Orbán in Ungarn in Bedrängnis: Konkurrent Magyar erhebt schwere Vorwürfe
Péter Magyar, Vorsitzender der ungarischen Oppositionspartei Tisza, hat Viktor Orbán vorgeworfen, mit Hilfe der ungarischen Nachrichtendienste gegen seine Partei vorgegangen zu sein. Auf X schrieb Magyar am Dienstag, die durch einen investigativen Bericht der Nachrichtenseite «Direkt36» bekannt gewordenen Ergebnisse überschritten «jede Grenze». Er sprach von einem «versuchten Putsch gegen Ungarn» und kündigte an, eine mögliche künftige Regierung seiner Tisza-Partei werde politische Verantwortliche und Geheimdienstchefs juristisch zur Rechenschaft ziehen.
«Eine Welt, die auf Lügen aufgebaut war, ist zerbrochen. Ungarische Geheimdienste haben auf Anweisung von Viktor Orbán und seinem engsten Kreis gegen die Tisza-Partei gearbeitet, die einen Regierungswechsel vorbereitet», schrieb Magyar. Diese Angelegenheit, die er das «Orbán-Gate» nennt, erinnere an die dunkelsten Tage des Kommunismus und sei sogar schwerwiegender als der Watergate-Skandal, der seinerzeit den US-Präsidenten Richard Nixon zu Fall brachte.
Hintergrund sind Recherchen von «Direkt36» über einen Fall aus dem Juli 2025. Damals durchsuchten Ermittler der Cybercrime-Abteilung des Nationalen Ermittlungsbüros laut den Berichten die Wohnungen zweier IT-Spezialisten aus dem Umfeld der Tisza-Partei. Anlass war demnach eine anonyme Anzeige wegen des Verdachts auf Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder. Auf den beschlagnahmten Geräten fanden die Ermittler laut «Direkt36» jedoch keine Beweise für den Vorwurf.
Weiter heisst es in dem Bericht, ein Unbekannter mit dem Decknamen «Henry» habe versucht, einen der jungen Informatiker aus dem Tisza-Umfeld für seine Zwecke anzuwerben. Er soll ihn gedrängt haben, interne Informationen weiterzugeben und sich wieder Zugang zu Parteisystemen zu verschaffen. Im Gegenzug habe er Geld, Schutz und Unterstützung in Aussicht gestellt.
Aus den Chats, über die «Direkt36» berichtet, soll auch hervorgehen, dass das Ziel darin bestanden habe, die Kontrolle über Teile der Tisza-Infrastruktur zu gewinnen und diese vor der Parlamentswahl lahmzulegen. Belege dafür, wer hinter «Henry» stand, legte das Portal nicht vor.
Berichte über Geheimdienst-Druck
Brisant ist vor allem der Vorwurf, ungarische Dienste hätten das Verfahren von Anfang an geprägt. Nach den Recherchen von «Direkt36» soll das Verfassungsschutzamt noch vor Eingang der Anzeige bei der Polizei auf ein rasches Vorgehen gedrängt haben. Zudem soll bei einer der Durchsuchungen ein Spezialist des technischen Nachrichtendienstes NBSZ anwesend gewesen sein. Beide Behörden stehen in Ungarn unter enger Regierungsaufsicht. Laut Bericht untersteht die Kontrolle der zivilen Dienste seit 2022 der vom Orbán-Vertrauten Antal Rogán geführten Kanzlei des Ministerpräsidenten.
«Direkt36» stützt seine Darstellung auf Ermittlungsakten, Chatverläufe und Quellen mit Einblick in das Verfahren. Demnach sollen die ermittelnden Beamten selbst den Verdacht entwickelt haben, auf Spuren einer politischen oder geheimdienstlichen Operation gestossen zu sein. Zugleich soll ihnen untersagt worden sein, genauer zu prüfen, wer hinter «Henry» steht. Eine unabhängige Bestätigung dieser Vorwürfe liegt bislang nicht vor.
Am 12. April finden die ungarischen Parlamentswahlen statt. In Umfragen führt Magyars Tisza-Partei vor der Fidesz-Partei von Ministerpräsident Orbán. Dieser regiert seit 16 Jahren mit absoluter Mehrheit.
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