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A Chinese-made portable media player, which North Koreans call

Für gewisse Nordkoreaner ihr Fenster zur Welt: das Notel. Bild: KIM HONG-JI/REUTERS

Das Notel – mit diesem Gerät umgehen Nordkoreaner die Blockade des Regimes

Mit Strafandrohungen will Nordkoreas Regime verhindern, dass die Bürger südkoreanische oder amerikanische Filme gucken. Doch die Informationsblockade bröckelt schon seit Jahren. Auch neue Hardware hilft den Menschen, Informationen aus dem Ausland zu erhalten.



Das TV-Programm in Nordkorea bietet in puncto Unterhaltung nur karge Kost. Angesichts täglicher Propaganda schauen sich immer mehr Nordkoreaner lieber eingeschmuggelte populäre TV-Seifenopern aus dem reichen Nachbarland Südkorea an. Doch das Durchbrechen der Informationsblockade des Regimes ist gefährlich: Wer erwischt wird, dem droht im schlimmsten Fall Lagerhaft oder eine andere harte Bestrafung.

Die Bürger sind daher gezwungen, vorsichtig zu sein, sagen Flüchtlinge. Begehrt sind kleine DVD-Abspielgeräte, von den Nordkoreaner selber auch Notels genannt, auf die man sich die «gefährlichen» Filme anschauen kann. «Es gibt in Nordkorea einen riesigen Bedarf, Sachen zu sehen», sagt ein westlicher Besucher.

A Chinese-made portable media player, which North Koreans call

Die Geräte stammen meist aus chinesischer Produktion. So auch dieses der Marke «Sansung» (Ähnlichkeiten zu anderen Markennamen sind wohl rein zufällig). Bild: STRINGER/REUTERS

Notels waren früher noch verboten und wurden auf dem Schwarzmarkt verkauft. Doch seit Ende des vergangenen Jahres sind die Notels – eine Namenskreuzung aus Notebook und Fernseher – offiziell erlaubt, wie Nordkorea-Beobachter berichten. Das Ganze hat einen Haken: Die Geräte müssen einen Registrierungssticker der Behörden tragen. Dadurch kann die Nutzung vermeintlich besser kontrolliert werden.

Propaganda-Filme und Moranbong-Konzerte

Allerdings ist die Hardware selber weniger brisant als die Inhalte, die auf den Geräten abgespielt werden. «Man versucht lediglich die Hardware dahingehend zu beschränken – durch Registrierung oder Einstellung von Frequenzen etc., so dass nur die eigenen Inhalte draufkommen und nichts Böses von aussen», berichtet eine Informationsquelle.

Auf Notels könne man eben auch «schöne Propaganda-Kriegsfilme und Moranbong-Konzerte gucken», nicht nur südkoreanische Dramen, sagt der Informant unter Hinweis auf die nordkoreanische Frauenband Moranbong.

Die Notels sind klein, tragbar, werden vor allem zu Hause genutzt und können ausser DVDs auch USB-Sticks und SD-Karten lesen – also Speichermedien, die sich einfacher verstecken lassen. Die meisten Modelle in der Grösse eines Laptops seien ausserdem mit Fernseher- und Radioempfängern ausgestattet, berichtet die in Seoul von nordkoreanischen Flüchtlingen herausgegebene Online-Zeitung «DailyNK».

Doch die Bewohner seien skeptisch: «Die Partei erlaubt ihren Gebrauch, doch könnte es auch eine Falle sein, um Personen zu erwischen, die verbotenen Aktivitäten nachgehen», werden Informanten in Nordkorea zitiert.

Bestechung kann helfen

Ausländische Filme auf DVD-Videoformat oder USB-Speichersticks gelangen auf heimlichen Wegen schon seit Jahren ins Land. Auch die in China produzierten Notels werden noch immer eingeschmuggelt – in der Regel per Lastwagen oder Boot. Unklar sei, ob sie bereits legal ins Land eingeführt werden, sagt Sokeel Park von der internationalen Gruppe Liberty in North Korea (LiNK), die sich für nordkoreanische Flüchtlinge einsetzt.

Die Geräte kosten etwa 50 Dollar. «Sie sind sehr populär, weil sie sich diejenigen Nordkoreaner leisten können, die durch ihre Marktaktivitäten ein bisschen Geld zur Seite geschafft haben», so Park. Praktisch ist auch die eingebaute Batterie, weil sie auch bei den üblichen Stromausfällen betrieben werden können. Ein anderer wichtiger Faktor sei die Korruptheit nordkoreanischer Beamter, weiss Park. «Selbst wenn jemand mit ausländischen Medien erwischt wird, kann Bestechung helfen, einer Bestrafung zu entgehen».

Landesweites Intranet

Seit etwa Ende der 90er Jahre bröckelt die Informationsblockade immer mehr, wenn auch sehr langsam. Und was das World Wide Web betrifft, so lebten die Nordkoreaner «virtuell isoliert», wie es westliche Besucher formulieren. Einen Internetzugang gibt es in der Regel nicht.

Die wachsenden Bedürfnisse der Menschen stellt das stalinistische Regime vor Probleme. Er habe in Nordkorea gegenläufige Tendenzen festgestellt, sagt ein westlicher Besucher. «Einerseits will man modernisieren.» So werde die Technik ganz gross geschrieben. Auch gegen Filme habe man nichts.

Aus dem auf das Inland beschränkten Intranet könnten beispielsweise alle möglichen Videos und Musikclips heruntergeladen werden. «Auf der anderen Seite will man negative Einflüsse verhindern.» Doch der Hunger nach Informationen und Unterhaltung aus dem Ausland lässt sich nicht stillen. «Die Nachfrage ist zu stark, und die Kapazitäten der Regierung, dagegen vorzugehen, sind zu schwach», sagt Park. (sda/dpa)

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