International
EU

Ungarn: Orbán soll mit Geheimdienst gegen Opposition vorgegangen sein

epa12822354 President of the opposition Tisza Party, Peter Magyar addresses his supporters during the National March in Budapest, Hungary, 15 March 2026, on the occasion of the national holiday to mar ...
Peter Magyar will an den Wahlen im April die Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orbán vom Thron stossen. Bild: keystone

Orbán in Ungarn in Bedrängnis: Konkurrent Magyar erhebt schwere Vorwürfe

Bei der ungarischen Parlamentswahl könnte Viktor Orbán abgewählt werden. Jetzt erhebt sein Konkurrent schwere Vorwürfe gegen den Ministerpräsidenten.
25.03.2026, 07:4625.03.2026, 07:46
Marisa Lattemann / t-online
Ein Artikel von
t-online

Péter Magyar, Vorsitzender der ungarischen Oppositionspartei Tisza, hat Viktor Orbán vorgeworfen, mit Hilfe der ungarischen Nachrichtendienste gegen seine Partei vorgegangen zu sein. Auf X schrieb Magyar am Dienstag, die durch einen investigativen Bericht der Nachrichtenseite «Direkt36» bekannt gewordenen Ergebnisse überschritten «jede Grenze». Er sprach von einem «versuchten Putsch gegen Ungarn» und kündigte an, eine mögliche künftige Regierung seiner Tisza-Partei werde politische Verantwortliche und Geheimdienstchefs juristisch zur Rechenschaft ziehen.

«Eine Welt, die auf Lügen aufgebaut war, ist zerbrochen. Ungarische Geheimdienste haben auf Anweisung von Viktor Orbán und seinem engsten Kreis gegen die Tisza-Partei gearbeitet, die einen Regierungswechsel vorbereitet», schrieb Magyar. Diese Angelegenheit, die er das «Orbán-Gate» nennt, erinnere an die dunkelsten Tage des Kommunismus und sei sogar schwerwiegender als der Watergate-Skandal, der seinerzeit den US-Präsidenten Richard Nixon zu Fall brachte.

Hintergrund sind Recherchen von «Direkt36» über einen Fall aus dem Juli 2025. Damals durchsuchten Ermittler der Cybercrime-Abteilung des Nationalen Ermittlungsbüros laut den Berichten die Wohnungen zweier IT-Spezialisten aus dem Umfeld der Tisza-Partei. Anlass war demnach eine anonyme Anzeige wegen des Verdachts auf Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder. Auf den beschlagnahmten Geräten fanden die Ermittler laut «Direkt36» jedoch keine Beweise für den Vorwurf.

Weiter heisst es in dem Bericht, ein Unbekannter mit dem Decknamen «Henry» habe versucht, einen der jungen Informatiker aus dem Tisza-Umfeld für seine Zwecke anzuwerben. Er soll ihn gedrängt haben, interne Informationen weiterzugeben und sich wieder Zugang zu Parteisystemen zu verschaffen. Im Gegenzug habe er Geld, Schutz und Unterstützung in Aussicht gestellt.

Aus den Chats, über die «Direkt36» berichtet, soll auch hervorgehen, dass das Ziel darin bestanden habe, die Kontrolle über Teile der Tisza-Infrastruktur zu gewinnen und diese vor der Parlamentswahl lahmzulegen. Belege dafür, wer hinter «Henry» stand, legte das Portal nicht vor.

Hungary's Prime Minister Viktor Orban arrives for the EU summit at the European Council building in Brussels, Thursday, March 19, 2026. (AP Photo/Geert Vanden Wijngaert)
Viktor Orban
Viktor Orbán soll gegen die Oppositionspartei Tisza mithilfe des Nachrichtendienstes vorgegangen sein.Bild: keystone

Berichte über Geheimdienst-Druck

Brisant ist vor allem der Vorwurf, ungarische Dienste hätten das Verfahren von Anfang an geprägt. Nach den Recherchen von «Direkt36» soll das Verfassungsschutzamt noch vor Eingang der Anzeige bei der Polizei auf ein rasches Vorgehen gedrängt haben. Zudem soll bei einer der Durchsuchungen ein Spezialist des technischen Nachrichtendienstes NBSZ anwesend gewesen sein. Beide Behörden stehen in Ungarn unter enger Regierungsaufsicht. Laut Bericht untersteht die Kontrolle der zivilen Dienste seit 2022 der vom Orbán-Vertrauten Antal Rogán geführten Kanzlei des Ministerpräsidenten.

«Direkt36» stützt seine Darstellung auf Ermittlungsakten, Chatverläufe und Quellen mit Einblick in das Verfahren. Demnach sollen die ermittelnden Beamten selbst den Verdacht entwickelt haben, auf Spuren einer politischen oder geheimdienstlichen Operation gestossen zu sein. Zugleich soll ihnen untersagt worden sein, genauer zu prüfen, wer hinter «Henry» steht. Eine unabhängige Bestätigung dieser Vorwürfe liegt bislang nicht vor.

Am 12. April finden die ungarischen Parlamentswahlen statt. In Umfragen führt Magyars Tisza-Partei vor der Fidesz-Partei von Ministerpräsident Orbán. Dieser regiert seit 16 Jahren mit absoluter Mehrheit.

Verwendete Quellen:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die Partisanenrepublik von Ossola
1 / 24
Die Partisanenrepublik von Ossola

Im Herbst 1944 befreiten Partisanenverbände ein beachtliches Gebiet rund um Domodossola von den Deutschen und Faschisten und gründeten eine eigene Republik, die gut einen Monat lang Bestand hatte. Mehr dazu: Die Partisanen-Republik von Ossola

... Mehr lesen
quelle: archivio fotografico istituto storico / piero fornara / fondo resistenza
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Chile will eine Mauer an der Grenze zu Peru bauen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
11 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
MarGo
25.03.2026 08:02registriert Juni 2015
Das wird niemand wirklich verwundern und ich bin sicher, dass das erst der Anfang ist. Orban wird noch dreckiger werden. Würde mich auch nicht erstaunen, wenn Magyar noch verhaftet/angeklagt wird in den nächsten zwei Wochen.
270
Melden
Zum Kommentar
avatar
ZinName
25.03.2026 08:20registriert Juli 2024
Das wäre etwas vom besten was dieses Jahr Europa passieren könnte. Das Orban abgewählt wird.
Aber wirklich glauben, dass dies überhaupt noch möglich ist, werde ich erst wen der Regierungswechsel offiziell statt gefunden hat.
250
Melden
Zum Kommentar
11
Nach andauernden Regenfällen in Kenia schon mehr als 80 Tote
Nach heftigen Regenfällen in Kenia sind in dem ostafrikanischen Land nach Angaben des Innenministeriums bereits mindestens 88 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 34'000 Menschen mussten bisher vor den Wassermassen fliehen.
Zur Story