International
Deutschland

Die deutschen Waffen kommen (noch) nicht – Enttäuschung in der Ukraine

Die deutschen Waffen kommen (noch) nicht – Enttäuschung in der Ukraine

Schützenpanzer, Flugabwehrsysteme und Raketenartillerie hat die deutsche Regierung der Ukraine zuletzt versprochen, doch die werden so bald nicht kommen. In der Ukraine wächst die Enttäuschung.
09.06.2022, 20:4509.06.2022, 20:45
epa09937880 A German soldier walks during presentation of how it works at the launching station of NATO's Patriot missile air defense system operated by German army unit Flugabwehrraketengruppe 2 ...
Warten auf die Flugabwehrraketengruppe 26 und Co. gehen weiterBild: keystone
Ein Artikel von
t-online

Es wirkte wie ein Befreiungsschlag, als der deutsche Kanzler Scholz nach wochenlangem Druck die Lieferung weiterer schwerer Waffen an die Ukraine versprach. Mehrfachraketenwerfer vom Typ Mars II und das Luftabwehrsystem Iris-T wolle Deutschland liefern, kündigte Scholz vorige Woche im Bundestag an. Doch dabei gibt es offenbar massive Probleme, berichtet «Business Insider».

Demnach dürfte das Luftabwehrsystem Iris-T frühestens im November oder im Dezember in der Ukraine ankommen. Das moderne, in Deutschland entwickelte System kann auf einem Lkw montiert werden und Flugzeuge in bis zu 25 Kilometer Höhe abschiessen. Mit Iris-T könne die Ukraine «eine ganze Grossstadt vor russischen Luftangriffen schützen», so Kanzler Scholz im Bundestag. Das Problem: Die versprochene Iris-T-Einheit sollte ursprünglich an Ägypten geliefert werden, die ägyptische Regierung wurde laut «Business Insider» aber gar nicht einbezogen. 

Raketenwerfer wohl nicht vor September

Verzögerungen gibt es dem Bericht zufolge auch bei den Raketenwerfern vom Typ Mars II. Diese basieren auf dem US-Fabrikat M270 und könnten Munition aus britischer und US-Produktion mehr als 70 Kilometer weit feuern – zumindest mit der richtigen Software. Diese muss bei den Mars II nun offenbar umprogrammiert werden, die Fahrzeuge dürften daher nicht wie geplant bis Ende Juni eintreffen, sondern erst im September oder Oktober. Vier Mars II soll die Bundeswehr abgeben, doch nicht einmal die Hälfte der 40 deutschen Exemplare sei einsatzbereit, so «Business Insider» unter Berufung auf Militärs. 

Weitere Probleme gibt es demnach bei einem von Scholz angekündigten Ringtausch. Dabei wolle die Bundesregierung Griechenland knapp 50 Schützenpanzer vom Typ Marder liefern, dann könne Griechenland seine gepanzerten Truppentransporter aus Sowjetbeständen an die Ukraine liefern. Laut «Business Insider» wurde die Regierung in Athen aber überrascht von dem Vorschlag und befürchtet, dass ein Austausch des Sowjetmaterials mit Nato-Fahrzeugen den Rivalen Türkei provozieren könnte. Nur wenn alle Marder auf einmal geliefert würden, könnte sich Athen auf den Deal einlassen – das wäre aber frühestens im Herbst soweit. 

«Wir brauchen dringend schwere Waffen»

Vertreter der Ukraine zeigten sich enttäuscht über diese Berichte. «Wir sind dankbar für die Unterstützung Deutschlands», so der ukrainische Minister für regionale Entwicklung, Oleksij Tschernyschow, bei einem Besuch in Berlin. «Aber in dieser Situation des Krieges kann man nur in Fakten sprechen. Und die Fakten sprechen für sich. Wir brauchen dringend schwere Waffen und wir erwarten, dass diese Waffen so schnell wie möglich geliefert werden.»

Mit Sarkasmus reagierte Regierungsberater Anton Heraschtschenko schon zwei Tage zuvor auf die Aussage von Olaf Scholz, wonach keine Regierung so viele Waffen an die Ukraine liefere wie Deutschland. «Wir sind Deutschland dankbar für die umfangreichen und schnellen Waffenlieferungen!», schrieb Heraschtschenko auf Twitter – und postete dazu eine Statistik, die Deutschland nur auf Platz vier der Waffenlieferanten sieht:

Im Zeitplan scheint die Bundesregierung dagegen bei der Lieferung des Flugabwehrsystems Gepard und der Panzerhaubitze 2000. Mitte Juli sollen die ersten 15 Gepard geliefert werden, 15 weitere bis Ende August. Bislang kann die Bundesregierung aber nur 59'000 Schuss Munition für den Gepard mitgeben, weil sich das Herstellerland Schweiz bei der Weitergabe der Munition querstellt. Die sieben Panzerhaubitzen sollen laut «Business Insider» Ende Juni lieferfertig sein, gemeinsam mit fünf weiteren niederländischen Exemplaren.

((t-online,mk ))

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
23 Bilder, die Russlands Militärparade auf den Punkt bringen
1 / 25
23 Bilder, die Russlands Militärparade auf den Punkt bringen
Russland begeht am 9. Mai mit dem «Tag des Sieges» über Nazi-Deutschland seinen wichtigsten Feiertag.
quelle: imago-images
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Russische Demonstrantin wird von Passantin als «Hure» beschimpft – Video geht viral
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Lebenslange Haft nach Bleivergiftungen in chinesischem Kindergarten
Nach der Vergiftung von mehr als 200 Kindern mit bleihaltigem Essen ist die Betreiberin eines chinesischen Kindergartens zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, sprach ein Gericht in der Stadt Lanzhou die Frau wegen der Herstellung und des Verkaufs giftiger und gesundheitsschädlicher Lebensmittel schuldig. Fünf weitere Beschäftigte erhielten Haftstrafen zwischen sechs und 15 Jahren.
Zur Story