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Frohe Botschaft hinter Plexiglas: Österreich mit Öffnungs-Fahrplan

Nach Ostern möchte Österreich Schritt für Schritt zurück zur Normalität: Bundeskanzler Sebastian Kurz erlässt erste Lockerungen.



epa08345498 A journalist wearing a face mask is seen next to Austrian Chancellor Sebastian Kurz during a press conference at the Austrian Chancellery in Vienna, Austria, 06 April 2020. Kurz announces the extension of the measures slowing down the ongoing pandemic of the COVID-19 disease caused by the SARS-CoV-2 coronavirus, until 30 April 2020.  EPA/HELMUT FOHRINGER  / POOL

Bundeskanzler Sebastian Kurz an der Pressekonferenz in Wien am 6. April 2020: Österreich will zurück zur Normalität. Bild: EPA

Ihren Mundschutz nahmen Österreichs Kanzler Sebastian Kurz und drei seiner Minister nur für die Pressekonferenz ab. Hinter Schutzwänden aus Plexiglas verkündeten sie am Montag den Österreichern eine mehrteilige Botschaft geprägt von Zuversicht, Stolz und auch Sorge:

Die Alpenrepublik wird nach Ostern behutsam mit dem langen Weg aus der Coronakrise zurück in die Normalität beginnen - aber jederzeit die Notbremse ziehen, wenn sich das Virus doch wieder ausbreitet. In Deutschland hatte Kanzlerin Angela Merkel jüngst in ihrem Video-Podcast betont, es sei noch nicht möglich, einen Stichtag für ein Ende der Massnahmen zu nennen.

In Österreich sollen nach der Öffnung von kleinen Geschäften sowie Bau- und Gartenmärkten am 14. April dann ab Anfang Mai alle Geschäfte, Einkaufszentren und Friseure wieder öffnen. «Wir sind bisher besser durch die Krise gekommen als die meisten anderen Länder», stellte Kurz fest. Jetzt will Wien auch beim Hochfahren der Wirtschaft Zeichen setzen.

Zugleich machte die Regierungsspitze auch überdeutlich, dass sich die Österreicher weiterhin an die strengen Auflagen zum gebotenen Abstand halten müssen - die Ausgangsbeschränkungen wurden bis Ende April verlängert, die Schulen bleiben bis Mitte Mai zu.

Hotels und Gaststätten dürfen auch erst ab Mitte Mai damit rechnen, dass sie wieder öffnen dürfen. Veranstaltungen sollen bis Ende Juni nicht stattfinden. So wurde das Nova Rock Festival mit zuletzt mehr als 200 000 Besuchern nun abgesagt. Das Tragen eines Mundschutzes wird auch in öffentlichen Verkehrsmitteln zur Pflicht.

Früher als zum Beispiel im benachbarten Deutschland war Mitte März das öffentliche Leben in der gesamten Alpenrepublik auf Notbetrieb umgestellt, waren die Ausgangsbeschränkungen erlassen worden. Der Lohn: Nirgendwo in Europa sei die Zahl der Neuinfizierten derart drastisch zurückgegangen, meinte Gesundheitsminister Rudolf Anschober. «Der erste Kraftakt auf unserem Weg ist gelungen.» In Österreich werden aktuell jeden Tag mehr mit dem Coronavirus infizierte Menschen gesund als an der Lungenkrankheit Covid-19 erkranken.

Osterwoche bereitet Sorgen

Sorgen bereitet aber nicht zuletzt die Osterwoche mit den sonst üblichen Familienfeiern und Treffen von Freunden. Gar nicht daran denken, warnte die Regierungsspitze. «Bleiben sie zusammen mit den Menschen, mit denen sie gemeinsam wohnen», meinte Kurz.

Österreich ist damit eines der ersten europäischen Länder, das im Kampf gegen das Coronavirus seine Massnahmen nach Ostern wieder etwas lockern will. Auch in Dänemark hat Regierungschefin Mette Frederiksen angekündigt, das Land wahrscheinlich nach Ostern schrittweise wieder öffnen zu wollen. Einen genauen Plan hat sie aber noch nicht vorgelegt.

In Tschechien wird aktuell über kleinere Ausnahmeregelungen für den Handel diskutiert, das Minderheitskabinett ist in dieser Frage aber heftig zerstritten.

Österreich sieht sich durch die dramatische Entwicklung in anderen Staaten in seiner Eindämmungsstrategie, mit der unter anderem alle Gemeinden im Bundesland Tirol unter Quarantäne gestellt wurden, bestätigt. Hätte die Regierung Mitte März nicht gehandelt, wären nach einem der möglichen Szenarien 2.7 Millionen Erkrankte zu befürchten gewesen, erinnerte Anschober.

Auch erste Ergebnisse einer repräsentativen Stichprobe unter 2000 augenscheinlich gesunden Bürgern bestätigten den von Vorsicht geprägten Kurs. Die bisher als hoch vermutete Dunkelziffer der Erkrankten liegt laut Kurz wohl unter einem Prozent. «Alle Ideen einer Herdenimmunität sind eindeutig durch diese Stichprobe widerlegt», so der Regierungschef.

Das Beispiel Singapur steht momentan aus Sicht der österreichischen Regierung für die heikle Gratwanderung zwischen Gesundheits- und Wirtschaftspolitik. Dank strikter Massnahmen sei das Virus zunächst erfolgreich eingedämmt worden, nach einer Lockerung der Verbote leide der asiatische Stadtstaat nun aber unter einer zweiten Welle.

Daher werde sehr genau analysiert, wie sich die Lage in Österreich entwickle. Ende April werde klarer sein, wie es im Sommer genau weitergeht, sagte Kurz. (adi/sda/dpa)

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