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101-Jähriger wegen Beihilfe zum Mord in Nazi-KZ verurteilt

28.06.2022, 11:31

Ein 101-jähriger Mann ist am Dienstag in Deutschland wegen Beihilfe zum Mord an Tausenden Häftlingen im Konzentrationslager Sachsenhausen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

Der Beschuldigte J.S. bei der Verkündung des Urteils am 28. Juni 2022.
Der Beschuldigte J.S. bei der Verkündung des Urteils am 28. Juni 2022.Bild: keystone

Der aus Litauen stammende J.S. hatte in dem Prozess vor dem Landgericht Neuruppin (Brandenburg) bis zuletzt bestritten, in dem KZ nördlich von Berlin Wachmann gewesen zu sein. Das Urteil entspricht der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Der Prozess hatte im Oktober vergangenen Jahres begonnen. Mehrfach musste er wegen Erkrankungen des Angeklagten ausgesetzt werden und stand zwischenzeitlich sogar gänzlich auf der Kippe. Er wurde aus organisatorischen Gründen am Wohnort des Angeklagten in Brandenburg/Havel geführt.

Das Tor des KZ Sachsenhausen mit dem Spruch «Arbeit macht frei.»
Das Tor des KZ Sachsenhausen mit dem Spruch «Arbeit macht frei.»Bild: keystone

In Deutschland sind in den vergangenen Jahren immer wieder betagte Männer wegen einer früheren KZ-Tätigkeit angeklagt worden, nachdem sie zuvor unbehelligt in Deutschland gelebt hatten. Denn bei der Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit hatte die deutsche Justiz über Jahrzehnte nur diejenigen verfolgt, die zur Leitung der Konzentrationslager gehört oder selbst gemordet hatten oder durch besondere Grausamkeit aufgefallen waren, sogenannte Exzesstäter. Heutzutage wird auch die allgemeine Dienstausübung in einem Lager juristisch geahndet.

(yam/sda/dpa)

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25 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Ohniznachtisbett
28.06.2022 17:23registriert August 2016
Man hätte nach dem Krieg sechs Jahrzehnte Zeit gehabt, SS-Männer abzuurteilen. Warum man 2022 100-jährige vor Gericht stellen muss, ist mir schleierhaft.
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ELMatador
28.06.2022 15:07registriert Februar 2020
Ich will die Gräueltaten der KZ nicht schönreden. Gleichzeitig frage ich mich, ob es zielführend ist, einen 100-Jährigen zu Verurteilen die teilweise mit Angst um leib und leben, ihre tägliche Wärterarbeit im KZ nachgegangen sind. Können wir beweisen, dass diese Menschen die Arbeit willentlich ohne Unterdrückung Nachgiengen? Wenn nicht, ist das Vorgehen nicht besser als eine allgemeine und willkürliche Verfolgung.
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