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Bruno Pereira und Dom Philips waren am 5. Juni im Amazonas verschwunden.
Bruno Pereira und Dom Philips waren am 5. Juni im Amazonas verschwunden.Bild: keystone

Die zwei Toten im Amazonas – und was Jair Bolsonaro damit zu tun hat

Der britische Journalist Dom Philips und sein Begleiter Bruno Pereira verschwanden bei einer Expedition zum Schutz des Amazonas. Ein Verdächtiger gestand den Mord. Eine Tragödie, welche erneut Licht auf die dahinterliegende Problematik wirft: die Politik des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro.
17.06.2022, 14:2018.06.2022, 13:50

Das Verschwinden

Am 5. Mai verschwinden Dom Philips und Bruno Pereira spurlos im Amazonas. Der britische Journalist Dom Philips war mit dem indigenen Experten Bruno Pereira für Recherchen im Javari Tal unterwegs – einem abgelegenen Gebiet, welches als gesetzeslos und unwegsam bekannt ist.

Nach Angaben einer regionalen Ureinwohner-Organisation waren die beiden am Nachmittag des 2. Juni in der Stadt Atlaia do Norte für einen 2-tägigen Trip mit dem Boot aufgebrochen. Am Sonntag, dem 5. Juni, hätten sie wieder dorthin zurückkehren sollen. Dort wartete man allerdings vergeblich auf die Ankunft der beiden Männer. Kein gutes Zeichen, hatte Philips doch nur Tage zuvor bei der Polizei gemeldet, mehrmals bedroht worden zu sein.

Dom Philips war ein langjähriger Mitarbeiter des «The Guardian» und war im Amazonas unterwegs, um die dort stattfindenden Ungerechtigkeiten zu dokumentieren. Der Journalist hat kritisch über den brasilianischen Präsidenten, sowie über die Korruption unter politischen Verbündeten berichtet. Zudem pflegte er einen sehr engen Draht zur lokalen indigenen Bevölkerung im Javari-Valley und arbeitete an einem Buch mit dem Titel «How To Save the Amazon».

Mit ihm unterwegs war Bruno Pereira, ein ehemaliger Mitarbeiter der FUNAI, dem staatlichen brasilianischen Organ für die Angelegenheiten der indigenen Bevölkerung Brasiliens. In seinem Fokus lag insbesondere der Schutz isolierter Gesellschaften im Amazonas. Bereits 2018 begleitete er Philips für eine Reportage in den dichten Regenwald des Javari-Tals.

Obwohl der Amazonas für Aktivistinnen und Aktivisten als gefährlich bekannt ist, hat sich die Regierung erst spät eingeschaltet. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro bequemte sich erst zwei Tage nach dem Vorfall zu einer Stellungnahme. Dies auch erst, nachdem der internationale Druck von NGOs und dem UN-Menschenrechtsbüro grösser wurde. Seine Anteilnahme hielt sich in seiner Aussage in Grenzen:

«Offen gesagt, zwei Personen in einem Boot, in einer völlig wilden Region, das ist ein Abenteuer, das niemandem zu empfehlen ist. Es könnte alles Mögliche passieren. Es könnte ein Unfall gewesen sein, es kann sein, dass sie hingerichtet wurden.»

Ein Suchhelikopter – welcher in diesem weiten und unwegsamen Gebiet unerlässlich ist – wurde auch erst am Dienstag ausgesandt.

Jair Bolsonaro sympathisiert wenig mit Menschen, die sich für den Amazonas und seine Bewohner einsetzen.
Jair Bolsonaro sympathisiert wenig mit Menschen, die sich für den Amazonas und seine Bewohner einsetzen.Bild: keystone

Die Antwort der Behörden sei insgesamt sehr minimal gewesen, kritisiert «The Guardian». Überraschen tut das Verhalten Bolsonaros allerdings nicht. Es steht im Einklang mit seiner Politik im Amazonas, die auf volle Ausbeutung der dort liegenden Ressourcen abzielt.

Nach dem Irrtum die Gewissheit

Am 13. Juni, eine Woche nach dem Verschwinden der Männer, waren es dann auch freiwillige indigene Suchtrupps, welche als erste persönliche Gegenstände der Vermissten entdeckten. Demnach seien unter anderem die Krankenversicherungskarte Pereiras, ein Rucksack Philips sowie Kleidung und Schuhe der beiden Männer gefunden worden.

Die Polizei unterwegs mit den gefundenen Gegenständen.
Die Polizei unterwegs mit den gefundenen Gegenständen.Bild: keystone

Am selben Tag wurde die Familie Philips von der brasilianischen Botschaft in London darüber informiert, dass zwei noch unidentifizierte Leichen gefunden worden seien. Dies stellte sich allerdings als Fehlinformation heraus, wofür sich die Botschaft bei der Familie entschuldigte.

Erst drei Tage später, am 15. Juni, wird Familie Philips die traurige Gewissheit erhalten: Dom Philips und sein Begleiter Bruno Pereira sind tot. Einer von zwei festgenommenen Verdächtigen hatte zugegeben, die beiden getötet zu haben. Bei den Verdächtigen handelt es sich um die Gebrüder Amarildo und Oseney da Costa de Oliveira, die als Fischer tätig sind. Es wird spekuliert, dass diese Philips und Pereira als Bedrohung aufgefasst haben könnten. Denn in der Gegend, die als Schutzgebiet gilt, werden lukrative illegale Fischereien betrieben.

Freunde und Verwandte Dom Philips' an einem Protest am 12. Juni, eine Woche nach dem Verschwinden der beiden Männer.
Freunde und Verwandte Dom Philips' an einem Protest am 12. Juni, eine Woche nach dem Verschwinden der beiden Männer.Bild: keystone

Am Dienstag gab der geständige Verdächtige den Ort bekannt, an dem er die Leichen begraben hatte und versprach der Polizei, sie dort hinzubegleiten. Die Suche führte die Polizei von Atalaia do Norte eine Stunde und 40 Minuten per Boot dem Fluss entlang, und dort noch einmal 3,1 Kilometer zu Fuss in den dichten Regenwald. Dort wurden die Leichen aus dem Boden ausgehoben und zurück nach Atalaia do Norte gebracht, wo sie noch identifiziert werden müssen. Die Familie Philips ist über diese Neuigkeit erleichtert. In einer Erklärung schreibt Philips Frau, Alessandra Sampaio:

«Obwohl wir noch immer auf die endgültige Bestätigung warten, endet das tragische Ergebnis den Schmerz, nicht zu wissen, wo sich Dom und Bruno aufhalten. Jetzt können wir sie nach Hause bringen und uns mit Liebe verabschieden.»

Für die Indigenen geht der Kampf für Gerechtigkeit weiter. Denn der Tod Philips und Pereiras ist das Resultat einer Politik, welche den Amazonas ohne Rücksicht auf Verluste ausbeutet.

Der Amazonas – Lebensraum und Lunge der Erde

Die tropischen Regenwälder des Amazonas erstrecken sich über eine Fläche von 8 Millionen Quadratkilometer, was in etwa der Fläche Australiens entspricht. 65 Prozent des Regenwaldes entfallen dabei auf Brasilien, der Rest verteilt sich über acht weitere Länder.

Die Wichtigkeit des Amazonas für das Weltklima
Der Amazonas-Regenwald speichert erhebliche Mengen des Treibhausgases CO₂ und besitzt eine Schlüsselrolle für das Weltklima und die Artenvielfalt. Er gilt als eines der sogenannten Kippelemente, die das Klima auf der Welt aus dem Gleichgewicht bringen können.

Forscher warnen davor, dass sich beim Überschreiten eines Kipppunktes ein Grossteil des Amazonasgebiets in eine Savanne verwandeln könne. «Wann ein solcher Übergang stattfinden könnte, können wir nicht sagen», sagte Niklas Boers vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). «Wenn er dann zu beobachten ist, wäre es wahrscheinlich zu spät, ihn aufzuhalten.»

Schätzungen zufolge könnte für das Erreichen des Kipppunktes ein Verlust von 20 bis 25 Prozent der Walddecke im Amazonasbecken ausreichen. Riesige Wüsten könnten eine Folge sein – und die weltweite Zunahme von Dürren und Überschwemmungen. Der verstorbene US-Wissenschaftler Thomas Lovejoy und der brasilianische Forscher Carlos Nobre hatten ermittelt, dass bereits 17 Prozent der ursprünglichen Waldfläche verschwunden sind. (sda)

Während der Amazonas aufgrund seiner riesigen Fläche an Wald auch als «Lunge der Erde» gilt, bietet er auch etlichen indigenen Gruppen eine Heimat. Survival International schätzt die Anzahl indigener Gruppen im Amazonas auf etwa 400. Die internationale Nichtregierungsorganisation setzt sich weltweit für den Schutz der Land- und Menschenrechte indigener Völker ein. Ein spezielles Augenmerk legen sie insbesondere auf isolierte Gruppen, sowie solche, die noch gar nie kontaktiert worden sind.

Eine Karte der FUNAI, welche die Territorien isolierter oder kürzlich kontaktierten indigener Gruppen zeigt.
Eine Karte der FUNAI, welche die Territorien isolierter oder kürzlich kontaktierten indigener Gruppen zeigt.Bild: FUnai

Survival International möchte dafür sorgen, dass dies so bleibt, da die Kontaktaufnahme mit erheblichen Risiken für die Indigenen verbunden ist – insbesondere durch eingeschleppte Krankheiten, gegen die keine Immunität besteht. Es sei nicht unüblich, dass innerhalb eines Jahres nach einer Kontaktaufnahme, die Hälfte einer indigenen Gruppe von Krankheiten dahingerafft werde. Dies solle unbedingt vermieden werden.

Auf nationaler Ebene ist die Fundação Nacional do Índio (FUNAI) mit dieser Aufgabe und mit der Einhaltung der Rechte indigener Gruppen betraut. Mehr dazu später.

Der letzte Mann eines unkontaktierten Stammes

Das Video zeigt die Spuren eines letzten Überlebenden einer Gruppe, die wohl von Farmern getötet wurde. Sein Territorium ist komplett von Farmern umzingelt. Er lehnt jeglichen Kontakt ab. Die FUNAI sorgt nun dafür, dass ihm dieses Land erhalten bleibt und er ungestört leben kann.Video: YouTube/Survival International

Die meisten unkontaktierten Gruppen befinden sich in eben diesem Tal, in dem Philips und Pereira ihre letzte Reise unternehmen sollten. Das Javari-Tal besitzt etwa die Fläche Österreichs und beheimatet gemäss Survival International 100 unkontaktierte Gruppen. Bereits 2018 unternahmen Philips und Pereira eine Reise in das Dickicht des Regenwalds, um die Bewegungen einer unkontaktierten Gruppe nachzuverfolgen.

Die Natur – und damit auch der Lebensraum der Indigenen – ist in diesem Grenzgebiet zu Peru und Kolumbien durch illegale Goldsuche, Abholzung und Drogenschmuggel besonders gefährdet. Mit dem Ziel, den Amazonas besser zu schützen, wollte Philips diese illegalen Machenschaften dokumentieren.

Ein schwieriges Unterfangen, denn das Javari-Tal ist aufgrund seiner Abgeschiedenheit und den darin stattfindenden Konflikten als gesetzloser Raum bekannt. Den illegalen Holzfällern und Goldgräbern sind die indigenen Gruppen ein Dorn im Auge, «besetzen» sie ja wertvolles Land. So soll es letztes Jahr zu mehreren Attacken von Goldgräbern auf Indigene gekommen sein. Auch Bolsonaro sah das Problem, weshalb er eine Lösung ausarbeitete. Eine allerdings, die ihn und seine Pläne begünstigte.

Bolsonaros rücksichtslose Politik

Dass Bolsonaro auf den gefährdeten Amazonas keine Rücksicht nimmt, ist mittlerweile bekannt: Die Zerstörung der riesigen Wälder hat unter seiner Führung dramatisch zugenommen. Kritiker werfen ihm vor, Umweltschutzregeln zugunsten der mächtigen Agrarwirtschaft auszuhöhlen.

Seit seiner Amtsübernahme im Jahr 2019 hat die durchschnittliche jährliche Zerstörung des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes nach offiziellen Angaben um 75 Prozent im Vergleich zum vorherigen Jahrzehnt zugenommen.

Unter Bolsonaro wird der Regenwald im Amazonas im Rekordtempo zerstört.
Unter Bolsonaro wird der Regenwald im Amazonas im Rekordtempo zerstört.Bild: shutterstock

Ungeachtet dessen, dass der Lebensraum der Indigenen bereits durch das illegale Abholzen und den Bergbau stetig schrumpft, setzt Bolsonaro noch einen obendrauf. In seinen Augen besetzen die Indigenen wertvolles Land, dessen Ressourcen im Interesse der Nation genutzt werden sollten. Aus seiner Abneigung gegen die Indigenen macht er keinen Hehl. So sagte er bereits 2015:

«Die Indianer sprechen unsere Sprache nicht, haben kein Geld, haben keine Kultur. Sie sind primitive Völker. Wie haben sie es geschafft 13 Prozent des nationalen Territoriums zugesprochen zu bekommen?»

Wenn es nach ihm ginge, so würden alle indigenen Gebiete abgeschafft. Allerdings stehen ihm dafür einige Gesetze zum Schutz der Indigenen im Weg. Bolsonaro lässt sich davon aber nicht aufhalten, sondern arbeitet 2020 ein umstrittenes Gesetzespaket aus, dass ihn seinem Ziel zumindest etwas näher bringen sollte.

Am 9. März 2022 hat die Abgeordnetenkammer in Brasilien den Gesetzesentwurf PL 191/2020 gebilligt. Mit diesem Gesetz sollen Bergbau, Wasserkraft und industrielle Landwirtschaft in indigenen Territorien legalisiert werden. Kurz: Die Rechte der Indigenen werden beschnitten und grossen Konzernen Tür und Tor für die Ausbeutung geöffnet. Die Indigenen müssen über Projekte auf ihrem Land informiert werden (auch bisher unkontaktierte Gruppen), ein Veto-Recht haben sie allerdings nicht.

Aufgrund einer Dringlichkeitsregelung wurde das Gesetz ohne die übliche Bearbeitungszeit und Analyse durchgepeitscht, was im Land zu massiven Protesten geführt hat. Doch was veranlasste diese Dringlichkeitsregelung? Gemäss Bolsonaros Argumentation: der Ukraine-Krieg.

«Angesichts des Krieges zwischen Russland und der Ukraine besteht heute die Gefahr, dass es zu einer Verknappung des Kaliums oder einem Anstieg seines Preises kommt», schrieb Bolsonaro am 2. März auf Twitter. Und weiter:

«Unsere Ernährungssicherheit und die Agrarindustrie fordern von uns Massnahmen, die es uns ermöglichen, nicht von etwas abhängig von aussen zu sein, das wir im Überfluss haben.»

Nebst dem PL 191 umfasste das Gesetzespaket auch PL 490. PL 490 besagt, dass Indigene nur Anspruch auf Land haben, wenn sie nachweisen können, dass sie schon zum Zeitpunkt der Verabschiedung der brasilianischen Bundesverfassung 1988 darauf ansässig waren. Eine solche Zeitrahmen-These auf isolierte Völker anzuwenden sei unmöglich, sagt Fabricio Amorim, ein langjähriger ehemaliger Mitarbeiter der FUNAI. «Es gibt einfach keine Beweise dafür, dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Ort besiedelt haben.» Zudem seien viele dieser Völker so gut wie immer in Bewegung.

Während das PL 191 noch dem Plenum vorgelegt werden muss, wird das PL 490 derzeit noch vom Obersten Gerichtshof begutachtet. Die Entscheidung steht noch aus.

FUNAI – die (ehemalige) Beschützerin der Indigenen

Die FUNAI ist die nationale Behörde, verantwortlich für Angelegenheiten der indigenen Bevölkerung in Brasilien. In der Verfassung ist festgehalten, dass sie die Einhaltung indigener Rechte sicherstellen muss. Dazu gehört auch das Beobachten isolierter Gruppen.

Schon vor Amtsantritt wusste Bolsonaro, dass die FUNAI seinen Plänen einige Steine in den Weg legen würde. So soll er laut Survival International schon vor seiner Wahl eine Warnung ausgesprochen haben:

«Wenn ich gewählt bin, werde ich FUNAI einen Schlag versetzen. Einen Schlag in den Nacken. Es gibt keinen anderen Weg. Sie ist nicht mehr nützlich.»

Seinen Worten liess er Taten folgen: Zwar konnte er die FUNAI nicht einfach auflösen, da ihre Tätigkeit in der Verfassung verankert ist, doch konnte er sie gefügig machen. So entliess er sie unmittelbar an seinem ersten Amtstag als brasilianischer Präsident im Januar 2019 aus dem einflussreichen Justizministerium. Ab diesem Zeitpunkt soll die FUNAI zum neu gegründeten Ministerium für Frauen, Familie und Menschenrechte gehören.

In einem weiteren Schritt entzog er der FUNAI die Zuständigkeit zur Bestimmung von Indigenen-Territorien. Diese übergab er stattdessen niemand geringerem als dem Landwirtschaftsministerium, in dem die konservative Agrarlobby das Sagen hat. Von vielen Seiten wurde dieser Schritt als verfassungswidrig erklärt, bis der Entscheid knapp vier Monate später vom Kongress rückgängig gemacht wurde.

Bolsonaro liess sich nicht davon nicht beirren und wartete mit einer anderen Lösung auf: Er besetzte die FUNAI mit einem neuen Präsidenten, der seinen Kurs unterstützte. Nachdem der Vorgänger auf Drängen der Agrarlobby seines Amtes enthoben worden war, rückte der Bundespolizeikommissar Augusto Xavier da Silva an seine Stelle. Ein Mann nach dem Gusto Bolsonaros, der gute Beziehungen zur Agrarlobby pflegt. Der abgesetzte Präsident Gen Franklimberg de Freitas warnte vor dem neuen Mann: Garcia «schäume vor Hass» gegenüber indigenen Menschen. So ist es wenig überraschend, dass er als Bundespolizeikommissar nach seiner Amtsübernahme mehrere Kollegen mit Ermittlungen gegen verschiedene indigene Anführer und gar FUNAI-Mitarbeitende beauftragt hatte.

Bild: keystone

Im September 2019 wurde der Mitarbeiter Maxciel Pereira dos Santos vor den Augen seiner Familie mit zwei Schüssen in den Kopf getötet. Er bekämpfte den illegalen kommerziellen Abbau im Javari-Tal. Ende 2019 wurde Bruno Pereira ohne Angabe von Gründen aus der FUNAI geschmissen. Zuvor hatte er einen Einsatz zur Zerstörung illegaler Minen geleitet.

Schon lange fordern diverse indigene Organisationen die Absetzung des amtierenden FUNAI-Präsidenten, während innerhalb der FUNAI ein Klima der Angst herrscht. Die FUNAI sei eine Komplizin der Regierung geworden und kompetente Mitarbeitende würden entfernt oder gingen aus Angst freiwillig, klagen ehemalige Mitarbeitende gegenüber der «Thomas Reuters Foundatoin». «Genau das Gremium, das uns eigentlich schützen sollte, ist gegen uns», so indigene Anwältin Cristiane Soares Bare. Gegenüber «National Geographic» streitet die FUNAI jegliches Fehlverhalten ab und betont das Ziel, die Autonomie der indigenen Bevölkerung in Brasilien zu stärken.

Im Februar 2020 tätigte Bolsonaro eine weitere umstrittene Entscheidung. Er ernannte den Anthropologen Ricardo Lopes Dias zum Leiter der Abteilung für unkontaktierte Gruppen. Kritikpunkt: Dias war zuvor über 10 Jahre in der «New Tribes Mission» tätig. Eine evangelikale Missionsbewegung, deren Ziel es ist, isolierte Gruppen zu erreichen. Der Aufschrei bei indigenen Organisationen war gross. Auch ein brasilianisches Bundesgericht sah in diesen Tätigkeiten einen Widerspruch, weshalb entschieden wurde, Lopes seines Amtes zu entheben.

Auch wenn Bolsonaro mit seinem Vorhaben immer wieder auf Widerstand stösst, so schreitet die Ausbeutung des Amazonas im Rekordtempo voran. «Die Regierung Bolsonaro leistet der Abholzung und der Umweltkriminalität Vorschub, und was wir ernten, sind diese schrecklichen, beängstigenden, empörenden Zahlen», sagte der Leiter des Aktivistennetzwerks Climate Obeservatory, Marcio Astrini, der Nachrichtenagentur AFP.

Mit dem Tod Dom Philips und Bruno Pereiras reihen sich zwei weitere tragische Schicksale in die Statistik ein. Sie sind das Resultat Bolsonaros Ignoranz gegenüber dem Amazonas als Lebensraum und als Schlüsselkomponente im Weltklima. Indigene Gruppen machen nicht zuletzt die FUNAI für den Tod der beiden Männer verantwortlich, die sich zu wenig um die Sicherheit ihrer (ehemaligen) Mitarbeitenden sorge.

Mit Speeren bewaffnet und traditionell gekleidet zogen indigene Menschen in Atalaia do Norte am Montag in einem Protestzug durch die Strasse.

Sie forderten nicht nur Gerechtigkeit für sich selbst, sondern auch für Dom Philips und Bruno Pereira und versprachen zugleich, den Kampf weiterzuführen:

«Bruno ist weg, aber wir indigenen Menschen sind noch immer hier und wir sind jetzt Bruno und Dom Philips.»
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Brände im Amazonas-Gebiet

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Brände im Amazonas-Gebiet
quelle: ap
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20 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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D. Valldumatin
17.06.2022 15:19registriert September 2020
Zu Bolsenaro:
Ich verstehe es echt nicht! Wie kann ein weisser Nachfahre von italienischen & deutschen Einwanderern als President eines südamerikanischen Landes zu so viel Macht kommen, dass er ungestraft zu Mord an Abhängigen aufrufen und die Zerstörung des Regenwald anordnen kann? Von seinen faschistischen, sexistischen und diskriminierenden Parolen reden wir noch nicht einmal. Wer dachte Trump sei schlimm hat vom Bolsi noch nichts gehört.
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Anti-Putler
17.06.2022 15:00registriert Februar 2016
Die autokratischen, rechts-nationale Idioten weltweit werden uns ins Verderben führen.
Und natürlich die nützlichen Idioten, die ihre populistische Brühe aufsaugen und sie wählen.
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Linus Luchs
17.06.2022 15:41registriert Juli 2014
Bolsonaro hatte noch nie ein Problem damit, über Leichen zu gehen. Wie bei Putin ist mit Bolsonaro die Kriminalität an der Macht.
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