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Wer besetzt das Kanzleramt? Armin Laschet (CDU), Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) (v.l.n.r.) im ersten Fernseh-Triell.
Wer besetzt das Kanzleramt? Armin Laschet (CDU), Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) (v.l.n.r.) im ersten Fernseh-Triell.
Bild: keystone

Die Lebensläufe der deutschen Kanzlerkandidaten – und was du über diese wissen musst

Die Kanzlerschaft von Angela Merkel endet 2021. Wer auf Merkel folgen könnte, wer davon die besten Chancen hat und was die drei Kandidaten in ihrer Freizeit gerne tun, erfährst du hier.
03.09.2021, 11:3207.09.2021, 09:47

Der Kandidat der CDU

Auf Angela Merkel soll für die deutschen Christdemokraten (CDU) und deren Schwesterpartei, die Christlich-Soziale Union (CSU), Armin Laschet folgen. Für die Nomination musste Laschet kämpfen, denn auch CSU-Chef Markus Söder liebäugelte mit dem Kanzleramt. Mitte April fiel die Entscheidung und Söder sicherte Laschet seine Unterstützung zu.

Der 60-jährige Laschet ist seit 2017 Ministerpräsident im Bundesland Nordrhein-Westfalen und wurde im Januar 2021 zum Chef der CDU Deutschland gewählt.

Was über Laschet geschrieben wird

Würde Laschet Kanzler werden, wäre das eine Fortsetzung des Bisherigen, ist an vielen Stellen zu lesen. Laschet ist wie Merkel Mitglied der CDU und seit 2017 Ministerpräsident des grössten Bundeslands Nordrhein-Westfalen. An Erfahrung mangelt es ihm nicht.

Trotzdem fehlt Laschet an vielen Orten das Vertrauen. Seine Schwäche sei sein «gelegentlich schlampiges Handwerk», schreibt ZDF. Zum Beispiel als er 2014 als Lehrbeauftragter an der Universität Prüfungen der Studierenden verlor und dennoch Noten verteilte. Auch an solche, die die Klausur gar nicht geschrieben hatten. Auch werde seine Nervosität im Kampf um das Kanzleramt grösser, schreibt der MDR. «Er wirkt mitunter fahrig und unwirsch.»

Laschets grosse Themen sind Europa und die Integration von Zugewanderten. Das bewies er bereits 2005 als Integrationsminister von Nordrhein-Westfalen. Und auch als sich Merkel während der Flüchtlingskrise 2015 für offene Grenzen einsetzte, stand ihr Laschet bei.

Die Kandidatin der Grünen

Bei den Grünen hat sich die 40-jährige Annalena Baerbock gegen ihren Co-Vorsitzenden Robert Habeck im Rennen ums Kanzleramt durchgesetzt. Baerbock sitzt seit 2013 im Deutschen Bundestag und wurde 2018 zur Parteivorsitzenden des Bündnis 90/Die Grünen gewählt.

Was über Baerbock geschrieben wird

Mit Baerbock wagt es zum ersten Mal eine Kandidatin der Grünen, fürs Kanzleramt anzutreten. «Eine 40 Jahre junge Vertreterin einer neuen politischen Generation, Mutter von zwei Kindern, Parteivorsitzende und Bundestagsabgeordnete greift nach der Macht», heisst es im Porträt des MDR.

Doch der Weg nach oben ist holprig. Das kriegte auch Baerbock zu spüren. Sie stolperte früh. Verschwiegenes Weihnachtsgeld und Bonuszahlungen der Bundesverwaltung und ihr frisierter Lebenslauf sorgten für sinkende Umfragewerte.

Aber Baerbock, die Kämpferin, wie sie die «Stuttgarter Zeitung» bezeichnet, macht weiter. Besonders in einem Punkt hebt sich Baerbock von ihren Mitstreitern ab. Beim Klimaschutz nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Dieser sei nicht zum Nulltarif zu haben, sondern fordere eine Veränderung der derzeitigen Lebensweise, schreibt der MDR.

Auf einen weiteren Punkt kommen die deutschen Medien ebenfalls regelmässig zu sprechen: Baerbock fehlt es im Gegensatz zu ihren Konkurrenten an Regierungserfahrung.

Der Kandidat der SPD

Die Sozialdemokratische Partei Deutschland (SPD) preschte als erste mit einem Kanzlerkandidaten vor: Der aktuelle Bundesfinanzminister Olaf Scholz soll in die Fussstapfen von Merkel treten. Scholz war sieben Jahre lang Bürgermeister von Hamburg, bevor er zum Bundesfinanzminister ernannt wurde.

Was über Scholz geschrieben wird

Viele Berichte, die von Scholz handeln, erzählen von einer Auferstehung. Der Politiker, der als konservativer Genosse am rechten Rand der SPD gilt, sei gekommen, um die Partei in die Bedeutungslosigkeit zu führen. Nun liegt er in den Umfragen im Rennen ums Kanzleramt plötzlich vorne.

Scholz sei nicht laut und habe auch nicht besonders viel Charisma, heisst es. «Er tut sich mit seiner trockenen, zuweilen spröden hanseatischen Art schwer, die Herzen der Menschen zu erringen», schreibt der mitteldeutsche Rundfunk in einem Porträt.

Ein starker Sozialstaat ist Scholz' Ziel. Er will sich für die Rechte der Arbeitnehmenden einsetzen. Ganz lupenrein blieb Scholz' Karriere aber nicht. So wurde beispielsweise der Wirecard-Betrug unter seiner Finanzaufsicht aufgedeckt.

Wer die besten Chancen hat

Hell begeistert sind die Deutschen von ihren Kanzlerkandidatinnen nicht. Wenn sie ihre Kanzlerin oder ihren Kanzler direkt wählen könnten, würden sich 45 Prozent der Befragten für niemanden entscheiden. Das zeigt der Trendbarometer von RTL/ntv.

Hinter Olaf Scholz stehen 29 Prozent, für Annalena Baerbock sprachen sich 15 Prozent aus und Armin Laschet erhielt 11 Prozent der Umfragestimmen.

Das Deutsche Volk wählt aber nicht direkt die Kanzlerin oder den Kanzler, sondern gibt Stimmen an Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus dem eigenen Wahlkreis und Parteien ab.

So funktionieren die Bundestagswahlen im Detail:

Video: watson/Aya Baalbaki

Die SPD hat es in den vergangenen Wochen geschafft, einen jahrelangen Negativtrend zu wenden. Noch Ende Juli lag Deutschlands älteste Partei bei Forsa mit 15 Prozent auf Platz drei hinter CDU/CSU und Grünen. Im August holte die SPD richtig auf: Im RTL/ntv-Trendbarometer ziehen die Sozialdemokraten an der CDU/CSU vorbei und liegen mit 23 Prozent zwei Prozentpunkte vorne. Die Grünen bleiben unverändert bei 18 Prozent, die AfD gewinnt einen Prozentpunkt und landet bei elf Prozent. Linke und FDP verharren unverändert bei sechs beziehungsweise zwölf Prozent.

Im Moment spricht sehr viel für die SPD und deren Kandidaten Olaf Scholz. Auch im ersten Fernseh-Triell konnte Scholz Umfragen zufolge das Publikum überzeugen und Baerbock und Laschet souverän hinter sich lassen. Die nächsten knapp vier Wochen werden zeigen, ob Scholz seinen Vorsprung halten kann. Denn je näher die Wahl rückt, desto stärker orientieren sich die Wählerinnen und Wähler am möglichen Kanzlerkandidaten, schreibt die «Zeit». «Dann wählen sie jemanden, dem sie ähnlich vertrauen wie Angela Merkel.»

*In einer ersten Version wurde beim Studium der Rechtswissenschaft von Olaf Scholz eine falsche Universität angegeben. Dieser Fehler wurde behoben.

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