Schweden gilt als erstes Land als «rauchfrei» – doch es gibt einen Haken
Nur 4,8 Prozent der schwedischen Bevölkerung konsumieren gemäss dem jüngsten Bericht der Suchtmittelbehörde CAN des skandinavischen Landes noch täglich Zigaretten. Damit hat das Land die 5-Prozent-Marke unterschritten, ab welcher ein Staat nach offizieller Definition der Weltgesundheitsbehörde WHO als rauchfrei gilt.
Gemäss der Behörde CAN vermochte Schweden den Anteil in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zu senken. Laut CAN-Forschungsleiter Mats Ramstedt ist der Raucheranteil bereits seit Ende der 1970er-Jahre rückläufig, wie er gegenüber der schwedischen Nachrichtenagentur TT erklärt. Anfang der 80er-Jahre rauchten noch über 30 Prozent der Schwedinnen und Schweden täglich, 2003 waren es noch 16 Prozent und 2025 nun eben 4,8.
Ramstedt sieht für die Reduktion, die auch von der schwedischen Politik als Ziel definiert worden war, vor allem zwei zentrale Gründe: Umfassende Präventionsmassnahmen wie Werbeverbote und massive Preissteigerungen.
Seit 2003 sind die Kosten fürs Rauchen in Schweden durch Zusatzsteuern und Inflation um insgesamt 45 Prozent angestiegen.
Konsum geht zurück – aber verlagert sich auch
Ein nicht zu unterschätzender Faktor spielen aber wohl auch Nikotinersatzprodukte, insbesondere Snus. Die kleinen Beutel, die hinter die Oberlippe geschoben werden, sind in Skandinavien enorm beliebt. Laut dem CAN-Bericht konsumieren 24 Prozent der Schwedinnen und Schweden weiterhin täglich Nikotin – die Anteile haben sich von Zigaretten einfach stark auf Snus und E-Zigaretten verlagert. Insbesondere der Anteil der snusenden Frauen hat in den vergangenen knapp 20 Jahren stark zugenommen, er stieg von 4 Prozent im Jahr 2007 auf 14 im Jahr 2024.
Während die verheerenden gesundheitlichen Folgen von Zigarettenkonsum gut erforscht sind, fehlen bei Snus weiterhin aussagekräftige Langzeitstudien. Nebst den bekannten nikotinbedingten Gesundheitsrisiken und dem ebenfalls hohen Suchtfaktor werden die Beutel auch mit erhöhten Risiken für insbesondere Mundhöhlenkrebs, aber auch anderen Krebsformen wie Bauchspeicheldrüsenkrebs in Verbindung gebracht.
Die WHO warnte im vergangenen Jahr ausdrücklich vor den Gefahren des besonders bei jungen Menschen beliebten Suchtmittels und forderte Massnahmen gegen den weltweit rasch steigenden Anteil an Konsumierenden.
Der schwedische Forschungsleiter Mats Ramstedt will den Raucherrückgang in seinem Land aber nur bedingt auf das Aufkommen von Snus zurückführen:
Laut ihm spielen stattdessen die Präventionsmassnahmen die zentrale Rolle. Er räumte aber ein, dass es weitere Forschung zu den Ersatzprodukten brauche und dass diese «nützliche Erkenntnisse liefern könne».
Die Schweiz hinkt Schweden bezüglich der Reduktion des Raucheranteils derweil hinterher. Dieser ist aber ebenfalls rückläufig. Laut 2024 veröffentlichten Daten des Bundesamts für Statistik für das Jahr 2022 rauchten in der Schweiz damals noch 24 Prozent der Bevölkerung, 16 Prozent davon täglich. Stark zurück ging der Raucheranteil in der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen. Gerade bei jüngeren Menschen sind Nikotinersatzprodukte wie E-Zigaretten und Snus aber ebenfalls beliebt.
