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epa07940950 A handout picture made available by the UK Parliament shows British Prime Minister Boris Johnson speaking in the House of Commons in London, Britain, 22 October 2019. Johnson is urging MPs to back his Brexit deal in a final bid to get the UK to leave the EU by the end of the month.  EPA/JESSICA TAYLOR / UK PARLIAMENT / HANDOUT MANDATORY CREDIT: UK PARLIAMENT / JESSICA TAYLOR - Images must not be altered in any way. HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Boris Johnson im britischen Parlament. Bild: EPA

Nach dem Sieg die Schlappe: Unterhaus lehnt Brexit-Zeitplan ab

Das Chaos beim Brexit geht weiter: Nach der Ablehnung eines beschleunigten Brexit-Verfahrens durch das Parlament hat Premierminister Boris Johnson die Beratungen über das Gesetzesvorhaben komplett ausgesetzt.



Nach einer heftigen Abstimmungsniederlage im britischen Parlament hat Premier Boris Johnson seine Gesetzgebung zum Brexit-Deal auf Eis gelegt. Er wolle mit der Europäischen Union über eine weitere Verlängerung der Frist verhandeln.

Zugleich müsse er aber auch die Vorbereitungen für einen ungeregelten Austritt aus der EU vorantreiben, sagte Johnson am Dienstagabend im Parlament.

Eine Sprecherin von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte auf Twitter, man nehme die Ergebnisse zur Kenntnis und erwarte Informationen von der britischen Regierung über die nächsten Schritte. EU-Ratschef Donald Tusk spreche weiter mit EU-Staats-und Regierungschefs über eine Verlängerung der Brexit-Frist bis 31. Januar, erklärte die Sprecherin.

Johnson zeigte sich enttäuscht, dass das Unterhaus wieder für eine Verzögerung votiert habe. «Wir sehen uns nun noch grösserer Unsicherheit gegenüber», sagte Johnson. «Die EU muss sich nun entscheiden, wie sie auf die Bitte des Parlaments um einen Aufschub reagieren will. Die Regierung muss die einzig verantwortungsvolle Richtung einschlagen und unsere Vorbereitungen für ein No-Deal-Ergebnis beschleunigen.»

Die Abgeordneten hatten zuvor in einer Abstimmung Johnsons straffen Brexit-Zeitplan gekippt. Insgesamt waren 322 Abgeordnete gegen Johnsons Zeitplan von nur drei Tagen für die Beratungen über Brexit-Gesetzespaketes, 308 sprachen sich dafür aus.

Gefahr eines No-Deal gestiegen

Mit der Ablehnung des Zeitplans ist die Gefahr eines ungeregelten Brexits an Halloween gestiegen. Johnson hatte vor der Abstimmung gedroht, der Pfad für einen No-Deal-Brexit öffne sich, wenn sein Plan zunichte gemacht werde und der 31. Oktober als Datum für eine geregelte Trennung nicht möglich wäre. Die Macht über das weitere Vorgehen müsse in Grossbritannien liegen und nicht in Brüssel.

Vor der Niederlage hatte das Parlament am Dienstagabend den Gesetzesrahmen für den Brexit-Deal im Grundsatz gebilligt und damit den Weg für eine weitere Debatte des Gesetzespaketes eigentlich frei gemacht.

Die Abgeordneten votierten in einer ersten Abstimmung für das zwischen Johnson und der EU vereinbarte Paket. Nach der 2. Lesung stimmten 329 Abgeordnete dafür, das Gesetzespaket weiter zu verfolgen, 299 votierten dagegen, wie Parlamentspräsident John Bercow bekanntgab.

Speaker of Britain's House of Commons John Bercow gestures during a debate after giving a statement in the House of Commons in London Monday Oct. 21, 2019. The government request for a meaningful vote on the government's Brexit deal with Europe is rejected Monday by Speaker Bercow. (Jessica Taylor/House of Commons via AP)

Parlamentspräsident John Bercow. Bild: AP

Mehr Zeit gefordert

Die Inhalte des 110 Seiten starken Brexit-Gesetzespaketes waren den Abgeordneten erst am Montagabend bekanntgeworden. Zahlreiche Parlamentarier forderten mehr Zeit. Es bedürfe weiterer Diskussionen - nicht zuletzt über den Umgang mit Arbeitnehmerrechten, mit Umweltbestimmungen und vor allem mit der Frage einer Zollunion und damit verbunden des Nordirland-Problems.

Das Johnson-Papier sieht vor, dass Grossbritannien zwar als Ganzes aus der Zollunion mit der Staatengemeinschaft austritt. De facto aber würde Nordirland zu einem grossen Teil an die Handelsregelungen der Europäischen Union gebunden bleiben. Im Prinzip verlagert der Deal die Zollgrenze südlich der irischen Insel. Dies stösst auf Widerstand bei der nordirischen Protestantenpartei DUP.

Johnson hatte erst am Montag und zuvor schon am Samstag schwere Niederlagen hinnehmen müssen: Parlamentspräsident John Bercow liess eine Abstimmung am Montag über den neuen Brexit-Deal nicht zu. Er begründete seine Ablehnung damit, dass der Entwurf der Regierung in seinem Inhalt der gleiche wie der am Samstag abgelehnte sei.

Auch die Umstände hätten sich nicht geändert. Die Abgeordneten hatten stattdessen dafür votiert, die Entscheidung zu verschieben. Damit wollten sie einen Chaos-Brexit ausschliessen.

Der Premier hatte schliesslich auf Geheiss seines Parlaments - widerwillig und ohne Unterschrift - eine Verlängerung der Austrittsfrist bis Ende Januar beantragt, die die EU-Staaten bewilligen könnten.

Die Briten hatten sich vor mehr als drei Jahren mit knapper Mehrheit für eine Scheidung von der Staatengemeinschaft ausgesprochen. (jaw/sda/dpa)

Das Brexit-Chaos seit Johnsons Amtsübernahme

Das sagt Boris Johnson zu seinem Brexit-Deal

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kugelblitz 23.10.2019 01:52
    Highlight Highlight Das ganze WAB ist jetzt in "Limbo", auf Eis gelegt.Macht nix, die EU wird eine Verlängerung gewähren was nötig ist das Ganze zu analisieren.
    Viel Schlimmer find ich die sogenannten "Leaks of Downingstreet No. 10", die von Journalisten aufgegriffen verbreitet werden. Meistens sind es Drohungen, populistische Aussagen im Kontext was gerade abläuft.
    Bitte passt auf....es stinkt Europaweit....
    • DemonCore 23.10.2019 11:12
      Highlight Highlight Oh klingt düster. Was stinkt europaweit? Der Nationalismus?
  • DemonCore 23.10.2019 01:00
    Highlight Highlight Er verliert und verliert und verliert. Ich glaube so hat er sich seine Amtszeit nicht vorgestellt.
  • Füürtüfäli 22.10.2019 23:07
    Highlight Highlight Und ich warte immernoch bis aus dem Buckingham Palace weißer Rauch aufsteigt und die Queen vom Balkon "Habemus Brexitum" ruft.

    Fortsetzung folgt....
    • DemonCore 23.10.2019 00:04
      Highlight Highlight That made me chuckle... Es geht nichts über etwas Humor-Latein :)
    • DemonCore 23.10.2019 01:03
      Highlight Highlight ... allerdings 'brexitus' wäre noch lustiger, da es den finalen und tödlichen Aspekt dieser nationalistischen Tollerei hervorstreichen würde.
  • Typu 22.10.2019 23:05
    Highlight Highlight Es wird keinen No-Deal geben. Just relax.
  • anundpfirsich 22.10.2019 22:13
    Highlight Highlight Und weiter geht das Hamasterrad!
  • Provinzprinz 22.10.2019 21:50
    Highlight Highlight Little Britain: Parliament says NO 🤣👌
    • Smörebröd 22.10.2019 22:15
      Highlight Highlight Nicht mehr ganz so schlimm wie auch schon. Dem Brexit-Gesetz zugestimmt, aber dem Zeitplan für die Umsetzung (Gesetzesanpassungen) nicht. Das find ich irgendwie verständlich. 3 Tage für etwas, das in der Regel Wochen dauert (rasch eine ca. 100-seitige Vorlage durchzuarbeiten), ist doch ein - gelinde ausgedrückt -sehr bescheidener Zeitrahmen
    • Gurgelhals 22.10.2019 22:53
      Highlight Highlight Das Parlament hat dem Brexit-Gesetz noch nicht zugestimmt. "Zweite Lesung" entspricht bloss dem, was man in Bern Eintretensdebatte nennt. Sprich: Das Unterhaus hat jetzt mal beschlossen, die Vorlage überhaupt zu behandeln (und diese Hürde hat tatsächlich bisher noch keine dieser Vorlagen geschafft).

      Aber eben: Die nächsten Etappen sind nun Kommissions- und Berichtsstadium, wo die Parlamentarier die Vorlage auch noch grosszügig abändern können, und dann die Schlussabstimmung. Und dann sind die Lords dran.

      PS: Dass BoJo all das in 3 Tagen durchboxen wollte ist nicht weniger als ein Skandal.
  • Count Suduku 22.10.2019 21:49
    Highlight Highlight Ich erwarte irgendwie, das die Queen was macht... Ich meine sie wird sich so oder so raushalten, aber wofür hat man denn Monarchen?
    • DemonCore 23.10.2019 00:07
      Highlight Highlight Die Verfassungskrise ist glaube ich jetzt schon sehr tief. Eine radikale Änderung an den Rechten und Pflichten und ihrer Aufteilung zwischen Regierung, Parlament und Monarchie dürfte die Situation eher verschärfen als entspannen.

«Kein Brexit ohne Parlament!» John Bercow sagt Johnson in Zürich den Kampf an

Der Brexit und sein dröhnendes «Orrdeeer!» machten John Bercow zur Kultfigur. Am Donnerstag sprach der Vorsitzende des britischen Unterhauses an der Universität Zürich. Und stellte klar: Beim EU-Austritt hat das Parlament das letzte Wort.

Das Referat eines Parlamentspräsidenten lockt in der Regel kaum jemanden hinter dem Ofen hervor. Am Donnerstag aber erlebte die Universität Zürich einen regelrechten Ansturm. Rund 1000 Personen wollten hören, was John Bercow, der «Speaker» des britischen Unterhauses, zu sagen hatte. Sein Auftritt in der Aula musste in vier weitere Hörsäle übertragen werden.

Der Hauptgrund für das Interesse war Bercow selbst. Die endlosen Debatten im Parlament um den Austritt Grossbritanniens aus der …

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