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China geht der Strom aus: Wie es dazu kam

04.10.2021, 18:1605.10.2021, 14:30

Lichterlöschen zu Hause und in den Fabriken. Während der letzten Wochen kam es in diversen chinesischen Provinzen und Grossstädten zu Stromknappheit. Am härtesten betroffen sind die drei nordöstlichen Provinzen Heilongjiang, Jilin und Liaoning. Dort droht der Zusammenbruch des Stromnetzes.

Frühstück bei Handylicht in Shenyang.
Frühstück bei Handylicht in Shenyang.Bild: keystone

Industrie und Privathaushalte wurden angewiesen, wenn immer möglich Strom zu sparen, Fabriken müssen ihren Betrieb an gewissen Tagen zwangspausieren.

Stadt ohne Strom. In Shenyang hilft sich ein Ladenbesitzer mit einem Generator.
Stadt ohne Strom. In Shenyang hilft sich ein Ladenbesitzer mit einem Generator.Bild: keystone

In der 4,5-Millionen-Stadt Shenyang in der Provinz Liaoning wurden die Strassenampeln und die Strassenlaternen abgestellt, der Einsatz von Personenliften in Hochhäusern eingeschränkt. Leuchtreklamen blieben dunkel. Je nach Quelle ist von neun bis 20 betroffenen Regionen und Provinzen die Rede.

Eine Frau kocht im Dunkeln. Ein Restaurant in Shenyang während der Stromknappheit.
Eine Frau kocht im Dunkeln. Ein Restaurant in Shenyang während der Stromknappheit.Bild: keystone

China hat immer wieder mit Stromproblemen zu kämpfen – vor allem mit der Verteilung. In diesem Jahr summierten sich verschiedene ungünstige Faktoren.

  1. Die Weltwirtschaft und der Konsum nehmen langsam wieder Fahrt auf. Chinas Fabriken produzieren auf Hochtouren und benötigen entsprechend viel Strom.
  2. Chinas Strom wird noch immer zu fast 60 Prozent von Kohlekraftwerken produziert. Der Kohlepreis hat sich seit August aber verdoppelt – und Chinas Politik ist dabei nicht unschuldig.
  3. Aufgrund von Handelsstreitigkeiten mit Australien verzichtet China auf den Import von australischer Kohle. Jetzt muss China neue Quellen erschliessen.
  4. Die Mongolei löste Australien als grössten Lieferanten von Kohle ab. Covid-Restriktionen erschweren aber auch diesen Import, weil wiederholt mongolische Lastwagenfahrer positiv auf Covid getestet wurden. China reagierte mit Einreisebeschränkungen – phasenweise durften nur noch ein Viertel der Lastwagen einreisen.
  5. Indonesien, der zweitgrösste Kohleexporteur der Welt, bekundet ebenfalls Probleme. Aufgrund starker Regenfälle in der Hauptabbauregion Kalimantan mussten einige Kohleminen ihren Betrieb einstellen. Das führt zu einer spürbaren Verknappung des Angebots.
  6. Der Strompreis wird in China vom Staat reguliert. Um bei den aktuellen Kohlepreisen nicht defizitär produzieren zu müssen, spekulierten einige Stromproduzenten zu sehr. Ihnen geht langsam die Kohle aus.
  7. China will CO2-Neutralität bis 2060 erreichen. Peking hat bereits verschiedene Regionen dazu angehalten, ihren Energiehunger zu drosseln. Dies steht im Widerspruch mit der unaufhörlich steigenden Nachfrage.
  8. In der Provinz Liaoning fällt die Windstromproduktion in diesem Jahr sehr dürftig aus.
Einkaufen bei Stromknappheit in Shenyang am 29. September 2021.
Einkaufen bei Stromknappheit in Shenyang am 29. September 2021. Bild: keystone

Die offizielle Version aus Peking lautet, die Stromengpässe seien Teil der Transition von fossilen zu erneuerbaren Energien. Finanzdienstleister Goldman Sachs schätzt, dass rund 44 Prozent der gesamten chinesischen Industrie von der Knappheit betroffen ist und senkte darauf das erwartete Wirtschaftswachstum von China von 8,2 auf 7,8 Prozent. Inwiefern sich das auf den Weihnachtsverkauf in Europa und der Schweiz auswirkt, bleibt abzuwarten. Die Detailhändler in den USA haben ihre Kunden aber bereits einmal vorgewarnt. Es könnte zu einer Knappheit verschiedener Produkte kommen. Zum Beispiel von Plastikweihnachtsbäumen.

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