International
Dänemark

Dänemark: Keine Einigung mit USA bei Grönland-Krisengespräch

Dänemark: Keine Einigung mit USA bei Grönland-Krisengespräch

Am Mittwoch hat sich eine dänische Delegation mit US-Vizepräsident JD Vance getroffen, um über die Zukunft der grössten Insel der Welt zu diskutieren. Ein Überblick.
14.01.2026, 15:0414.01.2026, 22:48

Auch nach dem Krisengespräch zwischen den USA, Dänemark und Grönland gibt es keine Lösung im Konflikt um die Arktisinsel. Zwischen den Parteien bestehe weiterhin eine «fundamentale Meinungsverschiedenheit», sagte der dänische Aussenminister Lars Løkke Rasmussen nach dem Treffen mit US-Aussenminister Marco Rubio und US-Vizepräsident JD Vance, an dem auch die für die grönländische Aussenpolitik zuständige Ministerin Vivian Motzfeldt teilnahm.

Rasmussen: Keine Einigung mit USA

Der dänische Aussenminister Lars Løkke Rasmussen sagte, sie seien nach «einer Reihe, wie soll ich sagen, bemerkenswerter öffentlicher Äusserungen zur Sicherheit Grönlands und der Arktis» nach Washington gereist. «Unser Ziel war es, einen gemeinsamen Weg zu finden, diese Sicherheit zu erhöhen.»

Während einer Pressekonferenz sagte Rasmussen, man habe weiterhin unterschiedliche Meinungen zur Situation habe. Zwischen den Parteien bestehe eine «fundamentale Meinungsverschiedenheit».

Denmark's Foreign Minister Lars Løkke Rasmussen speaks at a news conference at the Embassy of Denmark, Wednesday, Jan. 14, 2026, in Washington. (AP Photo/John McDonnell)
Trump Denmark Greeland
Der dänische Aussenminister Lars Løkke Rasmussen am Mittwoch in Washington.Bild: keystone

Er fügte jedoch hinzu:

«Wir möchten mit den USA zusammenarbeiten, um mehr zu tun. Und wir sind bereit, mehr zu tun.»

Man habe sich darauf geeinigt, eine Arbeitsgruppe auf hoher Ebene zu bilden, um herauszufinden, ob man einen gemeinsamen Weg finden könne, der sowohl die amerikanischen Sicherheitsinteressen als auch die roten Linien des Königreichs Dänemark berücksichtige, sagte Rasmussen. Diese Arbeitsgruppe solle innerhalb von Wochen erstmals zusammenkommen.

Trump bekräftigte zuvor US-Anspruch auf Grönland

US-Präsident Donald Trump hatte schon vor dem gut einstündigen Gespräch in einem Gebäude der US-Regierung nahe dem Weissen Haus klargemacht, von seinem Gebietsanspruch keinen Millimeter abzuweichen. Alles andere als ein Grönland in der Hand der Vereinigten Staaten sei «inakzeptabel», schrieb Trump auf seinem Sprachrohr Truth Social.

President Donald Trump speaks with reporters at Joint Base Andrews, Tuesday, Jan. 13, 2026, in Joint Base Andrews, Md. (AP Photo/Evan Vucci)
Donald Trump
Trump lässt von seinem Anspruch auf Grönland nicht ab.Bild: keystone

Die Nato-Mitgliedschaft des zum Königreich Dänemark gehörenden Territoriums im Nordatlantik sei kein ausreichender Schutz für Grönland, so der US-Präsident weiter.

Er wischte damit einen Vorstoss der Europäer zur Verstärkung der Nato-Präsenz in der Arktis vom Tisch, mit dem unter anderem Deutschland versucht hatte, den Streit zu entschärfen.

«Die Vereinigten Staaten brauchen Grönland zum Zweck der nationalen Sicherheit», schrieb Trump. Es sei elementar für den Aufbau der geplanten Raketenabwehr Golden Dome. Die Nato solle daher den Weg für eine US-Übernahme der Insel bereiten, so Trump weiter. In Versalien schrieb er: «WENN WIR ES NICHT TUN, WERDEN ES RUSSLAND ODER CHINA MACHEN, UND DAS WIRD NICHT PASSIEREN!»

Die Regierungen von Dänemark und Grönland hatten deutlich gemacht, dass ein Verkauf oder eine Annexion des Territoriums durch die USA inakzeptabel ist. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnte vor einem Ende der Nato, sollte die US-Regierung ihre Ankündigungen wahr machen.

Dänemark erhöht Militärpräsenz in Grönland – mit Nato-Unterstützung

Dänemark erhöhte am Mittwoch mit Unterstützung von Schweden und Norwegen die Militärpräsenz auf Grönland. Dies geschehe im Zusammenhang mit militärischen Übungen sowohl mit Flugzeugen, Schiffen als auch Soldaten - und in enger Zusammenarbeit mit Nato-Verbündeten, darunter Deutschland, Frankreich, Schweden und Norwegen, hiess es in einer Mitteilung des Aussenministeriums und des grönländischen Ministeriums für Äusseres und Forschung.

Grund dafür sei, dass sich «die sicherheitspolitischen Spannungen bis in die Arktis» ausgedehnt haben, hiess es in der Mitteilung.

Der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen antwortete während einer Pressekonferenz auf die Frage, wie das Militär auf einen Angriff reagieren würde, dass dies eine «hypothetische» Situation sei. «Aber der Befehl ist, dass man das Königreich verteidigen muss, wenn man angegriffen wird», sagte er.

Schweden sendet Truppen nach Grönland

Laut dem schwedischen Premierminister Ulf Kristersson sind auf Wunsch Dänemarks schwedische Soldaten auf dem Weg nach Grönland. Sie seien Teil einer Gruppe aus mehreren verbündeten Ländern.

Erkundungsmission: Bundeswehr schickt Soldaten nach Grönland

Auch die deutsche Bundeswehr schickt am Donnerstag 13 Soldaten für eine Erkundungsmission mehrerer europäischer Staaten nach Grönland. Das geschehe auf Einladung Dänemarks, zu dem die Arktisinsel gehört, teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit.

EU-Parlament verurteilt US-Äusserungen zu Grönland

Das Europäische Parlament hat die Äusserungen der Regierung von US-Präsident Donald Trump über Grönland als «inakzeptabel» verurteilt. Die US-Erklärungen hätten keinen Platz in den Beziehungen zwischen demokratischen Partnern und würden unter anderem das Völkerrecht eklatant herausfordern, heisst es in einer Stellungnahme am Abend.

«Jeder Versuch, die Souveränität und die territoriale Integrität Dänemarks und Grönlands zu untergraben, verstösst gegen das Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen», teilte das EU-Parlament mit.

Weisses Haus postet Schlittenhunde am Scheideweg

Mit einem KI-generierten Bild von Schlittenhunden hat das Weisse Haus noch während des Spitzengesprächs zum Grönlandkonflikt die unnachgiebige Haltung von US-Präsident Donald Trump bekräftigt. «Welchen Weg?», wird auf der Plattform X zu dem Bild gefragt, die jeweils zwei von Hunden gezogene Grönlandschlitten zeigt - einer ist auf dem Weg Richtung Weisses Haus, einer Richtung China und Russland. Über dem Weissen Haus scheint die Sonne, über dem Kreml und der Chinesischen Mauer wütet ein Gewitter.

Grönland gehört zum dänischen Königreich, ist aber weitgehend autonom. Die Regierungen von Dänemark und Grönland haben deutlich gemacht, dass ein Verkauf oder eine Annexion des Territoriums durch die USA inakzeptabel sind. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnte vor einem Ende der Nato, sollte die US-Regierung ihre Ankündigungen wahr machen. (hkl, mit Material der sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
224 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
dudluu
14.01.2026 15:30registriert November 2015
Ich benutze seit ein paar tagen den kühlschrank meines nachbarn. Habe ihn nicht gefragt, gehe einfach rein und hole/lege mein zeugs da rein. Er muss die wohnungstür offen lassen, sonst wende ich gewalt an. Seine meinung dazu interessiert mich nicht. Es dient meinen persönlichen interessen.
4213
Melden
Zum Kommentar
avatar
Reinhard51
14.01.2026 15:36registriert November 2025
Trump ist inakzeptabel!
3122
Melden
Zum Kommentar
avatar
Schlaf
14.01.2026 15:30registriert Oktober 2019
Der Mann muss im hohen Alter noch lernen, dass man nicht immer bekommt, was man will.

Der ist nie erwachsen geworden, in keiner Hinsicht.
Er ist der Raufbold vom Pausenplatz geblieben.
2412
Melden
Zum Kommentar
224
Internet in Uganda vor Präsidentenwahl abgeschaltet
Vor der Parlaments- und Präsidentenwahl an diesem Donnerstag sind in Uganda das Internet und der Zugang zu verschiedenen sozialen Medien abgeschaltet worden. In dem ostafrikanischen Land sind seit Dienstagabend auch Messengerdienste nicht mehr nutzbar.
Zur Story