Sie jagen Lastwagen voller Kokain – und erzählen davon
Mit geschärftem Blick scannen die Zöllner von Saint-Étienne pausenlos die Lastwagen auf der Autobahn. Im März machten sie einen «Ausnahmefund»: Über eine Tonne Kokain auf der A7. Die Strecke entwickelt sich immer mehr zur Transitroute für Drogenhändler – von Südeuropa Richtung Norden.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Kurz vor dem Osterwochenende übernimmt ein Zöllner mit dem Spitznamen «Bernie» wieder die Einsatzleitung bei Strassenkontrollen an der Mautstelle Veauchette auf der A72. Mit dabei: ein Hundeführer mit seinem Labrador «Pat» (beide heissen so) – und ein Beamter mit Langwaffe, der für die nötige Sicherheit sorgt.
Versteckt in Säcken voller Blumenerde
Schon am 23. März stand «Bernie» als sogenannter «Targeter» im Einsatz, als ihm ein Lastwagen sofort verdächtig vorkam. «Der Laster kam rein – und ich hatte direkt ein gutes Gefühl», erzählt er mit einem gewissen Stolz. Normalerweise ist er eher grosse Cannabis-Funde entlang der Rhone-Achse gewohnt.
Eine ganze Reihe von Hinweisen brachte die Zöllner an diesem Tag auf die richtige Spur: Am Ende stellten sie 1,2 Tonnen Kokain sicher – versteckt am Boden von 22 riesigen Säcken voller Blumenerde. Es ist die drittgrösste Sicherstellung dieser Droge auf dem Landweg in Frankreich in den letzten fünf Jahren. Der Zöllner erzählt weiter:
Neben ihm pflichtet Renaud bei, der Leiter der Zollbrigade von Saint-Étienne mit ihren 25 Einsatzkräften:
Alternative Routen
Produziert in Kolumbien, Peru und Bolivien, gelangt Kokain normalerweise über grosse Häfen wie Le Havre, Rotterdam oder Antwerpen auf den europäischen Markt. Doch weil die Kontrollen verschärft wurden, weichen die Schmuggler aus: Sie kommen vermehrt über Barcelona und Lissabon rein – und bringen die Ware dann per Lkw Richtung Nordeuropa.
Die am 23. März an der Mautstelle Vienne auf der A7 sichergestellte Ladung war auf der iberischen Halbinsel verladen worden – mit Ziel Nordeuropa. Corinne Cléostrate, Vizedirektorin für Betrugsbekämpfung, erklärt:
2025 wurden in Frankreich laut der Anti-Drogenbehörde (Ofast) insgesamt 84,3 Tonnen Kokain sichergestellt. Davon kamen 59,5 Tonnen über den Seeweg. Auffällig: 11 Tonnen wurden über Spanien und Portugal eingeschleust – im Jahr zuvor waren es noch 1,7 Tonnen. Allein der französische Zoll zog 2025 insgesamt 31,26 Tonnen aus dem Verkehr.
Den Kriminellen «das Leben schwer machen»
An der Mautstelle Veauchette nehmen die Beamten die Lastwagen genau unter die Lupe. Einer davon, mit rumänischen Kennzeichen, fällt ihnen auf. Der Lkw wird rausgewinkt, kontrolliert – und die Ladung von Spürhund «Pat» überprüft. Alles sauber: Der Fahrer darf weiterfahren, die Zöllner suchen weiter. Jean-Pierre Chappuis, Zolldirektor in Clermont-Ferrand, sagt:
Der Umsatz des Drogenhandels in Frankreich wurde von den Behörden für 2025 auf rund 7 Milliarden Euro geschätzt. (btr/afp)
