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Gavin Newsom zieht über Trumps Friedenspreis von Gianni Infantino her

epa12669873 Governor of California Gavin Newsom speaks during a session at the 56th annual meeting of the World Economic Forum (WEF), in Davos, Switzerland, 22 January 2026. The 2026 summit, running f ...
Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom nahm am World Economic Forum (WEF) in Davos teil.Bild: keystone

«Trumps Präsidentschaft, wie wir sie kennen, wird im November enden»

Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom spricht in einem Interview mit der «Zeit» über Gianni Infantino, den neuen Zusammenhalt in Europa – und über eine mögliche Präsidentschaftskandidatur.
18.02.2026, 10:5118.02.2026, 11:21

Das Interview mit der «Zeit» fand am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz statt, an der Gavin Newsom am Wochenende teilgenommen hatte. Wenige Wochen zuvor war der kalifornische Gouverneur auch Teil des WEF in Davos, da er nicht gewollt habe, «dass Trump dort das Spielfeld für sich allein hat». Er hätte zeigen wollen, dass Trump nicht die Mehrheit der Amerikaner repräsentiere. «Die Europäer müssen das verstehen; die Welt muss das verstehen.»

«In gewisser Weise verdient Trump sogar Anerkennung dafür, Europa fast über Nacht im Alleingang gestärkt zu haben»

Im Umgang mit dem US-Präsidenten rät Newsom, Stärke zu zeigen. Trump sei ein «Meister darin, Schwäche auszunutzen». «Stärke, Überzeugung und Klarheit» respektiere er hingegen. Obwohl Trump bilaterales Vorgehen bevorzuge, erkenne er starke multilaterale Partnerschaften an, wenn sie stark seien und er sie nicht ausnutzen könne. «In gewisser Weise verdient Trump sogar Anerkennung dafür, Europa fast über Nacht im Alleingang gestärkt zu haben», argumentiert Newsom.

Newsom: «Sie haben Friedenspreise erfunden und ihm überreicht»

Der Gouverneur sei erleichtert, wie es sich Europa in den letzten Monaten – vor allem in Bezug auf den Grönland-Konflikt – entwickelt habe. Nach Trumps Verkündung der Strafzölle im April 2025 seien viele betroffene Länder «einfach eingeknickt».

«Ich dachte: In was für einer Welt lebe ich hier eigentlich? Das ist Wahnsinn! Ich konnte es nicht fassen, wie viele Leute ihm den Ring geküsst haben. Ich meine, sie haben Friedenspreise erfunden und ihm überreicht!»

Auf Nachfrage bestätigt Newsom, dass er damit Gianni Infantino, den Chef der FIFA meine. Infantino hatte dem US-Präsidenten kurz vor der WM-Auslosung im Dezember 2025 einen FIFA-«Friedenspreis» überreicht, den es in dieser Form zuvor nicht gegeben hatte. Aufgrund mangelnder Transparenz wurde die FIFA im Nachhinein scharf kritisiert.

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FIFA-Präsident Gianni Infantino hat Donald Trump im Dezember 2025 den FIFA-Friedenspreis verliehen.Bild: keystone

Doch auch in den USA seien viele eingeknickt – darunter Universitäten, Anwaltskanzleien, Medien, CEOs und einflussreiche Personen aus der Tech-Welt. «Das hat mich echt schockiert. Ich hatte wirklich Sorge, dass wir dieses 250 Jahre alte historische Projekt – die Vereinigten Staaten – verlieren können», sagt Newsom. Nun befinde sich zumindest Europa auf dem richtigen Weg.

Im Interview erklärt der Gouverneur ausserdem, warum er auf der Plattform X Beiträge im Stile Trumps veröffentlicht. Sein Ziel sei es, «das Absurde an Trump zu zeigen» – «immer diese komplett in Grossbuchstaben geschriebenen, völlig irren Tweets!» Durch eine Nachahmung würde er nicht nur Trump, sondern auch denen, die Trump unterstützen, einen Spiegel vorhalten. Wichtig sei jedoch auch, die Posts mit Substanz zu unterfüttern.

Gouverneur zeigt sich optimistisch bei Midterms

Gavin Newsom zeigt sich im Hinblick auf die Midterms optimistisch. Er sei sicher, dass sich die Demokraten das Repräsentantenhaus bei den Zwischenwahlen im Herbst zurückholen würden. Er führt aus:

«Danach werden wir mehr Aufmerksamkeit bekommen. Wenn wir dort die Mehrheit haben, können wir die Erzählung bestimmen. Wir können Vertreter der Trump-Regierung vorladen und sie zur Rechenschaft ziehen. Trumps Präsidentschaft, wie wir sie kennen, wird im November enden.»

Auch auf eine mögliche Präsidentschaftskandidatur kommt er kurz zu sprechen. Newsom könnte sich vorstellen, 2028 für die Demokraten zu kandidieren – eine Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen. (hkl)

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116 Kommentare
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Tatwort
18.02.2026 11:04registriert Mai 2015
Newsom und viele andere gehen davon aus, dass es noch Midterms geben wird. Oder dass diese ohne massive Daten- und Zugangs-Manipulation über die Bühne gehen wird.
Ich sehe hier schwarz. Respektive braun.
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Lohner
18.02.2026 11:15registriert August 2025
Er hätte zeigen wollen, dass Trump nicht die Mehrheit der Amerikaner repräsentiere. «Die Europäer müssen das verstehen; die Welt muss das verstehen.»

Ja, dem ist so. Aber Trumpel hat die Sicht von Aussen auf die Staaten nachhaltig geschädigt. Das wird auch nach seiner Amtszeit noch sehr lange nachhallen.
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Die - Vladi!
18.02.2026 11:12registriert Oktober 2024
Ich spüre so gar keine Gegenbewegung und kann mich deshalb nicht auf die Midterms "vorfreuen". Zudem versuchen die MAGAs je gerade, die Spielregeln der Wahlen ändern zu lassen. Meine Zuversicht auf eine (partielle) Korrektur des herrschenden Irrsinns war schon grösser.
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