«Für meinen Sohn nur deutschen Strom»: Patriotische Energie-Memes nehmen AfD aufs Korn
Seit einigen Wochen fluten vermeintliche Propaganda-Plakate im Stil der 1930er-Jahre unter dem Hashtag «Heimatstrom» die sozialen Medien. Auf den ersten Blick bedienen die Bilder vertraute Motive der Rechten wie Heimat, Patriotismus und heroisch inszenierte Arbeiterkörper. Doch nach genauerem Hinsehen wird klar: Statt nationalistischer Abgrenzung oder Anti-Migrations-Botschaften werben die Slogans für die Wende hin zu erneuerbaren Energien.
Was zunächst wie politische Nostalgie wirkt, ist in Wahrheit KI-generierte Satire. Die Bilder zeigen glückliche deutsche Familien in Trachten oder muskulöse Männer, die Wärmepumpen installieren.
Die Sujets treffen offenbar einen Nerv, wobei der Hintergrund weniger humorvoll ist. Der Krieg im Iran hat die Energiepreise spürbar steigen lassen, Öl und Gas verteuern sich seit Wochen, ebenso Benzin und Diesel. In dieser Lage reagieren rechte Parteien wie die AfD mit bekannten Forderungen: niedrigere Energiesteuern, geringere Abgaben und vor allem die Wiederaufnahme von Gasimporten aus Russland.
Kritikerinnen und Kritiker sehen in diesen Forderungen der AfD eine Strategie, die bestehende Abhängigkeiten von autoritären Rohstofflieferanten eher vertieft als löst. Genau hier setzt die satirische Bildkampagne an. Indem sie die Bildsprache klassischer Heimat- und Arbeitspropaganda mit Botschaften für Solarenergie, Windkraft und Wärmepumpen kombiniert, dreht sie die Argumentationslinie um. Dadurch erscheint nicht mehr der Rückgriff auf fossile Energien als patriotischer Akt, sondern die Abkehr davon: Energie aus heimischen, erneuerbaren Quellen wird zum Symbol nationaler Souveränität.
Die Macherinnen und Macher wollen mit ihren Sujets zu einer neuen Diskussion anregen. Wenn steigende Energiepreise politische Reflexe auslösen, die alte Abhängigkeiten stabilisieren, stellt sich die Frage neu: Wer handelt tatsächlich im Interesse des eigenen Landes – und wer nicht?
Kritikerinnen und Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass die bewusst zitierte Ästhetik der 1930er Jahre problematisch sein kann. Denn auch wenn sie satirisch aufgearbeitet werde, könne sie zur Normalisierung beitragen. Im Kern steht die Frage, ob das Framing zum Schutz der Heimat rechtsextremen Akteuren überlassen werden soll, da eine Umdeutung dazu führen könne, problematische Denkmuster mitzutransportieren. (hkl)
