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Die Polizei sichert das Gebiet in Halle.
Die Polizei sichert das Gebiet in Halle.Bild: EPA

Rechtsextremismus-Experte: «Halle zeigt, dass wir eine neue Qualität von Angriffen haben»

Am Mittwoch hat ein Mann in Halle bei einem Angriff auf eine Synagoge zwei Menschen getötet. Der mutmassliche Täter filmte seinen Angriff und stellte die Aufnahmen ins Internet. 5 schnelle Fragen an den Rechtsextremismus-Experten Matthias Quent.
09.10.2019, 23:40
Lisa Neumann / watson.de

watson: Was zeigt uns der Angriff von Halle?
Matthias Quent:
Es handelte sich offenbar um einen antisemitischen Attentatsplan auf eine voll besetzte Synagoge. Der Anschlag zeigt, dass wir eine neue Qualität von Angriffen haben. Ähnliches gab es meiner Ansicht nach zuletzt 1980, als gezielt Shlomo Lewin ermordet wurde und 2000, beim Anschlag in Düsseldorf Wehrhahn. Noch dazu erinnert die Tat in ihrem Modus Operandi an die Tat in Christchurch, wo zwei Moscheen angegriffen und 51 Muslime getötet wurden.

Wieso ist der Anschlag ausgerechnet in Halle passiert?
Es ist zu früh, darüber was zu sagen. Klar ist, dass Halle eine Hochburg der sogenannten Identitären Bewegung ist, die ein rechtsradikales Weltbild vertreten.

Ist die jüdische Bevölkerung in Deutschland noch sicher? Jüdische Einrichtungen sind in Deutschland geschützt und das ist auch gut so, aber Juden und Jüdinnen sind jetzt massiv verunsichert. Es gibt viele Juden, die mit (wortwörtlich) gepackten Koffern unter dem Bett leben, die einen israelischen Pass haben, ein Konto im Ausland und das Land verlassen könnten, wenn die Bedrohungslage steigt.

Das ist passiert
- Bei Angriffen mitten in Halle/Saale hat ein schwer bewaffneter Täter vor einer Synagoge und in einem Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen.
- Der Täter deponierte auch einen Sprengsatz vor dem Gotteshaus.
- Die Generalbundesanwaltschaft ermittelt wegen Mordes von besonderer Bedeutung.
- Dem Täter wird eine rechtsextreme Gesinnung nachgesagt.

Innenminister Horst Seehofer sagte, dass es sich wohl um einen antisemitischen Angriff handelt. Hat die Zahl solcher Angriffe zugenommen?
Die Datenlage ist nicht besonders gut. Fakt ist jedenfalls, dass antisemitische Anschläge aus rechten Motiven immer wieder passieren. Neu ist, dass radikale Rechte eine neue Stärke erlangt haben und Antisemitismus auch durch Kräfte in der AfD salonfähig gemacht wird. Björn Höcke etwa schreibt von «neoliberalistischen Multikultikräften», die «Freunde des Volkstods» seien und gegen die man sich mit «deutscher Unbedingtheit» wehren müsse. Das ist strukturell antisemitisch und schafft ein Klima des Hasses. Neu ist auch das Internet als ein Resonanzraum für eine internationale rechtsradikale Subkultur, die sich mit Menschenverachtung gegenseitig übertreffen will.

Stellen Sie Höcke und den Angreifer auf eine Stufe?
Nein. Höcke ist kein Mörder. Aber es gibt zwischen seinen Äusserungen und den Äusserungen des Täter von Halle ideologische Parallelen. Ich warne davor, den Antisemtismus als ein rein historisches, islamistisches oder auf einige Extremisten begrenztes Weltbild zu unterschätzen.

Über den Experten
Matthias Quent ist Soziologe und Rechtsextremismusforscher. Er leitet Quent das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena und ist Autor des Buches «Deutschland rechts aussen».
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Schiesserei in Halle

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Schiesserei in Halle
quelle: dpa-zentralbild / sebastian willnow
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