International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this May 29, 2020, file photo, letters of thanks from students adorn the walls of a break room that was set up for workers to decompress from the stresses of caring for COVID-19 patients at Elmhurst Hospital, in New York. As the coronavirus pandemic surges across the nation and infections and hospitalizations rise, medical administrators are scrambling to find enough nursing help

Die Krankenhaus-Mitarbeiter in New York werden zunehmend nervös Bild: keystone

In New York wächst die Angst vor einer zweiten Katastrophe

Die USA melden täglich mehr als 100'000 Corona-Neuinfektionen. Das krisengebeutelte New York reagiert auf die verschärfte Lage besonders sensibel.

Josephin Hartwig / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Funkelnde Lichter am Times Square, in den Himmel ragende Wolkenkratzer und saftig grüne Wiesen im Central Park – New York ist eine Stadt, in der alles möglich schien und die für Millionen Menschen weltweit der Inbegriff grenzenloser Chancen war. Diese Stadt gibt es im Moment nicht mehr.

>>> Alle News zum Coronavirus im Liveticker.

34'000 Tote in New York

Der Bundesstaat New York mit der gleichnamigen Metropole an der US-Ostküste waren im Frühjahr das Epizentrum der Pandemie in den USA. Zwar beruhigte sich über den Sommer das Infektionsgeschehen. Doch fast 34'000 Menschen sind dort bislang in Verbindung mit einer Corona-Infektion gestorben, landesweit sind es 240'000 (Stand: 12. November, Johns Hopkins Universität). Nach Monaten, in denen die Wahl des Präsidenten das Land in Atem hielt, zeigen diese Zahlen deutlich: Vor dem gewählten Präsidenten Joe Biden liegt viel Arbeit.

Derzeit werden rund 1'600 Covid-Patienten in den Krankenhäusern des Bundesstaates behandelt, etwa 540 davon in New York City – höher waren die Werte zuletzt im Juni. «Unsere Krankenhausmitarbeiter werden wieder etwas nervös», erklärte der Arzt Paul Fu, der als stellvertretender medizinischer Direktor am Auburn Community Hospital im Zentrum des Bundesstaates arbeitet, dem Portal «CNY Central». «Wir sehen einen viel höheren Anstieg als im März.» Noch könne das Krankenhaus auch Fälle aus anderen Häusern aufnehmen. Doch schon in der nächsten Woche sei das sicher nicht mehr möglich.

Einigen Patienten geht es schnell besser

Positiv sei allerdings zu bewerten, dass die Corona-Patienten deutlich schneller entlassen werden könnten als noch im Frühjahr. Das sei jedoch kein Grund, nicht mehr wachsam zu sein. «Es gibt Patienten, die innerhalb von zwei bis drei Tagen wieder gesund werden», sagte Dr. Fu, «aber wir haben trotzdem auch Patienten, die sehr krank werden und viel längere Krankenhausaufenthalte benötigen oder auf ein höheres Versorgungsniveau verlegt werden.»

Nun werden die Corona-Regeln wieder verschärft. New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo kündigte am Mittwoch an, dass Restaurants, Bars und Fitnessstudios um 22 Uhr schliessen müssen. Zudem werden Treffen in Privathäusern auf maximal zehn Personen beschränkt. Die neuen Vorschriften sollen am Freitag in Kraft treten.

«Es wird jeden Tag schlimmer»

«Es wird jeden Tag wirklich schlimmer», sagte der Gouverneur mit Verweis auf neue Corona-Höchststände in den USA. Falls die neuen Massnahmen nicht ausreichen und die Zahlen «verrückt» ansteigen, dann könnte es auch zu einer kompletten Schliessung von öffentlich zugänglichen Innenräumen kommen, stellte Cuomo in Aussicht. Auch New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio sprach von der «letzten Chance», eine zweite Corona-Welle zu verhindern.

Vieles spricht allerdings dafür, dass die zweite Pandemiewelle längst begonnen hat. New York City meldete am Mittwoch 4'820 neue Corona-Fälle und 21 Todesfälle binnen 24 Stunden. Gouverneur Cuomo schrieb auf Twitter: «Die Herbstwelle ist da. Tragen Sie eine Maske. Lassen Sie sich testen. Befolgen Sie alle Gesundheitsrichtlinien. Nehmen Sie das ernst.»

Die Stadt könnte ausserdem kurz davor stehen, die öffentlichen Schulen zu schliessen, berichtet die «New York Times». Bürgermeister Bill de Blasio habe dies dem Bericht zufolge angekündigt, wenn die Stadt eine Drei-Prozent-Rate bei positiven Tests überschreite. 

Kritik an Plan zu Schulschliessung

Nicht jeder ist mit einer möglichen Schulschliessung einverstanden. Zehntausende Mitarbeiter und Hunderttausende Schüler wären betroffen, die an öffentlichen oder privaten Schulen unterrichtet werden. Einige Eltern haben an den Plänen kritisiert, dass die Positivitätsrate in den Schulen sehr niedrig sei – nach den jüngsten Daten liegt sie nur bei 0.17 Prozent.

Auch der Immobilienmarkt in New York leidet enorm unter der Pandemie. Der Rückgang in der Branche hat die Stadt und den Staat bereits mehr als 1.4 Milliarden Dollar an Steuereinnahmen gekostet, so ein am Donnerstag veröffentlichter Bericht des «Real Estate Board of New York».

«Wir sind alle müde, das Virus ist es nicht»

In Newark, der grössten Stadt des benachbarten Bundesstaates New Jersey, spitzt sich die Lage schon dramatisch zu. Dort wurde bei 19 Prozent der Menschen, die in der vergangenen Woche an drei Tagen getestet wurden, das Coronavirus nachgewiesen. Newarks Bürgermeister Ras J. Baraka hat in einigen Stadtvierteln deshalb eine Sperrstunde an Wochentagen ab 21 Uhr verfügt. Versammlungen in Gebäuden und im Freien sind bis mindestens Dezember auf zehn Teilnehmer begrenzt. Mannschaftssport ist verboten, in Pflegeheimen dürfen während der nächsten zwei Wochen keine Besucher empfangen werden, berichtet die «New York Times». «Ich weiss, dass wir alle müde sind», erklärte Bürgermeister Baraka in einer Erklärung, «aber das Virus ist es nicht».

Dem entgegen stehen die politischen Entwicklungen in Washington: Im Weissen Haus hat Präsident Trump die Coronavirus-Task-Force zur Eindämmung der Pandemie weitgehend aufgelöst. Ausserdem hatte er gedroht, den besten Infektionsexperten der Nation, Dr. Anthony S. Fauci, zu entlassen. In den Tagen vor und nach dem Wahltag wurden sechs Mitarbeiter des Weissen Hauses und ein Spitzenberater der Kampagne positiv auf das Virus getestet. Joe Biden tritt ein schweres Erbe an. Bis er übernimmt, könnte New York erneut auf sich allein gestellt sein.

Verwendete Quellen:

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Welcome to New York - Filmszenen

Maskenpflicht: «Masken haben nicht die Fähigkeit, deine Sauerstoffaufnahme zu reduzieren»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Die besten Karikaturen, die 4 Jahre Trump-Chaos treffend beschreiben

Diese Trump-Karikaturen lassen die vier Jahre unter Präsident Donald Trump nochmals Revue passieren.

Die «Washington Post» führt eine Datenbank, die Trumps Lügen fein säuberlich dokumentiert: In seiner Amtszeit hat er demnach mehr als 22'000 irreführende oder falsche Behauptungen verbreitet. Bereits Trumps Vereidigung begann mit einer Lüge: «Das war das grösste Publikum, das je bei einer Inauguration anwesend war», sagte Trumps damaliger Pressesprecher Sean Spicer bei seinem ersten Auftritt. Das war offensichtlich gelogen. Zu Barack Obamas Vereidigung kamen weit mehr Menschen, wie man …

Artikel lesen
Link zum Artikel