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Trump macht Ernst: Was der Truppen-Teilabzug aus Europa bedeutet

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US-Soldaten Ende April während eines Manövers auf dem deutschen Nato-Stützpunkt Hohenfels in Bayern.Bild: keystone

Trump macht Ernst: Was der Truppen-Teilabzug aus Europa bedeutet

Die 10 wichtigsten Fragen und Antworten zu Donald Trumps angekündigtem Truppenabzug aus Europa.
04.05.2026, 06:5804.05.2026, 06:58
Bojan Stula
Bojan Stula

Vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen Präsident Donald Trump und dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz ordnet die US-Regierung den Teilabzug von Soldaten aus Deutschland an. Rund 5000 von ihnen sollen in den nächsten sechs bis zwölf Monaten verlegt werden – nach Trumps Worten könnten es am Ende sogar «weit mehr» sein.

Der offizielle Grund: eine Prüfung der Truppenpräsenz in Europa und der Anforderungen der Einsatzgebiete insgesamt.

Wie sind die Amerikaner bisher in Deutschland aufgestellt?

Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April rund 86'000 Soldaten in Europa stationiert – davon rund 39'000 in Deutschland. Die Zahl verändert sich regelmässig, auch wegen Rotationen und Übungen. Im Dezember 2025 hatte das US-Militär die Zahl der US-Soldaten in Deutschland noch mit knapp 36'500 angegeben.

Damit ist Deutschland nach Japan der zweitgrösste US-Militärstandort ausserhalb der USA. Der Ursprung dafür liegt im Kalten Krieg. Auch heute noch schützen die US-Stützpunkte Europa vor möglichen russischen Aggressionen. Zudem sind sie strategisch sinnvoll für ein Land wie die USA, das von vielen Konfliktregionen der Welt weit entfernt liegt.

Welche Truppen sollen abgezogen werden?

Dazu gibt es bisher nur spärliche Angaben. Nach einem Bericht der «Washington Post» geht es um zwei Elemente. Einerseits sei der Abzug eines «Armored Brigade Combat Teams» geplant, also einer Kampfbrigade, wie die Zeitung unter Berufung auf einen Vertreter des Verteidigungsministeriums berichtet. Eine solche Brigade hat die US Army derzeit im Rahmen der «Operation Atlantic Resolve» in Deutschland stationiert, die 2014 von den USA als Reaktion auf die russische Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim gestartet wurde, um Nato-Partner zu unterstützen.

Diese Kampftruppen rotieren, das heisst, sie sind befristet in Deutschland stationiert und werden dann durch andere Verbände abgelöst. Die US Army könnte also entscheiden, diese Rotation zu stoppen.

Was ist zusätzlich geplant?

Der zweite Teil der US-Pläne betrifft laut «Washington Post» die für dieses Jahr geplante Stationierung eines Bataillons für den Einsatz weitreichender Waffen. Darauf wolle das Verteidigungsministerium nun verzichten.

Damit dürfte auch die von Trumps Vorgänger Joe Biden beim Nato-Gipfel 2024 versprochene Stationierung von Mittelstreckenwaffen mit konventionellen Sprengköpfen infrage stehen. Biden hatte die Bereitstellung von Marschflugkörpern vom Typ Tomahawk mit einer Reichweite von bis zu 2500 Kilometern, Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen für 2026 in Aussicht gestellt. Trump hatte sich bisher nicht zur damaligen Entscheidung Bidens bekannt, sie aber auch nicht zurückgenommen. Von der US-Regierung war dazu auf Anfrage nichts zu erfahren.

Was bedeutet das für die Sicherheit Europas und der Nato?

Die Verlagerung der Kampftruppen dürfte zu verkraften sein. Biden hatte noch vor der russischen Invasion im Februar 2022 angesichts von Putins Truppenaufmarsch die Truppenstärke in Europa erhöht. Damals schickte er 2000 zusätzliche Soldaten nach Deutschland und Polen und verlagerte 1000 Soldaten von Deutschland nach Rumänien.

Jetzt wird das Rad zurückgedreht. Überraschend kommt das nicht, da die Trump-Regierung die Europäer schon seit längerer Zeit dazu drängt, selbst für ihre Sicherheit zu sorgen. Die drastische Erhöhung der Verteidigungsausgaben der Nato-Bündnispartner ist das Ergebnis.

Gravierender wäre ein Verzicht auf die Stationierung der Mittelstreckenraketen, mit welcher Deutschland fest gerechnet hatte. Dafür müsste nun eine Alternative gefunden werden.

Welche Standorte sind betroffen?

Das ist noch unklar. Die Verringerung der Kampftruppen könnte am ehesten die Standorte in Bayern treffen, also Grafenwöhr, Vilseck und Hohenfels. Aber konkrete Pläne sind nicht bekannt. Auf die Schliessung ganzer US-Standorte deutet bisher nichts hin.

Was bedeutet die Entscheidung für das deutsch-amerikanische Verhältnis?

Nach dem «Traumstart» im Weissen Haus vergangenen Juni haben sich die Beziehungen zwischen Trump und Merz im Zuge des Iran-Kriegs dramatisch verschlechtert – und das binnen weniger Tage. Ausgangspunkt war offenbar Merz' scharfe Kritik am vergangenen Montag am Vorgehen der USA im Iran-Krieg. Der US-Präsident feuerte daraufhin heftig zurück: Merz habe keine Ahnung, wovon er rede, und sei mit Blick auf den Ukraine-Krieg «völlig wirkungslos geblieben», sagte Trump. «Ich meine, er hat einen schrecklichen Job gemacht.»

Am vergangenen Freitag kündigte Trump dann gleich zwei Massnahmen an, die Deutschland treffen: den Abzug der Soldaten, die mit ihrer Präsenz nicht nur ein Wirtschafts-, sondern auch ein Sicherheitsfaktor für Deutschland sind, und die Erhöhung der Zölle auf Autos und Lastwagen aus der EU – die den mit Abstand grössten Autobauer Europas, Deutschland, besonders treffen dürften.

Wie reagiert die deutsche Regierung?

Die Bundesregierung versucht, wie man so schön sagt, den Ball flach zu halten. Sie will den Konflikt mit Trump auf keinen Fall weiter eskalieren. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) machte deutlich, dass die Entscheidung nicht unerwartet kommt. Dass die USA Truppen aus Europa und auch aus Deutschland abziehen würden, «war absehbar», sagte er.

Er betonte, dass die US-Truppenpräsenz in Deutschland auch im amerikanischen Interesse sei.

«Mit den Amerikanern arbeiten wir eng zusammen, in Ramstein, in Grafenwöhr, in Frankfurt und anderswo, für Frieden und Sicherheit in Europa, für die Ukraine und zur gemeinsamen Abschreckung.»
epa12919768 German Defense Minister Boris Pistorius gestures during a press statement at the Defense Ministry in Berlin, Germany, 28 April 2026. The press statement was held on the occasion of a joint ...
Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius.Bild: keystone

Gibt es kritische Reaktionen aus den USA?

Ja. Führende Sicherheitspolitiker der Republikanischen Partei warnen ungewöhnlich deutlich vor Trumps Entscheid. Der Abzug gefährde die Abschreckung gegenüber Russland und sende «das falsche Signal» an Wladimir Putin.

Das schrieben Senator Roger Wicker aus Mississippi und der Abgeordnete Mike Rogers aus Alabama in einer gemeinsamen Stellungnahme am Wochenende. Beide sitzen dem jeweiligen Streitkräfte-Ausschuss der beiden Parlamentskammern vor.

epa12738009 US Senator Roger F. Wicker speaks at a panel discussion during the 62nd Munich Security Conference (MSC) at the hotel 'Bayerischer Hof', in Munich, Germany, 14 February 2026. The ...
Roger Wicker sieht den Truppenabzug kritisch.Bild: keystone

Kommt es tatsächlich zum Abzug?

Theoretisch ist es möglich, dass die US-Regierung die Ankündigung nur als Druckmittel einsetzt – und dann wieder einlenkt. Darauf deutet zurzeit aber nichts hin.

Grundsätzlich gibt es für den Abzug von US-Truppen aus Europa gesetzliche Hürden. Der US-Kongress hatte vergangenes Jahr einen Sicherheitsmechanismus beschlossen: Die Gesamtzahl der Streitkräfte, die dauerhaft im Zuständigkeitsbereich des Europa-Kommandos sind, darf nicht länger als 45 Tage unter 76'000 liegen.

Mit einer Reduzierung um 5000 Soldaten würden die USA diese Zahl nicht unterschreiten. Die Frage ist viel mehr, ob Trump wirklich noch einen draufsetzt. Zuletzt hatte er auch einen Teilabzug in Italien und Spanien ins Spiel gebracht.

Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit angekündigt, er wolle 12'000 der seinerzeit rund 35'000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Er beschrieb das Vorhaben damals als Strafaktion für die aus seiner Sicht mangelnden deutschen Militärausgaben. Doch sein Nachfolger Biden stoppte die Pläne.

Welche Bedeutung haben die deutschen Stützpunkte für das US-Militär?

Eine sehr grosse. So befindet sich etwa das grösste US-Militärkrankenhaus im Ausland in Landstuhl in Rheinland-Pfalz. Fiele dieses weg, müssten US-Soldaten, die in Nahost verwundet werden, den weiten Weg in die USA überstehen. Die Ramstein Air Base (Rheinland-Pfalz) ist zudem die zentrale Luftdrehscheibe für Europa und den Nahen Osten. (aargauerzeitung.ch)

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Die beliebtesten Kommentare
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savanna
04.05.2026 07:11registriert April 2026
Eine Besetzungsmacht droht damit, ein Land nicht mehr zu besetzen?
379
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dega
04.05.2026 07:28registriert Mai 2021
'sende «das falsche Signal» an Wladimir Putin.'

Nein Krasnow macht nur, was der Meister befiehlt!
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