Das war Buckelwal Timmys langer Weg in die Freiheit
Seit rund zwei Monaten macht Buckelwal Timmy Schlagzeilen im deutschsprachigen Raum. Anfang März das erste Mal im Wismarer Hafen gesichtet, richtete die Öffentlichkeit spätestens mit seiner Strandung am Timmensdorfer Strand bei der Insel Poel ihre Aufmerksamkeit auf den Meeressäuger.
Es wurde beraten, gehirnt, gemutmasst, vorausgesagt, gar prophezeit, wie es mit «Timmy» weitergehen sollte. Schliesslich fasste ein Kommittee von Privaten die Entscheidung, das Tier auf eigene Faust zu retten, nachdem sich die Politik dagegen ausgesprochen hatte.
28. April: Timmy wird verladen
Am Morgen des 28. April wird Buckelwal Timmy in stundenlanger Arbeit in eine eigens dafür gebaggerte Rinne bugsiert – von Hand. Von dort aus ziehen Mitarbeiter des Rettungsteams ihn mit Gurten zu der Barge, die ihn transportieren soll. An ihm wird zudem ein Peilsender angebracht, der seine Position, wenn er dann einst frei gelassen wird, übertragen soll.
Kurz vor 15 Uhr ist es dann geschafft: Der Buckelwal ist im abgesenkten Kahn. Ein Netz wird angebracht, damit er nicht wieder hinausschwimmt. Daraufhin stossen kleine Boote die Barge aus der Kirchsee bis in die Wismarbucht, wo der Schlepper Robin Hood sie an den Haken nimmt.
29. April: Schlepper wird gewechselt
Am Mittwoch schlängelt sich Timmys Transportzug zwischen der Norddeutschen Insel Fehmarn und deren dänischem Pendant Lolland hindurch. Mittlerweile ist die Robin Hood von der begleitenden Fortuna B als Schlepper abgelöst worden. Der Grund: Letztere ist hochseetauglich.
30. April: Langsam geht's weiter.
In den frühen Morgenstunden des letzten Apriltags passiert Timmys Konvoi die dänische Insel Sejero. Für einmal bleiben dramatische Ereignisse aus.
1. Mai: Hoher Wellengang verunmöglicht Weiterfahrt
Am frühen ersten Mai scheint noch alles im Lot zu sein: Timmy und seine Begleiter tuckern gemächlich, aber beharrlich weiter in Richtung Nordsee. Doch dann, etwa um 10 Uhr kommt die Hiobsbotschaft: Der Konvoi kann wegen des hohen Wellengangs nicht weiter fahren.
Für einige Stunden dreht die Entourage etwa auf der Höhe des dänischen Frederikshaven. Entgegen dem ursprünglichen Plan kommt nun die Idee auf, den Wal hier und jetzt frei zu lassen, statt in der Nordsee. Das Netz, welches Timmy vom wegschwimmen hindert, wird entfernt.
Und doch kommt es anders: Am Nachmittag nimmt der Waltransport wieder Kurs gen Norden. Und tatsächlich, kurz vor Sonnenuntergang erreicht Timmy die Nordsee.
2. Mai: Freiheit!
In den frühen Morgenstunden fährt der Konvoi weiter nördlich des nördlichsten Punkts Dänemarks. Und schliesslich erreicht die lang ersehnte Nachricht die Welt: Gegen 9 Uhr verlässt Buckelwal Timmy etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt seine Barge. Wie genau, ist bislang noch nicht bekannt.
Ebenfalls wissen wir noch nicht, wo Timmy nun hin ist. Der Peilsender, der an ihm angebracht worden ist, sendet (noch) keine zuverlässigen Daten.
(cpf)
