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Mehr als ein Dutzend Festnahmen nach «Ehrenmord» in Pakistan

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Nach dem Ehrenmord an einem jungen Paar in Pakistan wurden mehr als ein Dutzend Verdächtige festgenommen. (Symbolbild)Bild: keystone

Mehr als ein Dutzend Festnahmen nach «Ehrenmord» in Pakistan

21.07.2025, 10:4921.07.2025, 10:49

Nach dem «Ehrenmord» an einem jungen Paar im Südwesten Pakistans sind mehr als ein Dutzend Verdächtige festgenommen worden. Unter den Festgenommenen seien auch ein Cousin der getöteten Frau sowie der Stammesälteste, der als Anführer des Ältestenrates die Morde angeordnet hatte, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Montag aus Polizeikreisen.

Laut einem von AFP eingesehenen Polizeibericht wurden die Frau als Bano Bibi und der Mann als Ehsan Ullah identifiziert. Demnach wurden die beiden im vergangenen Monat in Margat in der Nähe von Quetta in Belutschistan getötet, nachdem sie zusammen durchgebrannt waren.

In einem in den Onlinenetzwerken verbreiteten Video sind mehr als ein Dutzend Männer zu sehen, die sich in einer abgelegenen, bergigen Wüstengegend versammeln, während in der Nähe Geländewagen und Pickups geparkt sind. Einer Frau wird befohlen, sich von der Gruppe wegzudrehen, dann zieht ein Mann eine Waffe und schiesst ihr in den Rücken. Anschliessend richtet er die Waffe auf einen Mann und erschiesst auch ihn.

Die Aufnahme tauchte am Wochenende im Internet auf – daraufhin stufte die Regierung der Provinz Belutschistan den Fall unter dem Vorwurf des Terrorismus ein. Belutschistans Ministerpräsident verurteilte die Morde als «abscheulich».

Traditionelle lokale Ältestenräte, die sogenannten Jirgas, setzen sich zumeist aus Männern zusammen. Sie werden zur Beilegung lokaler Streitigkeiten eingesetzt und sind insbesondere in ländlichen Regionen weit verbreitet. Die Jirgas umgehen das Justizsystem. Ihre Entscheidungen haben keine rechtliche Gültigkeit.

In weiten Teilen von Pakistans konservativ-patriarchalischer Gesellschaft gilt ein strenger «Ehrenkodex», bei dem Frauen sich ihren männlichen Verwandten unterordnen müssen, wenn es um Entscheidungen in Bezug auf Ausbildung, Job und Heirat geht. Hunderte von Frauen werden in Pakistan jedes Jahr von Männern getötet, weil sie angeblich gegen diesen Kodex verstossen haben.

Die Frauenrechtsaktivistin Nighat Dad sagte AFP, dass die Jirgas trotz eines Verbots des Obersten Gerichtshofs weiterhin solche Fälle entscheiden. Der jüngste Fall sei nur aufgegriffen worden, weil das Video online für Empörung gesorgt habe. Ansonsten wären die Mordfälle vermutlich geschlossen worden «wie Hunderte andere, die nie gemeldet werden». (sda/afp)

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