1 Jahr im Amt: watson-Umfrage zeigt, was die Schweizer Bevölkerung über Trump denkt
Vor genau einem Jahr hat Donald Trump zum zweiten Mal sein Amt im Weissen Haus angetreten. In den folgenden 365 Tagen traf der US-Präsident eine Reihe kontroverser Entscheidungen, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Auch die Schweiz blieb von diesem Sturm nicht verschont und wurde im August mit extrem hohen Zöllen belegt – bevor der Republikaner beschloss, teilweise zurückzurudern.
Wir wollten wissen, wie die Schweizer Bevölkerung dieses ereignisreiche Jahr erlebt hat und wie sie die Politik des US-Präsidenten bewertet. Die Ergebnisse unserer repräsentativen Umfrage, die wir im Januar zusammen mit dem Institut Demoscope durchgeführt haben, sind eindeutig: Die grosse Mehrheit der Schweizer lehnt die Politik von Donald Trump ab und ist besorgt über deren Folgen. Schauen wir uns das genauer an.
Die Meinungen sind gemacht
Als Erstes fällt auf, dass die Meinungen sehr eindeutig sind. Die Optionen «weiss nicht» oder «keine Antwort» erreichen selten mehr als 1 Prozent. Mit anderen Worten: Die Schweizer Bevölkerung hat eine klare Meinung zu Trump – und die ist negativ.
Ein Blick auf die Antwort auf die erste Frage genügt, um dies zu erkennen: 75 Prozent der Teilnehmenden gaben an, dass sich ihre Meinung über Donald Trump seit seiner Rückkehr ins Weisse Haus verschlechtert hat. Ein Fünftel der Befragten haben ihre Meinung nicht geändert, während nur 5 Prozent angeben, dass sie heute besser vom Präsidenten denken als vor einem Jahr.
Es überrascht daher nicht, dass fast 80 Prozent der Menschen in der Schweiz die Beziehungen zwischen der Schweiz und den Vereinigten Staaten als «schlecht» bezeichnen. Mehr als ein Viertel der Befragten halten die Beziehungen sogar für «sehr schlecht».
Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass die Meinungen je nach Bevölkerungsgruppe leicht voneinander abweichen. So stehen beispielsweise die Westschweizerinnen und Westschweizer dem US-Präsidenten oft kritischer gegenüber als die Deutschschweizer Bevölkerung. Und die Frauen blicken leicht kritischer auf Trump als die Männer.
So sind 83 Prozent der Westschweizerinnen und Westschweizer und 77 Prozent der Frauen der Ansicht, dass sich ihre Meinung über Trump verschlechtert hat, gegenüber 73 Prozent der Deutschschweizer Bevölkerung und 73 Prozent der Männer – ein Trend, der sich fast überall beobachten lässt.
Die Wählerschaft der SVP weicht ab
Der einzige Faktor, der die Antworten stark beeinflusst, ist die Parteizugehörigkeit. Insbesondere Personen, die bei den letzten eidgenössischen Wahlen die SVP gewählt haben, haben sich in der Umfrage oft weniger negativ geäussert als Anhänger anderer Parteien.
So geben beispielsweise 13 Prozent der befragten SVP-Wählerschaft an, dass sich ihre Meinung zu Trump im letzten Jahr verbessert hat. Über die gesamte Umfrage hinweg teilen diesen Sinneswandel nur gerade 5 Prozent.
Die Sympathisanten der SVP sehen auch die Zölle, die Trump der Schweiz im August letzten Jahres auferlegt hat, weniger negativ: 11 Prozent von ihnen bezeichnen diesen Schritt als positiv, 16 Prozent als neutral und 71 Prozent als negativ – Prozentsätze, die im Gegensatz zu denen der anderen Parteien und der Gesamtbevölkerung stehen.
Tatsächlich äussern sich nur 5 Prozent der Befragten positiv zu dieser Frage, 8 Prozent sind indifferent und 86 Prozent lehnen die amerikanischen Zölle auf Schweizer Produkte ab.
Welche Auswirkungen spürt die Schweizer Bevölkerung?
Obwohl die meisten Menschen in der Schweiz die von Trump beschlossenen Zölle negativ werten, sind die meisten von ihnen nicht direkt davon betroffen – dies bestätigen fast 70 Prozent der Befragten.
Etwas weniger als 13 Prozent der Befragten sind dennoch besorgt über ihre berufliche Situation, und 10 Prozent sind der Meinung, dass ihre Kaufkraft darunter gelitten hat. Diejenigen, die in ihrer beruflichen Tätigkeit betroffen sind, machen 6 Prozent aller Befragten aus, und 1 Prozent der Befragten gab an, aufgrund der Zölle ihren Arbeitsplatz verloren zu haben.
Interessanterweise variieren diese Antworten zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen nur sehr wenig – es scheint also, dass die Wahrnehmung der direkten Auswirkungen, die Trump auf die Menschen hatte, innerhalb der Gesellschaft gleichmässig verteilt ist. Die einzige Ausnahme bilden Personen mit dem niedrigsten Bildungsniveau. 7 Prozent von ihnen gaben an, sich Sorgen um ihre berufliche Situation zu machen, und 11 Prozent gaben an, ihren Arbeitsplatz verloren zu haben.
Obwohl die meisten Befragten angeben, nicht direkt betroffen zu sein, sind 77 Prozent der Meinung, dass Trumps Zölle den Schweizer Arbeitsmarkt geschwächt haben. In der Romandie steigt dieser Prozentsatz auf 86 Prozent.
Die Besorgnis nimmt zu
Die Zukunft ist ungewiss. Die meisten Befragten sind der Meinung, dass die Schweiz vor neuen Zöllen nicht gefeit ist. Fast 90 Prozent der Befragten befürchten, dass unser Land in Zukunft ähnlichen Massnahmen ausgesetzt sein könnte. Nur 3 Prozent schliessen dieses Szenario aus.
Fast 85 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Besorgnis im Laufe des letzten Jahres zugenommen hat – 64 Prozent der Befragten sprechen sogar von einer starken Zunahme. Bei Frauen und Personen über 55 Jahren steigt dieser Prozentsatz auf 70 Prozent, die offenbar in dieser Hinsicht besonders betroffen sind.
Kritik an Schweizer Behörden und Medien
Die Schweizer Bevölkerung steht der Trump-Regierung kritisch gegenüber, aber auch die Schweizer Politik kommt nicht ungeschoren davon. Nur 5 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass unsere Regierung ihre derzeitige Haltung beibehalten sollte – eine Ablehnung, die sich in allen Bevölkerungsschichten, unabhängig von Geschlecht, Einkommen oder Parteizugehörigkeit, widerspiegelt.
Eine bedeutende Minderheit von 22 Prozent meint, dass die Schweizer Politik eine flexiblere Strategie verfolgen sollte. Mit knapp 70 Prozent fordert die Mehrheit der Befragten hingegen eine entschlossenere Haltung gegenüber Trump. Nur die Anhänger der FDP und der SVP zeigen sich etwas zurückhaltender (55 Prozent bzw. 53 Prozent).
Im Laufe des letzten Jahres dominierten die Entscheidungen der Trump-Administration die weltweiten Nachrichten und sorgten fast täglich für Schlagzeilen. Die Schweiz bildete dabei keine Ausnahme, was ein Grossteil der Befragten kritisch sieht. Ihre Antworten lassen eine gewisse Nachrichtenmüdigkeit erkennen.
Mehr als 65 Prozent der Befragten finden, dass die Schweizer Medien zu viel über Donald Trump berichtet haben. Ein Viertel der Bevölkerung hält die Berichterstattung für angemessen, während nur 6 Prozent der Befragten angaben, dass die Presse nicht ausreichend über das Thema berichtet habe.
Methodik
Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit Demoscope vom 9. bis 16. Januar in deutscher und französischer Sprache durchgeführt. Nach erfolgter Datenbereinigung lagen 6371 auswertbare Interviews vor. Diese wurden mittels Propensity-Score-Gewichtung an eine unverzerrte Grundgesamtheit angepasst, um dem Selbstselektionsbias entgegenzuwirken und aussagekräftigere Resultate zu erzielen. Zusätzlich wurde eine Gewichtung der Ergebnisse anhand der Wahlbeteiligung vom Oktober 2023 vorgenommen. Unter der Annahme einer Zufallsstichprobe beträgt der maximale Fehlerbereich für Prozentangaben +/– 1,2 Prozent. Die Umfrage wurde online auf watson.ch durchgeführt.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
