Konsum von Kokain und Ketamin nimmt zu – Genf mit höchsten Cannabis-Werten Europas
In Europa wird immer mehr Kokain und Ketamin konsumiert, wie eine Untersuchung der Abwasserwerte in 115 Städten durch die europäische Drogenbehörde (EUDA) zeigt. Insbesondere die Ketamin-Werte lassen aufhorchen: Im Vergleich zum Vorjahr stieg die gemessene Menge um 41 Prozent an. Das schnellwirkende Schmerz- und Narkosemittel erfreut sich gemäss der Studie dabei besonders in Belgien, Deutschland und den Niederlanden grosser Beliebtheit.
Auch der Kokainkonsum der Europäerinnen und Europäer ist gestiegen, um 22 Prozent verglichen mit den Abwasserwerten 2024. Da die Studie Daten über das weltweit tätige Wissenschaftsnetzwerk SCORE erhebt, sind darin auch Zahlen aus Nicht-EU-Ländern aufgeführt.
Schweizer Städte in den Top 10
Mit Zürich und Genf finden sich dann auch gleich zwei Schweizer Vertreter unter den zehn Städten, in denen laut Studie am meisten gekokst wird. Während die Werte in Zürich in den letzten vier Jahren stabil blieben, nahmen sie in Genf um rund 40 Prozent zu. Damit löst die westlichste Stadt der Schweiz erstmals Zürich als Ort mit den schweizweit höchsten Kokainrückständen im Abwasser ab.
Weiter zeigt die Studie, dass in keiner anderen Stadt Europas ein so hoher Anteil am Cannabis-Abbauprodukt THC-COOH gemessen wurde wie in Genf. Die Westschweizer Cannabis-Konsumentinnen und Konsumenten lassen damit selbst Amsterdam hinter sich zurück und sorgen für den diesjährigen europäischen Spitzenwert.
Europäischer Vergleich ist eine Momentaufnahme
Die Studie der europäischen Drogenbehörde wurde 2011 zum ersten Mal durchgeführt und hat zum Ziel, mithilfe standardisierter Wasseranalysen den Konsum illegaler Drogen innerhalb europäischer Städte vergleichbar zu machen. Dabei handelt es sich aufgrund der Datenerhebung jedoch um eine Momentaufnahme. Die Abwasserwerte werden an allen Orten gleichzeitig innerhalb einer einzigen Woche erhoben. Bei den ermittelten Zahlen handelt es sich um relative Werte, so sagen diese aus, wie viele Nanogramm im Tagesschnitt pro 1000 Einwohner gemessen wurden.
Für eine präzisere Beobachtung von Trends und Entwicklungen betreffend dem Drogenkonsum in der Schweiz eignen sich derweil die Untersuchungen der Eidgenössischen Wasserforschungsanstalt EAWAG besser. Im Gegensatz zur europäischen Untersuchung werden die Abwasserproben beim Schweizer Institut alle 13 Tage entnommen und untersucht.
Schweizer Proben bestätigen Trend
Die kürzlich veröffentlichten Zahlen der EAWAG zeigen, dass sich in der Schweiz beim Konsum von Kokain und Ketamin ein ähnlicher Trend abzeichnet wie im internationalen Vergleich. Auch der Konsum von Crack nimmt gemäss der nationalen Untersuchung zu, während die im Abwasser nachgewiesenen Rückstände von Crystal Meth und Cannabis, wie watson vor einem Monat berichtete, rückläufig sind. (jul)
