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epa04961249 A general view of at scene of a fire at a planned migrants home in Bischhagen, Germany, 03 October 2015. The home was planned to take the first migrant residents on 05 October 2015.  EPA/MARTIN WICHMANN

In Bischhagen in Deutschland wurde Anfang Oktober ein Flüchtlingsheim niedergebrannt.
Bild: EPA/DPA / Wichmann TV

«Flüchtlinge raus»: Wie man mit Google-Anfragen Anschläge auf Asylheime voraussagen kann

Es gibt einen Zusammenhang zwischen rechtsextremer Gewalt und Suchanfragen im Netz. Das zeigt sich in den USA mit Muslimen und in Deutschland mit Flüchtlingen. Die Daten könnten zur Prävention dienen.



Wir benutzen Google vor allem, um uns Informationen zu beschaffen. Über das Wetter, Rezepte, Sportresultate. Offenbar benutzen Menschen das Suchfeld jedoch auch, um ihren Gefühlen Ausdruck zu geben. «Ich hasse Muslime» oder «alle Muslime töten» etwa ist eine Anfrage, die in der englischen Sprache gehäuft vorkommt.

Journalisten der «New York Times» haben nun etwas Interessantes herausgefunden: Es gibt eine direkte Korrelation zwischen anti-islamischen Suchanfragen und rassistisch motivierten Gewalttaten gegen Muslime. Darauf kamen sie nach einer Auswertung von Google-Suchdaten zwischen 2004 und 2013.

In Deutschland gibt es zur Zeit einen dramatischen Anstieg von rechter Gewalt gegen Flüchtlingsheime: Bis zum 7. Dezember zählten die Ermittler in diesem Jahr 817 Fälle – das sind vier Mal so viel wie 2014. Auch hier lässt sich ein Zusammenhang mit Google-Suchen feststellen: «Flüchtlinge raus» war bis vor kurzem kein Thema, doch im August 2015 begann die Zahl der Suchanfragen anzusteigen, mit einem Vorläufigen Höhepunkt im September.

Bild

Screenshot: Google Trends

Absolute Zahlen gibt es bei Google nicht, lediglich das Verhältnis der Anfragen zueinander ist ersichtlich. Doch die Grafik zeigt, dass vorher kaum «Flüchtlinge raus» gegoogelt wurde. Das dürfte mit der aktuellen Flüchtlingswelle zu tun haben, die in diesem Sommer begann.

In der Schweiz kann ein solcher Trend nicht nachgewiesen werden – es sind zu wenig Daten vorhanden.

Polizei könnte die Daten verwenden

Nun stellt sich die Frage, was man mit diesen Daten macht. Der Autor der «New York Times» schlägt unter anderem vor, die Polizei könne auf Suchanfragen zurückgreifen und bei gefährdeten Orten ihre Präsenz erhöhen.

Oliver Bendel, der an der Hochschule für Wirtschaft FNHW unter anderem zum Thema Informationsethik forscht, sieht das ähnlich: «Bei den rassistischen Übergriffen kann Google sicherlich ein Abbild liefern», sagt Bendel. Eine erhöhte Polizeipräsenz bei solchen «Hotspots» könne daher sinnvoll sein, sinnvoller als überall auf Kameras zurückzugreifen.

Die Polizei arbeitet vielerorts schon mit einer Software, die zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit von Einbrüchen voraussagen kann. Diese geschehen vor allem an Orten mit reichen Bewohnern, und für grössere Einbrüche braucht man eine Autobahn zum Entkommen. «Allerdings dürfte es bei rassistischen Übergriffen etwas schwieriger sein», so Bendel. Diese könnten prinzipiell überall stattfinden.

Nicht repräsentativ, aber aussagekräftig

Die häufigsten anti-islamischen Suchanfragen – und somit auch islamophobe Angriffe – gab es in der Woche, als 2010 um eine Moschee beim Ground Zero gestritten wurde und um die Jahrestage der Anschläge vom 11. September 2001, schreibt die «New York Times».

Das FBI hat die Daten zu den sogenannten hate crimes des laufenden Jahres noch nicht ausgewertet. Doch aufgrund ihres Google-Modelles wagt die Zeitung eine Prognose: Die Anzahl der rassistischen Übergriffe auf Muslime sei so hoch wie nie seit den direkten Nachwirkungen von 9/11. Es dürften in diesem Jahr 200 Angriffe sein, was 2015 zum schlimmsten Jahr seit 2001 machen würde.

Auch weitere interessante Fakten brachte die Analyse zutage: Nachdem ein muslimisches Paar im kalifornischen San Bernardino 14 Menschen tötete, war in Kalifornien die Top-Suche im Zusammenhang mit Muslimen: «kill muslims». Im November wurde in den USA 3600 Mal nach «I hate Muslims» gesucht und 2400 Mal nach «kill Muslims».

Analysen von Suchanfragen sind nicht repräsentativ. Trotzdem können sie Aussagekräftig sein, sagt der Stanford-Politikwissenschaftler Paul Snideman zur «New York Times»: Google-Suchen beantworten die Frage: «Was erregt die Leute so sehr, dass sie ihre Gefühle so ausdrücken? Die Antwort auf diese Frage könnte, gerade weil sie nicht repräsentativ für die Bevölkerung ist, besser sein, um rassistische Gewalttaten vorherzusehen.»

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