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Ausschluss von Ungarn aus der EU: Ist das möglich?

Hungary's Prime Minister Viktor Orban arrives for the EU summit at the European Council building in Brussels, Thursday, March 19, 2026. (AP Photo/Omar Havana)
Viktor Orban
Ungarn hat am Donnerstag die Finanzhilfen für die Ukraine blockiert.Bild: keystone

Kann die EU Ungarn einfach ausschliessen? Es ist kompliziert

20.03.2026, 10:5920.03.2026, 11:36

Die Ukraine muss weiter auf die milliardenschwere Finanzhilfe der Europäischen Union (EU) warten. Diese wurde beim Gipfeltreffen am Donnerstag vom ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban blockiert – obwohl dieser im Dezember eigentlich bereits zugestimmt hatte.

Der deutsche Kanzler Friedrich Merz hatte Orbans Verhalten beim EU-Gipfel als «Akt grober Illoyalität» bezeichnet, der Konsequenzen haben werde. Orban hingegen zeigte sich unbeeindruckt.

Doch wie könnten solche Konsequenzen für Ungarn eigentlich aussehen? Können die übrigen EU-Mitgliedstaaten Ungarn gar aus der Union werfen? Die Kurzantwort: Nein. Aber es gibt durchaus Massnahmen, die die EU ergreifen könnte.

Das droht Ungarn

Wer die Europäische Union verlassen will, kann das – wie das Beispiel Grossbritannien zeigt – tun. Ein Rauswurf hingegen ist rechtlich nicht geregelt. Das schärfste Schwert, welches die EU gegen abtrünnige Mitgliedstaaten führen kann, ist die Suspensionsklausel, welche in Artikel 7 des EU-Vertrages geregelt ist. Diese drei Stufen hat das Verfahren:

  1. Warnung: Die EU muss Mitgliedstaaten bei anhaltender Missachtung rechtsstaatlicher Grundlagen zuerst verwarnen. Dafür ist die Zustimmung von vier Fünfteln der Mitglieder nötig und ist im Falle Ungarns bereits 2018 geschehen.
  2. Beschluss: Bevor Sanktionen in Kraft treten, muss der Europäische Rat einstimmig feststellen, dass eine «schwerwiegende und anhaltende Verletzung» vorliegt.
  3. Sanktionen: Erst dann kann die EU Sanktionen wie den Entzug des Stimmrechts im Rat oder die Einschränkung anderer Mitgliedrechte erlassen.

Bei Ungarn scheiterte dieses Verfahren jeweils an Polen. Gegen beide Mitgliedstaaten wurde bereits eine Warnung ausgesprochen, nun schützen sie sich gegenseitig vor einem Beschluss – der einstimmig erfolgen muss – und damit vor Sanktionen. Auch die Slowakei und Tschechien stehen einem solchen Beschluss kritisch gegenüber.

Diesen Weg kann die EU aktuell also nicht beschreiten, die dafür benötigte Einstimmigkeit ist nicht gegeben. Es bleibt der juristische Weg über den Europäischen Gerichtshof und die Kürzung oder die komplette Einfrierung von EU-Geldern. Für letzteres ist nur eine qualifizierte Mehrheit (15 von 27 Ländern) nötig. Seit 2022 hat die Europäische Union Gelder für Ungarn in Milliardenhöhe eingefroren.

Warum Ungarn die Ukrainehilfe blockiert

FILE - A general view of a pumping station at the end of the Druzhba oil pipeline in the east German refinery PCK in Schwedt, Wednesday, Jan. 10, 2007. (AP Photo/Sven Kaestner, File)
Hungary Ukraine D ...
Die Pumpstation am Ende der Druschba-Pipline.Bild: keystone

Viktor Orban beruft sich aktuell darauf, dass die Ukraine die Erdölpipeline Druschba «willkürlich abgedreht» hätte. Durch sie erhalten Ungarn und die Slowakei als die einzigen EU-Länder noch Öl aus Russland, das einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt.

Tatsächlich hatte ein russischer Raketenangriff Ende Januar die Pipeline im Westen der Ukraine schwer beschädigt. Nach Darstellung Kiews brauche die Reparatur noch Zeit. Orban will seine Blockade erst aufgeben, wenn wieder russisches Öl nach Ungarn fliesst.

epa12822354 President of the opposition Tisza Party, Peter Magyar addresses his supporters during the National March in Budapest, Hungary, 15 March 2026, on the occasion of the national holiday to mar ...
Fordert Viktor Orban heraus: Peter Magyar.Bild: keystone

Der Rechtspopulist steht in seiner Heimat vor einer Parlamentswahl, die er verlieren könnte. Mit dem Schüren von Konflikten mit der Ukraine erhofft er sich laut Beobachtern, den Rückstand gegenüber dem Herausforderer Peter Magyar bis zum Wahltag am 12. April aufholen zu können. (leo mit Material der sda)

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38 Kommentare
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Vision2060
20.03.2026 11:39registriert April 2021
Die Einstimmigkeit bei der EU ist der grösste Fehler im Vertrag. Eine qualifizierte Mehrheit bei Entscheidungen wäre viel besser gewesen. So wie jetzt ist die EU immer Erpressbar.
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Räumlichkeit
20.03.2026 12:17registriert Juni 2021
Alternativ wäre auch ein kollektiver Austritt mit anschliessender Neugründung möglich, was gleichzeitig Gelegenheit wäre, längst bekannte Fehlkonstruktionen zu beheben
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38
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