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Angela Merkel

Klare Worte: Angela Merkel Bild: keystone/epa

Merkel gibt Pressekonferenz – und wird bei der letzten Frage zu Trump richtig deutlich



Deutschland und die USA sind enge Verbündete, trotzdem trennt Donald Trump und Angela Merkel mehr, als sie verbindet – auch sprachlich.

Sie eine Frau der bedachten und häufig zurückhaltenden Worte, er der König der Pöbeleien und Beleidigungen. In ihrer Sommer-Pressekonferenz widersprach die Bundeskanzlerin nun deutlich den jüngsten rassistischen Äusserungen des US-Präsidenten. «Das ist etwas, was die Stärke Amerikas konterkariert», sagte Merkel am Freitag zunächst auf eine Frage eines Journalisten.

Und dann am Ende der Pressekonferenz, als Merkel nochmal danach gefragt wurde: «Ich distanziere mich davon entschieden». Sie solidarisiere sich mit den von Trump attackierten demokratischen Abgeordneten.

5 weitere wichtige Punkte von der Sommer-Pressekonferenz der Bundeskanzlerin:

«Ich hoffe auf ein gesundes Leben»

Nachdem in den vergangenen Wochen immer wieder über ihre Gesundheit spekuliert wurde, betonte Merkel erneut, dass es ihr gut gehe, und dass sie ihr Amt als Regierungschefin trotz der wiederholten Zitteranfälle ausüben könne. Sie habe jedoch Verständnis für die vielen Fragen.

«Als Mensch habe ich auch persönlich ein hohes Interesse an meiner Gesundheit», betonte Merkel. 2021 werde sie aus der Politik aussteigen. «Aber dann hoffe ich, dass es noch ein weiteres Leben gibt. Und das würde ich dann auch gerne gesund weiterführen.» In den vergangenen Wochen hatte Merkel bei mehreren öffentlichen Auftritten heftige Zitteranfälle erlitten – und deshalb zuletzt mehrere Auftritte im Sitzen absolviert

Schützenhilfe für AKK

Merkel verteidigte Annegret Kramp-Karrenbauer gegen Kritik, weil diese das Amt der Verteidigungsministerin entgegen früheren Ankündigungen übernahm. Den Vorwurf eines Wortbruchs liess die Kanzlerin nicht gelten. Kramp-Karrenbauer hatte lange erklärt, sie wolle sich auf den CDU-Vorsitz konzentrieren.

Es gebe in der Politik immer wieder Entwicklungen, die neue Entscheidungen nötig machten, sagte Merkel. «Ich freue mich jedenfalls, dass Annegret Kramp-Karrenbauer sich jetzt entschieden hat, Verteidigungsministerin zu sein.»

Merkel äusserte sich überzeugt, dass das Amt der CDU-Vorsitzenden mit dem Amt der Verteidigungsministerin zu vereinbaren sei. «Wo immer sie arbeitet, arbeitet sie gerade mit 100 Prozent. Aber für jeden Menschen hat der Tag auch nur 24 Stunden», sagte sie auf die Frage, wie Kramp-Karrenbauer den versprochenen vollen Einsatz für beide Positionen leisten könne.

Apropos AKK und hohe Ämter: Auch als mögliche Nachfolgerin im Bundeskanzleramt sieht Merkel Kramp-Karrenbauer gut aufgestellt, wie sie betonte. Sie nehme auf ihre Nachfolge zwar keinen Einfluss, sagte Merkel am Freitag bei ihrer traditionellen Sommerpressekonferenz in Berlin. Das müsse die Partei entscheiden. «Aber Annegret Kramp-Karrenbauer ist Parteivorsitzende und ist damit natürlich in einer wichtigen und auch entscheidenden Position. Das ist ja gar keine Frage.»

Optimismus für die GroKo

Für den Fortbestand der aktuellen schwarz-roten Regierungskoalition ist Merkel guter Dinge. Sie rechne damit, dass die Koalition trotz des Umbruchs in der SPD weiter hält. Mit den drei Interims-Parteivorsitzenden der Sozialdemokraten und Vizekanzler Olaf Scholz arbeite die Union «sehr, sehr verlässlich zusammen», sagte die Kanzlerin. «Das gibt mir auch den Optimismus, dass man die Regierungsarbeit sehr wohl weiterführen kann.» Die SPD will im Dezember eine Halbzeitbilanz ziehen und entscheiden, ob sie in der grossen Koalition bleibt.

Ein arbeitsreicher Herbst

Die vergangenen Wochen hätten die Handlungsfähigkeit der grossen Koalition gezeigt, betonte Merkel. «Es liegen noch viele Aufgaben vor uns. Deshalb wird der Herbst auch sehr arbeitsreich sein.»

Für den Frühherbst kündigte sie einen Gesetzentwurf zum Abbau des Solidaritätszuschlags für 90 Prozent der Zahler an. Mit den Ländern werde man im Herbst ausserdem über das Thema gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland diskutieren. Merkel erwähnte zudem das Streitthema Grundrente und stellte weitere Massnahmen beim Thema Wohnraum in Aussicht.

Worte an die klima-streikenden Schüler

Auch für die Fridays-For-Future-Bewegung hat die Kanzlerin deutliche Worte gefunden. Eigentlich hatte ein Reporter sie gerade nach dem Zusammenhalt in Deutschland gefragt. Im Verlauf ihrer Ausführungen präsentierte Merkel dann aber ein Beispiel, das sich durchaus als direkte Aufforderung an die jungen Aktivistinnen und Aktivisten der Klimabewegung lesen lässt:

Sie habe vor kurzem junge Leute im Berliner Naturkundemuseum getroffen, erzählt Merkel, und die hätten sie nach geplanten Allianzen für das Klima in Europa gefragt. «Da habe ich gesagt: Schliesst doch einfach mal eine von Berlin nach Vorpommern», sagte Merkel. «Dort stehen die Windräder. Dort sind die Leute sauer, dass sie klappern und krach machen, und dass sie keine Abstandsregelung bekommen. Und ihr wollt alle Ökostrom.» Vielleicht, so fordert die Kanzlerin deshalb, sollte hier das Gespräch gesucht werden.

Zeitgleich zu Merkels Pressekonferenz fand in Berlin eine weitere Klimakundgebung der Bewegung Fridays for Future statt, an der auch wieder die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg teilnahm. «Sie haben uns sicherlich zur Beschleunigung getrieben», räumte Merkel ein. Die Schüler hätten die Politik dazu gebracht, entschlossener an die Sache heranzugehen.

(fh/mbi/dpa/afp)

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32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 20.07.2019 08:42
    Highlight Highlight Merkel wurde schon oft als "Frau Wackelpudding" karikiert.
    Gleichzeitig ist sie aber eine "Frau des Machbaren".
    Was willst Du mit einer Gesellschaft erreichen, in der so viele Widersprüche von Meinungen, Bedürfnissen und Interessen bestehen?
    In einer "Demokratie für Anfänger" würde die Mehrheit einfach mit dem Bulldozer über die Minderheiten hinweg walzen, bis es diese gar nicht mehr gibt.
    In einer "Demokratie für Fortgeschrittene" aber werden Lösungen gesucht und gefunden, mit denen ALLE einigermassen gut weiterleben können.
    Und das Wichtigste: Merkel hat nebst Köpfchen auch VIEL HERZ!
  • Winzig 19.07.2019 21:34
    Highlight Highlight *roboterstimme* „beep, bop als mensch habe auch ich ein hohes interesse an meiner gesundheit! beep, bop“
  • Toni.Stark 19.07.2019 20:13
    Highlight Highlight Was bitte hat dies mit Rassismus zu tun?
    • rodolofo 20.07.2019 08:44
      Highlight Highlight Wer hier fragen muss, ist ein Rassist.
    • Toni.Stark 20.07.2019 11:05
      Highlight Highlight Klär mich auf. Meine Frau ist Ausländerin. Wie kann ich Rassist sein? Würde sie die ganze Zeit über die Schweiz motzen, würde ich irgendwann auch sagen, warum sie es denn in ihren Land nicht viel schöner hätte?!
  • DieWaage 19.07.2019 18:56
    Highlight Highlight 25 jährige Deutsche kennen seit sie dass erste mal Nachrichten gesehen haben nur Merkel als Kanzlerin, stellt euch das vor🙃
    • Biotop 19.07.2019 20:23
      Highlight Highlight 73-jährige Briten kennen seit ihrem ersten Schultag nur Queen Elisabeth als Königin, stellt euch das Mal vor.
    • Pisti 19.07.2019 20:40
      Highlight Highlight In anderen Ländern würde man von Diktatur sprechen.
  • m. benedetti 19.07.2019 18:53
    Highlight Highlight Die Göttliche hat doch auf der Weltenbühne gar nichts zu melden. Die ehemalige stellvertretende Sekretärin der DDR Jugendorganisation FDJ hat ihren Zenit längst überschritten und steuert gerade DE in eine Sackgasse.
  • giandalf the grey 19.07.2019 16:14
    Highlight Highlight Liebe Angela. Ich weiss nicht ob du's gemerkt hast, aber die streikenden Schüler haben nicht nur eine Allianz von Berlin nach Vorpommern sondern eine von Sidney über Stockholm nach Berlin und Madrid bis nach Washington. Die europäische Allianz hat diesen Sommer zu tausenden aus 16 Ländern Aachen gestürmt. Nächsten Monat kommen Jugendliche aus 30 Ländern nach Lausanne um ihre internationale Strategie zu besprechen. Es ist jetzt dein Job die Alten davon zu überzeugen das klappernde Windräder besser sind als der Weltuntergang und sie ähnlich gut zu organisieren wie sich ihre Kinder organisierten.
  • El Pepedente 19.07.2019 15:39
    Highlight Highlight windel und politker muss man aus dem selben grund regelmässig wechslen^^ ich verstehe merkel aber sie ist mir langsam viel zu lange im amt
    • rönsger 19.07.2019 18:53
      Highlight Highlight .... und Politiker*innen mit vollen Windeln zu vergleichen, mag zwar in einzelnen (wohlbekannten) Fällen zutreffend sein; aufs Ganze gesehen entspricht dein Kommentar aber ziemlich genau dem Inhalt einen WIndel.
  • walsi 19.07.2019 14:52
    Highlight Highlight Ich finde es super, dass sich die Kanzlerin zu innenpolitischen Themen der USA äussert. Wir lieben es ja auch wenn uns irgend ein ausländischer Politiker sagt was wir zu tun und zu lassen haben.
    • nilson80 19.07.2019 15:25
      Highlight Highlight Sie ist gefragt worden, da darf sie durchaus antworten. Zumal man ihr nun wirklich nicht vorwerfen kann sich verbal in der Vergangenheit gross irgendwo im Ausland eingemischt zu haben. Da gibt es ganz andere Beispiele
    • Oigen 19.07.2019 15:50
      Highlight Highlight Pressekonferenz mit Walsi:

      Journalist: was denken sie über...?

      Walsi : Kein Kommentar

      Journalist: Die situation in...

      Walsi: Kein kommentar.

      Pressesprecher: Medienkonferenz beendet

    • Sir_Nik 19.07.2019 15:52
      Highlight Highlight Also so wie es die USA ständig bei allen macht?
    Weitere Antworten anzeigen
  • dechloisu 19.07.2019 14:47
    Highlight Highlight Ich bin zwar definitiv nicht auf einer Linie mit Ihrer Politik, trotzdem halte ich sehr viel von ihr.

    Ich schätze sie als aufrichtig und korrekt ein welche ihr Profil beibehält

    dies hat natürlich zur Folge dass sie keine grosse Veränderin ist, aber stets stabil politisiert.

    Und wie bereits oben beschrieben stimme ich ihr nicht gerade bei allem zu.
    • Erba 19.07.2019 17:20
      Highlight Highlight Geht mir ähnlich. Frau Merkel hat aber Konstanz und auch eine klare Haltung gezeigt, was ich ihr hoch anrechne. Das Statement zu Trump ist mutig und ehrlich.
      All jene die sie am liebsten zum Teufel schicken würden werden in Zukunft eine starke Persönlichkeit vermissen.
  • rock-n-roll 19.07.2019 14:32
    Highlight Highlight Man kann sagen was man will, aber ich hab den Verdacht, dass Viele die jetzt für einen Abgang von Angela Merkel ausrufen, ihren Wunsch, sobald er dann eingetroffen sein wird, noch bereuen werden!
    • Miikee 19.07.2019 17:27
      Highlight Highlight Ja, weil die neue AKK sein wird. Was auch nichts verbessert.
    • Sharkdiver 19.07.2019 23:05
      Highlight Highlight Wie bei Obama
  • Abu Nid As Saasi 19.07.2019 14:32
    Highlight Highlight Solidarisch "mit den DREI attackierten...". Und was ist mit der Vierten?
  • Triple A 19.07.2019 14:31
    Highlight Highlight Dies gilt auch für Merkels Karriere: Das beste kommt zum Schluss.
  • DocShi 19.07.2019 13:45
    Highlight Highlight Zitat:
    Für den Frühherbst kündigte sie einen Gesetzentwurf zum Abbau des Solidaritätszuschlags für 90 Prozent der Zahler an.

    Drum merke Werter Bürger, sag niemals ja zu angeblich vorübergehenden höheren Steuern, denn bis die wieder (und ob überhaupt) abgebaut werden geht es ewig und braucht sogar eine Gesetzesvorlage!
    • Hierundjetzt 19.07.2019 13:57
      Highlight Highlight So etwa wie unsere direkte Bundessteuer die im 1. Weltkrieg noch Wehrsteuer hiess und nur bis Kriegsende erhoben werden sollte...
    • DerTaran 19.07.2019 14:00
      Highlight Highlight Ausser, sie sind von vornherein zeitlich begrenzt.

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