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epa05019308 (FILE) A file picture dated 04 December 2011 shows former German chancellor Helmut Schmidt after his speech at the SPD party conference in Berlin, Germany. According to German news agency dpa citing his personal physician, former German chancellor Helmut Schmidt has died on 10 November 2015 at the age of 96 in Hamburg. Schmidt led West Germany from 1974 to 1982 and is best known for his fight against domestic terrorism and as one of the architects of the euro currency. Described by some as Germany's 'most prominent chain smoker,' Schmidt has repeatedly suffered from health problems and was on his fifth pacemaker.  EPA/TIM BRAKEMEIER

Helmut Schmidt: 23. Dezember 1918–10. November 2015.
Bild: EPA/DPA

Helmut Schmidt ist tot: Deutscher Altkanzler stirbt 96-jährig



Deutschland verliert eine grosse Persönlichkeit: Altkanzler Helmut Schmidt ist tot. Der sozialdemokratische Politiker starb nach Angaben seines Arztes Heiner Greten am Dienstag gegen 14.30 Uhr im Alter von 96 Jahren in seiner Heimatstadt Hamburg.

Schmidts Gesundheitszustand hat sich am Wochenende «dramatisch zugespitzt», nachdem sich der Altkanzler vor rund zwei Monaten einer Gefäss-OP hatte unterziehen müssen. Mehreren Berichten aus den vergangenen Tagen zufolge war er bereits nicht mehr ansprechbar gewesen und hatte hohes Fieber.

Schmidt war von 1974 und bis 1982 als Nachfolger von Willy Brandt deutscher Bundeskanzler. In der aus Konservativen und Sozialdemokraten bestehenden Grossen Koalition war er zuvor von 1967 bis 1969 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und danach Verteidigungs- und Finanzminister.

Schmidt war ein leidenschaftlicher Raucher, der es sich auch in hohem Alter und Zeiten des Rauchverbots nicht verbieten liess, selbst in TV-Studios zu rauchen.

Helmut Schmidt und die E-Zigarette

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YouTube/derOhrenbaer

Als Kanzler war der Volkswirtschafter unter anderem mit der weltweiten Ölkrise in den 70er Jahren und dem Kampf gegen den Terrorismus der Roten-Armee-Fraktion konfrontiert. Auch die Auseinandersetzung um den NATO-Doppelbeschluss prägte Schmidts Kanzlerschaft.

Im Herbst 1982 scheiterte die von Schmidt geführte Koalition mit den Liberalen an Differenzen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Seit 1983 war Helmut Schmidt Mitherausgeber der Wochenzeitung «Die Zeit», er schrieb zahlreiche Bücher und war für Vorträge viel auf Reisen. Auch im hohen Alter war seine Meinung gefragt und geschätzt.

Helmut Schmidt – Best-of

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YouTube/TutorialsGerman

Den Hamburgern ist Schmidt auch als tatkräftiger Innensenator während der Sturmflut von 1962 im Gedächtnis. Der Sohn eines Volksschullehrers kam am 23. Dezember 1918 im Hamburger Arbeiterviertel Barmbek zur Welt.

Der «Weltökomon»

Wegen seiner Kenntnis globaler wirtschaftspolitischer Zusammenhänge wurde Schmidt oft als «Weltökonom» bezeichnet. Sein Spitzname «Schmidt-Schnauze», den er bei politischen Gegnern hatte, geht auf den Anfang seiner Karriere im Bundestag als Militärexperte der SPD zurück. Damals lieferte er sich heftige Wortgefechte mit dem damaligen Verteidigungsminister Franz-Josef Strauss.

Schmidt lebte in Hamburg lange mit seiner Ehefrau Hannelore (Loki) zusammen, mit der er bis zu deren Tod 68 Jahre verheiratet war. Die Pädagogin und Botanikerin starb 2010. Zwei Jahre später wurde bekannt, dass Schmidt eine neue Beziehung hatte.

Reaktionen zu Schmidts Tod haben wir hier gesammelt

Wichtige Stationen im Leben von Helmut Schmidt

Helmut Schmidt entwickelte sich schon früh zu einem politischen Allround-Talent. Die wichtigsten Lebensstationen des fünften Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland im Überblick.

1918: Am 23. Dezember wird Helmut Heinrich Schmidt als Sohn eines Volksschullehrers in Hamburg-Barmbek geboren.
1939–1945: Soldat im Zweiten Weltkrieg
1942: Heirat mit seiner früheren Klassenkameradin Loki Glaser
1946: Eintritt in die SPD
1962: Als Innensenator in Hamburg macht er sich einen Namen bei der Bewältigung der Flutkatastrophe.
1967–1969: Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion
1969–1972: Verteidigungsminister im ersten Kabinett von Willy Brandt
1972: Finanzminister im zweiten Kabinett Brandt
1974: Wahl zum Bundeskanzler (16. Mai) nach Rücktritt Brandts
1977: Die Rote-Armee-Fraktion nimmt Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer als Geisel, im Oktober wird die Lufthansa-Maschine «Landshut» entführt. Schmidt gibt den Forderungen der Terroristen nicht nach. Schleyer wird ermordet, die Geiseln der «Landshut» in Mogadischu befreit.
1982: Am 1. Oktober wird Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvotum gestürzt. Neuer Kanzler wird der Christdemokrat Helmut Kohl.
1983: Schmidt wird Mitherausgeber der Wochenzeitung «Die Zeit».
2010: Am 21. Oktober stirbt Loki Schmidt mit 91 Jahren.
2013, April: Die Familie des ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer macht ihren Frieden mit Schmidt. 36 Jahre nach Schleyers Tod verleiht sie Schmidt den Hanns-Martin-Schleyer-Preis.
2013: Helmut Schmidt unterstützt vergeblich den ebenfalls aus Hamburg stammenden SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück.
2015: Schmidt veröffentlicht das sehr persönliche Buch «Was ich noch sagen wollte» über Lebenserinnerungen, Wegbegleiter und Vorbilder. (meg/sda)

Helmut Schmidt, wie man ihn kannte.
Bild: Daniel Roland/AP/KEYSTONE

(meg/sda/dpa)

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