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Schweden gilt als erstes Land als «rauchfrei» – doch Snus boomt weiter

FILE - A man holds a lit cigarette while smoking in San Francisco, Wednesday, Dec. 2, 2020. (AP Photo/Jeff Chiu, File)
Zigaretten sind in Schweden kaum mehr verbreitet.Bild: keystone

Schweden gilt als erstes Land als «rauchfrei» – doch es gibt einen Haken

Als erstes Land der Welt senkt Schweden den Bevölkerungsanteil, der täglich Zigaretten konsumiert, auf unter 5 Prozent. Das Land erreicht damit ein langjähriges Ziel. Wie fest der Meilenstein mit der Verbreitung von Nikotinersatzprodukten zusammenhängt, ist umstritten.
26.05.2026, 04:4126.05.2026, 06:55

Nur 4,8 Prozent der schwedischen Bevölkerung konsumieren gemäss dem jüngsten Bericht der Suchtmittelbehörde CAN des skandinavischen Landes noch täglich Zigaretten. Damit hat das Land die 5-Prozent-Marke unterschritten, ab welcher ein Staat nach offizieller Definition der Weltgesundheitsbehörde WHO als rauchfrei gilt.

Gemäss der Behörde CAN vermochte Schweden den Anteil in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zu senken. Laut CAN-Forschungsleiter Mats Ramstedt ist der Raucheranteil bereits seit Ende der 1970er-Jahre rückläufig, wie er gegenüber der schwedischen Nachrichtenagentur TT erklärt. Anfang der 80er-Jahre rauchten noch über 30 Prozent der Schwedinnen und Schweden täglich, 2003 waren es noch 16 Prozent und 2025 nun eben 4,8.

Ramstedt sieht für die Reduktion, die auch von der schwedischen Politik als Ziel definiert worden war, vor allem zwei zentrale Gründe: Umfassende Präventionsmassnahmen wie Werbeverbote und massive Preissteigerungen.

«Der erste und vielleicht wichtigste Punkt ist, dass die Verfügbarkeit drastisch reduziert wurde. Rauchen ist heute sowohl schwieriger als auch teurer»

Seit 2003 sind die Kosten fürs Rauchen in Schweden durch Zusatzsteuern und Inflation um insgesamt 45 Prozent angestiegen.

Konsum geht zurück – aber verlagert sich auch

Ein nicht zu unterschätzender Faktor spielen aber wohl auch Nikotinersatzprodukte, insbesondere Snus. Die kleinen Beutel, die hinter die Oberlippe geschoben werden, sind in Skandinavien enorm beliebt. Laut dem CAN-Bericht konsumieren 24 Prozent der Schwedinnen und Schweden weiterhin täglich Nikotin – die Anteile haben sich von Zigaretten einfach stark auf Snus und E-Zigaretten verlagert. Insbesondere der Anteil der snusenden Frauen hat in den vergangenen knapp 20 Jahren stark zugenommen, er stieg von 4 Prozent im Jahr 2007 auf 14 im Jahr 2024.

Während die verheerenden gesundheitlichen Folgen von Zigarettenkonsum gut erforscht sind, fehlen bei Snus weiterhin aussagekräftige Langzeitstudien. Nebst den bekannten nikotinbedingten Gesundheitsrisiken und dem ebenfalls hohen Suchtfaktor werden die Beutel auch mit erhöhten Risiken für insbesondere Mundhöhlenkrebs, aber auch anderen Krebsformen wie Bauchspeicheldrüsenkrebs in Verbindung gebracht.

Die WHO warnte im vergangenen Jahr ausdrücklich vor den Gefahren des besonders bei jungen Menschen beliebten Suchtmittels und forderte Massnahmen gegen den weltweit rasch steigenden Anteil an Konsumierenden.

Der schwedische Forschungsleiter Mats Ramstedt will den Raucherrückgang in seinem Land aber nur bedingt auf das Aufkommen von Snus zurückführen:

«Man muss bedenken, dass der Zigarettenkonsum bereits stark zurückgegangen war, bevor wir diesen Anstieg beim Snus-Konsum beobachteten. Das spricht in gewisser Weise dagegen, dass Snus ein entscheidender Faktor für die Reduzierung des Rauchens ist.»

Laut ihm spielen stattdessen die Präventionsmassnahmen die zentrale Rolle. Er räumte aber ein, dass es weitere Forschung zu den Ersatzprodukten brauche und dass diese «nützliche Erkenntnisse liefern könne».

Die Schweiz hinkt Schweden bezüglich der Reduktion des Raucheranteils derweil hinterher. Dieser ist aber ebenfalls rückläufig. Laut 2024 veröffentlichten Daten des Bundesamts für Statistik für das Jahr 2022 rauchten in der Schweiz damals noch 24 Prozent der Bevölkerung, 16 Prozent davon täglich. Stark zurück ging der Raucheranteil in der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen. Gerade bei jüngeren Menschen sind Nikotinersatzprodukte wie E-Zigaretten und Snus aber ebenfalls beliebt.

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122 Kommentare
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Knut Knallmann
26.05.2026 05:37registriert Oktober 2015
Also für mich als Nichtraucher ist mir die Verlagerung auf andere Produkte ehrlicherweise komplett egal. Hauptsache ich muss am Bahnhof nicht durch Rauchwolken laufen und es liegen weniger Kippen auf dem Boden.
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Callista
26.05.2026 06:06registriert September 2023
Mir egal, wer was komsumiert, aber hier mal als Allgemein Info :
Snus kann Panikattacken auslösen. Dies geschieht entweder durch den plötzlichen Nikotinschub oder durch die Entzugserscheinungen, vielleicht in Kombination mit Stress. Viele Konsumenten greifen in solchen Momenten erneut zu Snus, in der Hoffnung, sich zu beruhigen. Ironischerweise führt dieser Kreislauf häufig zum Gegenteil: Statt Linderung zu erfahren, verstärken sie ihre Symptome. (Das bringt mir sicher jetzt viele Snus-Blitze, aber dieser Zusammenhang ist wirklich auffällig in meiner Praxis)
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purzelbau0
26.05.2026 06:06registriert September 2018
Bhutan ist das einzige (mir bekannte) Land, welches Rauchen schon lange per Gesetz verboten hat. Natürlich gibt es auch dort einen Schwarzmarkt und heimliche Raucher. Trotzdem gehen verschiedene Statistiken von einem Raucheranteil von rund 4% aus. Bei meinen Besuchen habe ich jedenfalls in der Öffentlichkeit faktisch keine qualmende Leute festgestellt. Die Aussage zu Schweden als «erstes rauchfreies Land» scheint mir mir nicht ganz schlüssig.
Ob Bhutans restriktiver Ansatz mit Verboten nachhaltiger ist, will ich mal nicht beurteilen.
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