeder unter der Folter ein. Protassewitsch hat jetzt zwei Optionen. Mucksmäuschenstill sein oder flüchten. Ich hoffe, dass ihm irgendwann die Flucht gelingt, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass er in Weissrussland in Ruhe gelassen wird.
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Deshalb hat es Wladimir Putin jetzt auf die Schweiz abgesehen
Nirgends gibt es verhältnismässig mehr russische Diplomaten – und mutmasslich auch Spione – als in der Schweiz. Aus Gründen. Die Friedenskonferenz auf dem Bürgenstock wird derweil mit Nachdruck von der russischen Propaganda-Maschinerie unter Beschuss genommen.

217 russische Diplomatinnen und Diplomaten gibt es in der Schweiz. Zum Vergleich: Im ungleich grösseren Nachbarland Italien sind es gerade mal 44.

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