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Wal Timmy: Dänischer Biologe spricht von Tierquälerei

Timmy
Der dänische Biologe Peter Teglberg Madsen nennt den Umgang mit dem Wal «unverantwortlich». Bild: keystone

Rettungsaktion war Tierquälerei – sagt dänischer Biologe, der Timmy nun obduziert

28.05.2026, 14:3328.05.2026, 14:33

Der Kadaver des als Timmy bekannten Buckelwals bleibt nun doch auf der dänischen Insel Anholt und wird direkt am Strand obduziert. Dort liegt das Tier seit rund zwei Wochen im flachen Wasser. «Der Wal wird im Laufe dieses Wochenendes an Land gezogen», teilte Jane Hansen von der dänischen Umweltbehörde mit. Obduktion, wissenschaftliche Untersuchungen und Entsorgung des Kadavers sollen demnach Ende kommender Woche stattfinden.

Zunächst hatten die Dänen versucht, den von Fäulnisgasen aufgeblähten Wal in tieferes Gewässer zu ziehen, um ihn anschliessend in einen Hafen zu bringen. Der Versuch war vergangene Woche aber gescheitert. «Das Wetter war nicht günstig für einen Transport in den Hafen von Grenaa, und der Wal hat sich bewegt und liegt nun noch näher am Land», so Hansen. «Gleichzeitig stört der Wal weiter sehr am Strand und muss deshalb entfernt werden.»

Kadaver kann Viren und Bakterien übertragen

Anwohner und Badegäste rief die Umweltbehörde erneut auf, sich von dem Tier fernzuhalten. Der Bereich rund um den Wal werde abgesperrt. «Es ist wichtig, dass das respektiert wird, denn es besteht weiter Ansteckungsgefahr», so die Behörde. Der ehemals am Wal befestigte Sender soll unterdessen nach Angaben des Umweltministeriums des deutschen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern demnächst ausgewertet werden.

«Der Tracker wird gerade aus Dänemark abgeholt und dann an uns ausgehändigt», schrieb ein Ministeriumssprecher auf Anfrage. «Anschliessend sollen die Daten ausgewertet werden.» Wie lange das dauern werde, sei unklar. Bei der Obduktion wird auch der dänische Biologe Peter Teglberg Madsen dabei sein. Der 50-Jährige zählt zu den renommiertesten Walforschern in Dänemark und kritisierte bereits früh den Umgang mit dem gestrandeten Wal.

Biologe spricht von Tierquälerei

In einem Interview mit dem deutschen Magazin «Spiegel» sagt er, dass der Wal bereits vor seiner vermeintlichen Rettung dem Tode geweiht gewesen sei, und nennt die Aktion «Tierquälerei»:

«Stellen Sie sich vor, Sie würden einen Menschen auf dem Sterbebett, der sich schon von seinen Verwandten verabschiedet hat, packen, in eine Schubkarre schmeissen, zwei Tage durch die Gegend fahren, im Wald abladen und jubelnd rufen: Du bist frei.»

Auch der Biologe warnt davor, sich dem Wal zu nähern. Für das Team, welches die Obduktion durchführe, sei die Situation ebenfalls nicht ungefährlich, da ohne entsprechende Schutzkleidung die Chance hoch sei, sich mit Viren und Bakterien anzustecken. Mit einem Skalpell, befestigt an einem langen Stab, müssten sie das aufgeblasene Tier aus Sicherheitsgründen erst entgasen, so der Wal-Experte gegenüber dem «Spiegel»: «Die Gefahr einer Explosion besteht, dabei fliegen dann kiloschwere Fleischbrocken durch die Luft, die können dich töten.»

Hat sich Timmy in Fischernetzen verfangen?

Durch die Obduktion erhoffen sich die Experten Klarheit über die Gründe für das Stranden des Buckelwals. Eine mögliche Ursache sieht Madsen in der Verschmutzung der Meere durch Fischernetze: «Wenn ein Wal mehrmals strandet, ist er in der Regel schwer krank. Er hatte sich in einem Netz verfangen, wahrscheinlich konnte er also nichts fressen und war geschwächt.»

Gleichzeitig will Madsen die Öffentlichkeit nutzen, um auf die Gefahren für Tier und Umwelt durch Fischernetze hinzuweisen: «Jeder, den der Tod des Wals betroffen gemacht hat, kann sich engagieren. Man kann Geld an Umweltschutzorganisationen spenden, ehrenamtlich oder politisch tätig werden, um sogenannte Geisternetze zu entfernen.»

(sda/dpa/jul)

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