Die Lebenshaltungskosten der breiten Bevölkerung stehen in keinem gesunden Verhältnis mehr zu deren Einkünften. Jahrzehnte des Neoliberalismus haben die Mittelschicht zur Unterschicht werden lassen. Oder anders gesagt: Mieten steigen, Versicherungskosten steigen, Preise steigen, Löhne nicht. Die Menschen gehen deshalb nicht auf die Strasse – weil Armut und finanzielle Not mit Scham behaftet sind.
Der «Tatort» Köln greift mit der Folge «Restschuld» gekonnt – und nicht zum ersten Mal – das Thema einer gesellschaftlichen Schieflage auf, die generell wenig beachtet wird, obwohl sie immer mehr Bürger betrifft.
Ein Inkasso-Manager, sprich Schuldeneintreiber, und «fünf Mal in Folge Mitarbeiter des Jahres», ist verschwunden, nach einem Überfall fehlt von ihm jede Spur. Ins Blickfeld der Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk geraten natürlich sofort seine Schuldner.
Und mit diesen ihre Geschichten. Eine Steuerfachangestellte, der die Lohnpfändung droht, weil sie einst für ihren heutigen Ex bürgte. Ein Masseur, dem der Strom abgestellt wurde. Ein Ehepaar, von Krankheit getroffen, dessen Haus zwangsversteigert werden soll.
Beeindruckend ist hier nicht nur das Drehbuch von Karlotta Ehrenberg, das weder Empathie noch Deutlichkeit scheut. Beeindruckend ist auch die schauspielerische Leistung der Protagonisten, die den Ton von Verzweiflung und Scham punktgenau treffen. «Meine Frau und ich arbeiten wie bekloppt. Aber es reicht einfach nicht. Miete erhöht, fette Heizkostenrechnung, es reicht einfach nicht.» (aargauerzeitung.ch)