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Mit voller Kraft gegen Corona: Seit Montag erhalten in Österreich Kinder ab 5 Jahren eine Covid-Impfung.
Mit voller Kraft gegen Corona: Seit Montag erhalten in Österreich Kinder ab 5 Jahren eine Covid-Impfung. Bild: keystone

Österreich greift knallhart durch: Der Ungeimpften-Lockdown in 10 Punkten erklärt

Ungeimpfte müssen in Österreich ab sofort zu Hause bleiben. Der Gesundheitsminister will wegen der explodierenden Fallzahlen gar eine Ausgangssperre für alle. Die Übersicht.
15.11.2021, 15:5115.11.2021, 16:44

Lockdown für Ungeimpfte ist nicht genug: Angesicht der explodierenden Corona-Infektionszahlen will der Gesundheitsminister Österreichs gar eine abendliche Ausgangssperre für alle Bürgerinnen und Bürger erlassen. Kanzler Schallenberg stellt sich noch dagegen. Das Land vermeldete am Montag knapp 12'000 Neuinfektionen und 40 Corona-Tote bei knapp 9 Millionen Einwohnern.

Welche Regeln gelten nun für Ungeimpfte?

Das Leben von rund zwei Millionen Menschen in Österreich hat sich über Nacht geändert. Wer nach wie vor nicht gegen Covid geimpft oder von einer Corona-Infektion genesen ist, muss zu Hause bleiben.

quelle: apa/twitter

Ungeimpfte Personen über 12 Jahren dürfen ihre Wohnungen nur für wenige Zwecke verlassen:

  • um sich impfen zu lassen.
  • zum Arbeiten.
  • zur «Befriedigung religiöser Grundbedürfnisse».
  • um zur Schule, zur Uni, zum Arzt oder Gerichtstermin zu gehen.
  • zum Einkauf von Gütern des täglichen Bedarfs.
  • zum Spazieren.

Ausnahmen: Menschen, die sich bis 6. Dezember eine erste Impfdosis verabreichen, können sich mittels PCR-Tests für jeweils 48 Stunden aus dem Lockdown freitesten.

Was sagt die Bevölkerung?

Die Meinungen über den Ungeimpften-Lockdown gehen auseinander: «Ich finde es gut, dass die Regierung durchgreift. Man sollte die Regeln sogar noch weiter verschärfen, um unser Gesundheitssystem zu schützen», sagt eine Frau aus Feldkirch zu Radio Vorarlberg.

Zum Wiener «Kurier» sagt ein Mann:

«Ich habe mich geimpft, um nicht weiter in meiner Freiheit eingeschränkt zu sein. Man sieht jetzt, was herauskommt, wenn man sich nicht dafür entscheidet.»

In Linz tönt es anders: «Nein, ich lasse mich nicht impfen. Denn das ist ein Impfzwang durch die Hintertür. Zum Spazieren gehe ich fort, das darf man eh. Ich nehm's so, wie es ist», sagt eine Frau zu einer ARD-Korrespondentin. Und die andere erklärt: «Ich verstehe die Argumente nicht mehr, wenn jemand sagt: ‹Nein, ich warte noch, ich schau' mal›. In der Situation, wie wir sie jetzt haben, kann ich nicht mehr warten. Es geht um die Gemeinschaft».

Gleichzeitig machen die Impfskeptiker mobil: In Wien und Innsbruck gingen schon am Sonntag tausende Demonstrantinnen und Demonstranten auf die Strasse, um gegen den Ungeimpften-Lockdown zu protestieren.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Wie reagiert die Polizei?

Österreichs Innenminister Karl Nehammer hat ein «engmaschiges Netz» an Kontrollen angekündigt.

Wie sieht dies in der Realität aus? Die Polizei habe zwei Patrouillenfahrzeuge eigens für die Corona-Kontrollen abgestellt. «Wir kontrollieren jedoch mit viel Augenmass und Fingerspitzengefühl», sagt Rainer Fitz, Pressesprecher der Landespolizei Vorarlberg, zu watson. Aufklärung der Bürger stehe derzeit im Vordergrund. «Uneinsichtige erhalten aber eine Anzeige», sagt Fitz weiter. Wegen Verstoss gegen die 2G-Regel hätten aber in den letzten Tagen nur eine Handvoll Personen eine Verzeigung kassiert, so der Polizeisprecher weiter.

Welche Strafen drohen?

Wird man in Österreich als Ungeimpfter bei einem unerlaubten Aufenthalt im öffentlichen Raum erwischt, wird man von der Polizei bei der Gesundheitsbehörde angezeigt. Diese bestimmt die Strafhöhe. Es drohen bis zu 1450 Euro Bussgeld.

Wenn man allerdings bei einer Kontrolle gleich zugibt, dass man die 2G-Regel missachtet hat, droht nur eine Strafe bis zu 500 Euro.

Was passiert an den Schulen?

In Österreich kriegen Kinder ab 5 Jahren den Pieks.
In Österreich kriegen Kinder ab 5 Jahren den Pieks. Bild: keystone

In den kommenden zwei Wochen gilt an den Schulen in Österreich wieder eine «Sicherheitsphase»: Alle Schüler – also auch geimpfte und genesene – müssen dreimal die Woche einen Corona-Test (darunter mindestens ein PCR-Test) absolvieren. Ausserdem müssen an Schulen Lehrer und Schüler auch im Unterricht eine FFP2-Maske tragen.

Wie lange gilt der Ungeimpften-Lockdown?

Vorerst gilt die neue Regelung für zehn Tage, bis und mit 24. November. Es könne jedoch sein, dass andere oder weitere Einschränkungen folgen werden.

Wie geht es weiter?

Kanzler Schallenberg spricht sich gegen Ausgangssperren für alle aus.
Kanzler Schallenberg spricht sich gegen Ausgangssperren für alle aus. Bild: keystone

Die obersten Politiker sind sich uneins: Der österreichische Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) forderte schon am Sonntag eine generelle, abendliche Ausgangssperre für alle. Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) hat sich am Montag gegen derartige Massnahmen ausgesprochen. Weitere Möglichkeiten könnten laut Schallenberg eine erweiterte FFP2-Maskenpflicht, Home Office und eine «2Gplus»-Regelung für Veranstaltungen betreffen, sagte er im Ö1-«Morgenjournal.»

Welche Verschärfungen gibt es für Geimpfte?

Einige Regionen in Österreich verschärfen die Regeln auch für Geimpfte:

  • Zusätzlich zu den vom Bund verordneten Massnahmen wird es in Wien eine «2Gplus-Regelung» für die Nachtgastronomie und Veranstaltungen mit mehr als 25 Besuchern geben. Diese dürfen nur mehr besucht werden, wenn die geimpften oder genesenen Gäste zusätzlich einen negativen PCR-Test vorweisen können. Dieser darf nicht älter als 48 Stunden sein.

Wie steht die Schweiz im Vergleich zu Österreich da?

Die 7-Tage-Inzidenz ist im Vergleich zur Schweiz viel höher. Dies liegt wohl auch daran, dass viel mehr getestet wird. Am 11. November etwa wurden in Österreich 725'954 (!) Tests durchgeführt. In der Schweiz waren es am gleichen Tag nur 40'129.

Deshalb ist die Zahl der Hospitalisierten interessant. Auch da sehen wir, dass in Österreich mehr Menschen mit Covid-19 in den Spitälern liegen. Allerdings gibt es aus Österreich nur Zahlen bis zum 8. November, die Zahlen aus der Schweiz reichen bis zum 14. November.

Mit welchen Einschränkungen müssen Schweizer Touristen leben?

In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens gilt die 2G-Regel. Für Ungeimpfte könnte es also schwierig werden, angenehme Ferien in Österreich zu verbringen. Die 2G-Regel gilt in Beherbergungsbetrieben, Gastroeinrichtungen, Freizeit- und Sportbetrieben, Kultureinrichtungen und Seilbahnen. Auch körpernahe Dienstleistungen wie beispielsweise einen Coiffeur kann man nur als Geimpfter oder Genesener besuchen. In Geschäften und Museen muss eine FFP2-Maske getragen werden.

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