Schweiz
EU

SVP boykottiert Brüssel-Reise – an US-Trip nehmen ihre Vertreter teil

SVP boykottiert Brüssel-Reise – an US-Trip nehmen ihre Vertreter teil

Nächste Woche reist eine Gruppe von Aussenpolitikerinnen und Aussenpolitikern nach Brüssel. Nicht dabei: die Vertreterinnen und Vertreter der SVP – mit einer prominenten Ausnahme.
08.11.2025, 15:3608.11.2025, 15:36
Uneins über EU-Reise: Franz Grüter (links) und Laurent Wehrli.
Uneins über EU-Reise: Franz Grüter (links) und Laurent Wehrli.Bild: keystone/montage ch media

«Das Letzte, was es jetzt braucht, ist ein Schulreiseli nach Brüssel», sagt Franz Grüter. Die neuen Verträge mit der EU lägen auf dem Tisch: «Jetzt müssen wir innenpolitisch diskutieren, was das heisst», findet der Luzerner SVP-Nationalrat. Statt die EU zu besuchen, würden die Mitglieder der Aussenpolitischen Kommission (APK) «besser die Verträge lesen.»

Grüter ärgert sich über eine zweitägige Reise der APK von nächster Woche nach Brüssel. Angemeldet sind 13 Parlamentarierinnen und Parlamentarier aller Parteien – mit einer grossen Ausnahme: «Die SVP-Delegation in der APK hat sich nicht angemeldet für diese Reise», sagt Grüter. Ein SVP-Vertreter reist trotzdem mit: Pierre-André Page. Das sei damit zu erklären, dass Page nächstes Jahr Nationalratspräsident sein wird und in dieser Rolle gewissermassen über der Parteipolitik stehe.

Grüter begründet den Reiseboykott auch mit der Erfahrung einer früheren Reise. Bereits im November 2021 reiste die APK nach Brüssel. «Wir wurden damals von den EU-Vertretern sehr arrogant behandelt», erinnert sich Grüter. Die Botschaft der EU-Repräsentanten sei gewesen, dass die Schweiz EU-Recht übernehmen und weitere Zahlungen leisten müsse. «Diese Situation haben wir immer noch», sagt Grüter.

Die Mehrheit der APK schätzt die Notwendigkeit der Reise anders ein. Die Kommission habe die Reise «demokratisch mit 14 zu 9 Stimmen bei 2 Enthaltungen gefasst», sagt Kommissionspräsident Laurent Wehrli (FDP/VD). Er freue sich, dass Pierre-André Page den demokratischen Entscheid der Kommission respektiere.

Ziel des Arbeitsbesuchs sei es unter anderem, «einen Informationsbericht über die Beziehungen zwischen den Parlamenten der anderen EFTA-Länder und dem Europäischen Parlament zu erstellen». Zudem wolle die APK-Delegation mit ihren Kolleginnen und Kollegen des EU-Parlaments über den Entscheidungsprozess der EU diskutieren.

Das ist relevant wegen der dynamischen Rechtsübernahme, die allenfalls mit den neuen EU-Verträgen auf den Bund zukommt. In der Schweiz läuft die Debatte darüber gerade an, wie National- und Ständerat in diesem Prozess dereinst mitreden können. Insofern ist es von Interesse, wie solche Fragen in Brüssel geklärt werden.

Bemerkenswert: Diese Woche weilt die parlamentarische Gruppe Schweiz-USA in den Vereinigten Staaten. Man habe die Gelegenheit, die Schweizer Anliegen zu vermitteln, auch im Zollstreit, schreibt der Präsident der Gruppe, Nationalrat Damien Cottier (FDP), auf Instagram. Auf den Bildern, die er dazu postet, lächeln auch zwei SVP-Vertreter in die Kamera: die Nationalräte Michael Graber und Thomas Hurter. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
127 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Fakten_Checker
08.11.2025 15:55registriert September 2025
Beim Hintern küssen, des weit entfernten flegelhaften Bekannten, da ist die svp dabei. Aber vom pflegen einer guten Nachbarschaft und Freundschaft, davon will die svp nichts wissen.
Sowas nennt man auch schlechte Kinderstube.
34516
Melden
Zum Kommentar
avatar
Le_Urmel
08.11.2025 15:56registriert Juni 2014
SVP hat doch immer recht. Europa eine marginale Grösse. Was haben wir mit Europa zu tun. Wir sind neutral und brauchen nur die USA, China und Russland.

Kann Spuren von leichtem Zynismus enthalten
2619
Melden
Zum Kommentar
avatar
DonKanallie
08.11.2025 15:49registriert Januar 2025
Wenn soll man hofieren:
einen Nachbarn mit dem man seit Jahren auf Augenhöhe über seine Beziehungen verhandelt oder ein fernes Land, dass sich einen Deut um Abmachungen und Gepflogenheit schert und dies offen zeigt.
Da die SVP eh immer das Gegenteil davon macht, was sinnvoll ist, macht dieser Entscheid für sie wohl Sinn, so sinnfrei er auch ist. ;)
2477
Melden
Zum Kommentar
127
Pyrotechniker testet das Feuerwerk von Crans-Montana
Nach der Katastrophe in der Silvesternacht in Crans-Montana haben die ersten Ermittlungen schnell ergeben, dass Wunderkerzen-artige Feuerwerkskörper, die in Champagnerflaschen gesteckt wurden, die Schallisolation aus Schaumstoff an der Decke in Brand steckten und so das tödliche Inferno verursachten.
Zur Story