DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der Buergermeister von Altena, Andreas Hollstein (CDU), gibt am 28.11.2017 in Altena (Nordrhein-Westfalen) eine Pressekonferenz im Rathaus. Der Buergermeister der sauerlaendischen Stadt Altena war am Vorabend bei einem Messerangriff verletzt worden. (zu dpa

Bild: dpa

Messerattacke auf deutschen Bürgermeister war fremdenfeindliche Tat



Die Messerattacke auf den in Deutschland für sein Flüchtlings-Engagement bekannten Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein, hat laut Staatsanwaltschaft ein fremdenfeindliches Motiv. Gegen den 56-jährigen Täter erging am Dienstag Haftbefehl wegen versuchten Mordes.

Der arbeitslose Maurer hatte den 54 Jahre alten CDU-Politiker am Montagabend in einem Döner-Imbiss in der 18'000-Einwohner-Stadt in Nordrhein-Westfalen angegriffen und am Hals verletzt.

Die Ermittler gehen von einer spontanen Tat aus, da der angetrunkene Täter, ein Deutscher, erst im Imbiss bemerkt habe, dass der andere Kunde der Bürgermeister war. Hinweise, dass der Täter Verbindungen in die organisierte rechte Szene gehabt habe, seien bislang nicht gefunden worden, sagte Oberstaatsanwalt Gerhard Pauli am Dienstag in Hagen.

Entschlossene Imbiss-Betreiber

Er habe viel Glück gehabt, sagte Hollstein, als er am Dienstag im Rathaus von Altena den Angriff schilderte. Wenn ihm die beiden Besitzer der Imbissstube nicht beherzt zu Hilfe gekommen wären, wäre er womöglich nicht mehr am Leben.

Der Bürgermeister war am Montagabend nach einer Sitzung im Rathaus in dem Imbiss eingekehrt. Den Ermittlern zufolge hatte der 56-Jährige dort ein politisches Gespräch zwischen dem Imbissbesitzer und Hollstein mitgehört. Plötzlich habe er Hollstein angesprochen und gefragt, ob er der Bürgermeister sei.

Dann habe er dem Politiker vorgeworfen, ihm das Wasser abgedreht und 200 Flüchtlinge in die Stadt geholt zu haben. Anschliessend soll er ein Küchenmesser mit 22 Zentimeter langer Klinge aus seinem Rucksack geholt und Hollstein an den Hals gesetzt haben.

Der Bürgermeister konnte die erste Attacke abwehren. Zusätzlich kam der Imbissbesitzer dazu und kurz darauf sein Vater aus der Küche. Gemeinsam wehrten sie nach Angaben der Ermittler den kräftig gebauten Maurer ab. Der Vater wurde an der Hand verletzt. Kurz darauf nahm die Polizei den Angreifer fest.

Alkoholisiert und spontan gehandelt

Die Staatsanwaltschaft geht von einer Tötungsabsicht aus niedrigen Beweggründen aus. Allerdings habe der mit 1.1 bis 1.2 Promille alkoholisierte Mann vermutlich nicht geplant gehandelt.

Politiker in Deutschland sind schon früher Opfer von Attentätern geworden: 1990 schoss ein Mann auf Wolfgang Schäuble. Der damalige Innenminister und heutige Bundestagspräsident ist seitdem querschnittsgelähmt.

In Köln stiess ein Rechtsradikaler im Oktober 2015 der späteren Oberbürgermeisterin Henriette Reker ein Jagdmesser in den Hals. Reker überlebte nur knapp. Hollstein sagte, solch schwere Anschläge sollten nicht mit seinem Fall verglichen werden.

Merkel «entsetzt»

Die erneute Gewaltattacke löste bestürzte Reaktionen aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel - CDU-Mitglied wie Hollstein - äusserte sich «entsetzt über den Messerangriff». Merkel hatte Hollstein und die Stadt Altena im Mai für ihre gute Flüchtlingsarbeit mit dem Nationalen Integrationspreis ausgezeichnet.

Justizminister Heiko Maas schrieb auf Twitter: «Dürfen niemals akzeptieren, dass Menschen attackiert werden, nur weil sie anderen helfen.» In Deutschland dürfe «kein Platz sein für Hass und Gewalt», schrieb der SPD-Politiker.

«Solche Taten müssen uns endlich alle aufrütteln», sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz: «Hetze, Hassparolen und Angstmacherei spalten unser Land.»

Linken-Parteichefin Katja Kipping machte die rechtsnationalistische AfD (Alternative für Deutschland) mitverantwortlich für die Messerattacke. «Wer wie die AfD agitiert, muss sich vorwerfen lassen, Gewalttäter wie in Altena regelrecht zum Handeln zu ermutigen», sagte Kipping der Nachrichtenagentur AFP. (sda/dpa/afp/reu)

Video des Tages:

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Ocean King und Sea-Watch 3 retten Hunderte Migranten im zentralen Mittelmeer

Die Crews mehrerer privater Seenotretter-Organisationen haben am Sonntag Hunderte Bootsmigranten im zentralen Mittelmeer gerettet. In den frühen Morgenstunden nahmen die «Ocean Viking» von SOS Mediterranee und die «Sea-Watch 3» ungefähr 400 Menschen in einer fünfstündigen Rettungsaktion an Bord, wie die in Berlin ansässige Organisation Sea-Watch mitteilte. Die Crews der beiden Schiffe hatten in den Tagen zuvor schon Menschen aus Seenot gerettet.

Laut SOS Mediterranee befand sich das Einsatzgebiet …

Artikel lesen
Link zum Artikel