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epa08652276 People wait a bus at bus stop in Turin, Nothern Italy, 07 September 2020. ..Work activities resumed after the summer break and public transport returns to use during peak hours.. ANSA/TINO ROMANO People wait at a bus stop in Turin, Italy, 07 September 2020. Work activities resumed after the summer break and public transport returns to use during peak hours.  EPA/Tino Romano

Gilt bald in ganz Italien: Maskenpflicht im Freien. Bild: keystone

6 Punkte, die zeigen, was in Italien gerade abgeht

Italien galt in den letzten Wochen als Musterschüler im Umgang mit der Coronapandemie. Doch die letzten Tage verheissen nichts Gutes. Und die Regierung dürfte noch diese Woche mit neuen Regeln wie landesweitem Maskentragen im Freien reagieren.



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Anzahl neuer Fälle

Nachdem Italien auch im Spätsommer – im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern wie Spanien oder Frankreich – die Coronakrise noch im Griff zu haben schien, zeigen die Fallzahlen in den letzten Tagen deutlich nach oben und lagen zuletzt bei rund 2500 neuen Fällen. Und dies, obwohl die Testvolumen sich in den letzten Tagen nicht gross veränderten. Am Montag wurden 2578 neue Fälle gemeldet, eine Woche zuvor waren es noch lediglich 1494.

Tägliche Neuinfektionen in Italien seit dem 1. Juli

Bild

bild: watson / quelle: WHO

In Italien gilt die Pandemie weiterhin als «unter Kontrolle». Doch wenn die Zahlen wie zuletzt ansteigen, könnte dies schwieriger werden.

Verteilung nach Regionen

Lange Zeit war in Italien vor allem der Norden mit den Regionen Lombardei, Piemont, Venetien oder Ligurien betroffen. Die Fallzahlen sind da auch in den letzten Wochen immer noch mit bei den höchsten.

Auffallend ist aber: Die Ausbreitung verlagert sich auch in den Süden. Lazio (mit der Hauptstadt Rom) war schon bald einmal ebenfalls hart getroffen, aktuell nehmen aber die Fallzahlen insbesondere in Kampanien (mit der Hauptstadt Napoli) schnell zu.

Kampanien als neuer Hotspot

Auffallend in Kampanien: Die Regierung der Region feierte sich noch im Juni als «Corona-frei». Jetzt ist es die neue Hotspot-Region. Von den am Mittwoch gemeldeten 2257 Neuinfektionen wurden 431 – und damit deutlich am meisten – in Kampanien registriert.

epa08570421 People gather outside the headquarters of Campania region to protest against the higher prices to access beaches in Naples, Italy, 28 July 2020. Following the social distance measures imposed for the COVID -19 coronavirus pandemic, in some Italian regions  the prices for umbrellas and sunbeds have significantly increased.  EPA/CIRO FUSCO

Im Juli demonstrierten Einwohner Kampaniens noch gegen die hohen Preise für Strandbesuche, welche die Social-Distancing-Massnahmen verursachten. Bild: keystone

Praktisch täglich wird in der Region ein neuer Rekordwert erreicht und dieser liegt aktuell so hoch wie noch nie. Im September gab es doppelt so viele Neuinfektionen wie während den Monaten März und April, als das Land in einen Lockdown versetzt wurde.

Dazu kommt: In Kampanien wird weniger getestet als im Norden. Die tatsächliche Zahl an Neuinfektionen dürfte also noch höher liegen.

Was sind die Gründe?

Für die landesweite Zunahme an Neuinfektionen nennen Experten zwei Gründe: Zum einen wurde am 14. September landesweit die Schule wieder aufgenommen, zum anderen haben vor allem junge Leute die Nase voll und halten sich nicht mehr so gut an die geltenden Regeln.

Medical personnel talk to children as they prepare them to receive non-invasive Covid 19 tests with chewing gum at the G.B. Grassi school, in Fiumicino, near Rome, Tuesday, Oct. 6, 2020. (AP Photo/Andrew Medichini)

In Italien hat der Schulbetrieb am 14. September wieder gestartet. Ein Grund für die Zunahme der Fälle? Bild: keystone

917 italienische Schulen wiesen in der letzten Woche mindestens eine Coronainfektion aus. Andrea Crisanti, Professor an der Universität Padua, sagt gegenüber dem Messagero: «Wir stehen erst am Anfang. Bis wir die wirklichen Auswirkungen der Schulöffnungen sehen, müssen wir noch bis Mitte Oktober warten.»

Zu den Entwicklungen in den Schulen nahm auch Italiens Bildungsministerin Lucia Azzolina auf Facebook Stellung: Wir bleiben vorsichtig, aber die Zahlen sind zufriedenstellend. Wichtig ist, dass wir vor und nach dem Unterricht auch die richtigen Massnahmen ergreifen.»

Neue Regeln kommen

Kampaniens Regionalpräsident Vincenzo De Luca reagierte schon am 24. September mit neuen Regeln: So muss die Maske auch im Freien getragen werden, was auch schon in weiteren Regionen gilt.

epa08687010 The governor of the Campania region, Vincenzo De Luca (L) attends a press conference during the regional elections in Naples, Italy, 21 September 2020.  EPA/CIRO FUSCO

Kampaniens Regionalpräsident Vincenzo De Luca wurde im September mit 69 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Bild: keystone

Und auch die Regierung soll nachziehen. Gemäss Medienberichten werde Ministerpräsident Giuseppe Conte bis am Mittwoch ein Dekret unterschreiben, das spätestens ab Donnerstag in ganz Italien im Freien die Maskenpflicht vorschreibt. Wer sich nicht daran hält, muss mit bis zu 3000 Euro Busse rechnen.

Gesundheitsminister Roberto Speranza erklärte dem Parlament am Dienstagmorgen: «Das ganze Land ist betroffen, die Zahlen nehmen in jeder Region zu. Wir müssen jetzt gemeinsam handeln.»

Weitere Einschränkungen sollen darin geregelt werden. So eine allgemeine Sperrstunde für Bars und Restaurants ab 23 oder schon 22 Uhr und die Begrenzung der Teilnehmer auf 200 Personen bei Familienfeiern, Hochzeiten oder Taufen.

Die weiteren Regeln wie beispiels,weise Schliessung von Discos oder Abständen in Kinos und Auslastung von 80 Prozent in öffentlichen Verkehrsmitteln, bleiben bestehen.

Militär soll helfen

Damit die neuen Regeln auch eingehalten werden, soll zudem das Militär die Polizei unterstützen.

epa08510580 Italian Mmilitary secure a decleared red zone, where new 49 cases of coronavirus infections were confirmed, in Mondragone, Southern Italy, 26 June 2020. Campania Governor Vincenzo De Luca said, Interior Minister Luciana Lamorgese has agreed to send an Army contingent to help control a coronavirus hotspot in the town of Mondragone, in the province of Caserta.  EPA/fu

Das Militär soll der Polizei bald zur Hilfe kommen. Bild: keystone

In Italien gilt noch bis am 15. Oktober der Notstand. Das Parlament soll diesen jedoch noch heute bis am 31. Januar 2021 verlängern, wie der «Corriere della Sera» berichtete.

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88 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Sprachrohr
07.10.2020 07:07registriert July 2020
Falls ihr es noch nicht bemerkt haben solltet: Die Kurve in der Schweiz hebt gerade ab!
700 neue Fälle gestern, stark steigende Positivitätsrate und ein r-Wert von 1.24!
Und ihr schaut bloss nach Italien!
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MartinZH
07.10.2020 07:35registriert May 2019
Was man in Italien leider vielerorts beobachten kann: Die Masken werden zwar überall getragen (u.a. auch wegen den relativ hohen Bussen), aber meistens unter dem Kinn oder nur über dem Mund und die Nase ist draussen. So wird das nichts: Entweder richtig oder gar nicht. Die halbbatzige Art, die Maske zu tragen, bringt jedenfalls nichts. Nur 'Coroni' freuts. 😔
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JoeyOnewood
07.10.2020 07:09registriert September 2016
Ich finde ja, die Schweiz täte gut daran, etwas mehr auf sich selbst zu schauen....
2500 auf 60 Mio Einwohner ist einfach deutlich weniger als 700 auf 8 Mio Einwohner.
—> Italien hat 3.5 mal mehr Fälle aber 8.5 mal mehr Einwohner.
Dies gilt auch, wenn man die einzelnen Hotspot Regionen betrachtet. Kampanien hat knapp 6 Mio Einwohner und 431 Fälle... Die ganze Schweiz ist also eine ebenfalls eine Hotspot Region...
Dieser Artikel könnte also umgekehrt noch etwas deftiger aus Italien stammen. Dessen sollte man sich als Schweizer (und vlt. Herbstferienreisender nach Italien) bewusst sein.
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