Trump lässt Truppenabzug aus Deutschland prüfen – das Wichtigste in 5 Punkten
Darum geht es
Die USA prüfen nach Aussage von Präsident Donald Trump konkret eine Reduzierung ihrer Truppen in Deutschland. Eine Entscheidung solle in Kürze getroffen werden, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Die Ankündigung folgt auf Trumps Tirade gegen den deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz, weil dieser sich zuvor kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäussert hatte.
Deshalb ist Trump sauer auf Deutschland
Ob es sich bei Trumps Ankündigung um eine durchdachte strategische Abwägung handelt oder ob der US-Präsident einen Truppenabzug vor allem als Drohmittel und damit als Retourkutsche gegenüber dem deutschen Kanzler Friedrich Merz wieder ins Spiel bringt, ist nicht klar.
Fakt ist, dass Trump verstimmt ist, weil Merz kürzlich die Planlosigkeit der USA im Iran-Krieg angesprochen und kritisiert hatte. Merz sprach davon, dass er «desillusioniert» sei, ob des Vorgehens der USA und hinsichtlich eines baldigen möglichen Kriegsendes (siehe Punkt 5).
Trump reagierte darauf trotzig, gar wütend. «Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!», hatte der US-Präsident am Dienstag auf Truth Social mit Blick auf den deutschen Kanzler geschrieben. Es sei kein Wunder, «dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!». Er warf dem Kanzler vor, damit einverstanden zu sein, dass der Iran über Atomwaffen verfüge.
Nimmt man Trumps jüngste Äusserungen zum Massstab, scheint das persönliche Verhältnis zu Merz an einem Tiefpunkt angelangt zu sein. Merz trat diesem Eindruck am Mittwoch entgegen und versuchte, die Wogen zu glätten. «Das persönliche Verhältnis zwischen dem amerikanischen Präsidenten und mir ist – jedenfalls aus meiner Sicht – unverändert gut», sagte er. «Wir sind nach wie vor in guten Gesprächen miteinander.»
Was wären die Folgen eines US-Abzugs?
Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April rund 86'000 Soldaten in Europa stationiert – davon rund 39'000 in Deutschland. Die Zahl verändert sich regelmässig, auch wegen Rotationen und Übungen.
Die US-Truppen galten in der Zeit des Kalten Krieges als Sicherheitsgarant für die Bundesrepublik und sind zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Regionen rund um die Stützpunkte geworden. Tausende Ortskräfte werden vom US-Militär beschäftigt, daneben hängen vor allem in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern Tausende weitere Arbeitsplätze von den US-Truppen ab.
Allein der riesige Luftwaffenstützpunkt Ramstein bei Kaiserslautern mit der grössten US-Militärgemeinde ausserhalb der Vereinigten Staaten generiert Schätzungen zufolge jedes Jahr Hunderte Millionen Euro an Löhnen, Gehältern, Mieten und Aufträgen in der regionalen Wirtschaft. Nahe dem Stützpunkt entsteht zurzeit das grösste US-Militärkrankenhaus ausserhalb der USA.
Doch auch die Amerikaner profitieren von der grossen Präsenz auf dem Alten Kontinent massiv. In Europa gibt es seit Jahrzehnten Dutzende grosse US-Militärstützpunkte, die bei den weltumspannenden Einsätzen der Amerikaner – etwa im Nahen Osten – von enormer Bedeutung sind. Sie dienen der Stationierung von Truppen, Waffen, Schiffen und Flugzeugen, Drohnen werden von dort aus gesteuert und auch Verletzte versorgt.
In Deutschland gibt es neben dem den Flugplatz Ramstein in Rheinland-Pfalz etwa das US-Oberkommando für Europa (EUCOM) in Stuttgart. Auch in Italien, Grossbritannien, Polen, der Türkei, Spanien, den Niederlanden und in Skandinavien sind US-Truppen stationiert.
Der US-Kongress beschloss Ende 2025 einen Sicherheitsmechanismus, demzufolge die Gesamtzahl der Streitkräfte, die dauerhaft im Zuständigkeitsbereich des Europa-Kommandos sind, nicht länger als 45 Tage unter 76'000 liegen darf. Danach müssten bestimmte Berichtswege eingehalten werden, um eine Verringerung anzustrengen.
Trump drohte schon früher mit Truppenabzug
Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) mit einer Reduzierung des Truppenkontingents in Deutschland gedroht. Damals hatte er einige Monate vor seinem Abschied aus dem Weissen Haus angekündigt, er wolle 12'000 der damals rund 35'000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Mehrere Tausend davon sollten innerhalb von Europa verlegt werden, andere in die USA zurückkehren. Trump beschrieb das Vorhaben damals als Strafe für die aus seiner Sicht zu geringen deutschen Militärausgaben. Sein Nachfolger Joe Biden stoppte die Pläne dann nach seinem Amtsantritt.
Auch während des ersten Jahres seiner zweiten Amtszeit brachte Trump gelegentlich eine US-Truppenreduktion in Europa und insbesondere in Deutschland ins Spiel, wenn er mit politischen Entscheidungen oder Äusserungen europäischer Regierungen nicht zufrieden war. Allgemein zeigt Trump regelmässig eine kritische Grundhaltung gegenüber der Politik in Europa.
Im Falle von Deutschland schienen die Wogen zuletzt jedoch geglättet. Noch im März hatte Trump dem Bundeskanzler nach dessen Angaben zugesagt, dass die USA an ihrer Truppenpräsenz in Deutschland festhalten wollten. «Das ist eine gute Nachricht, die ich aber auch anders nicht erwartet habe», sagte der CDU-Vorsitzende in Washington damals nach einem Treffen mit Trump.
Verhältnis zwischen Merz und Trump nach Kritik angeknackst
Merz und Trump pflegten trotz des Kurswechsels der US-Politik im vergangenen Jahr eigentlich über Monate hinweg ein recht gutes Verhältnis zueinander. Die Aussagen von Merz bezüglich der fehlenden Exit-Strategie der USA im Iran-Krieg gerieten Donald Trump aber in den falschen Hals. Merz sagte über den Grund für die US-Probleme im Krieg unter anderem bei einer Diskussion mit Schülern:
«Das Problem bei solchen Konflikten ist immer: Da muss man ja nicht nur rein, da muss man auch wieder raus. Das haben wir ganz schmerzhaft bei Afghanistan gesehen, 20 Jahre lang. Wir haben das im Irak gesehen», so der Bundeskanzler weiter. Deshalb sei es umso schwerer, den Konflikt nun wieder zu beenden. «Zumal die Iraner offensichtlich sehr geschickt verhandeln – oder eben sehr geschickt nicht verhandeln», sagte Merz.
Merz ist derweil nicht der erste Spitzenpolitiker in Europa, den Trump massiv attackiert. So sind auch der britische Premierminister Keir Starmer und der französische Präsident Emmanuel Macron bei dem Republikaner in Ungnade gefallen. Zuletzt krachte es nach der Kritik des US-Präsidenten am Papst sogar zwischen ihm und der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
con mit Material der Nachrichtenagenturen sda und dpa.
