International
Drogen

Auf der Autobahn in Frankreich werden grosse Drogenmengen sichergestellt

Les douanes françaises effectuent de plus en plus de contrôles sur les autoroutes pour contrer les trafiquants de drogue.
Der französische Zoll führt zunehmend Kontrollen auf den Autobahnen durch, um gegen Drogenhändler vorzugehen.bild: Montage Watson

Sie jagen Lastwagen voller Kokain – und erzählen davon

Mit der steigenden Zahl an Sicherstellungen müssen Drogenkartelle neue Wege finden, um den Kontrollen zu entgehen. In Frankreich patrouilliert der Zoll auf der Autobahn.
Cet article est également disponible en français. Lisez-le maintenant!
05.04.2026, 17:2305.04.2026, 17:23
Sabine Colpart

Mit geschärftem Blick scannen die Zöllner von Saint-Étienne pausenlos die Lastwagen auf der Autobahn. Im März machten sie einen «Ausnahmefund»: Über eine Tonne Kokain auf der A7. Die Strecke entwickelt sich immer mehr zur Transitroute für Drogenhändler – von Südeuropa Richtung Norden.

Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

Kurz vor dem Osterwochenende übernimmt ein Zöllner mit dem Spitznamen «Bernie» wieder die Einsatzleitung bei Strassenkontrollen an der Mautstelle Veauchette auf der A72. Mit dabei: ein Hundeführer mit seinem Labrador «Pat» (beide heissen so) – und ein Beamter mit Langwaffe, der für die nötige Sicherheit sorgt.

Versteckt in Säcken voller Blumenerde

Schon am 23. März stand «Bernie» als sogenannter «Targeter» im Einsatz, als ihm ein Lastwagen sofort verdächtig vorkam. «Der Laster kam rein – und ich hatte direkt ein gutes Gefühl», erzählt er mit einem gewissen Stolz. Normalerweise ist er eher grosse Cannabis-Funde entlang der Rhone-Achse gewohnt.

Eine ganze Reihe von Hinweisen brachte die Zöllner an diesem Tag auf die richtige Spur: Am Ende stellten sie 1,2 Tonnen Kokain sicher – versteckt am Boden von 22 riesigen Säcken voller Blumenerde. Es ist die drittgrösste Sicherstellung dieser Droge auf dem Landweg in Frankreich in den letzten fünf Jahren. Der Zöllner erzählt weiter:

«Auf der A7 findet man so ziemlich alles! Wir haben hier einen riesigen Lkw-Verkehr, ganz anders als in anderen Regionen Frankreichs. Die Trucks kommen von überall her und fahren überall hin – entsprechend schwierig ist es, die richtigen Fahrzeuge für Kontrollen rauszupicken. Und mit dem zunehmenden Schmuggel? Wer weiss, vielleicht erwischen wir ja bald noch grössere Mengen.»

Neben ihm pflichtet Renaud bei, der Leiter der Zollbrigade von Saint-Étienne mit ihren 25 Einsatzkräften:

«Wir müssen damit rechnen, dass aus Südeuropa grosse Mengen nach oben geschleust werden. Und ehrlich gesagt: Ich fürchte, das ist ein Phänomen, das so schnell nicht wieder verschwindet.»

Alternative Routen

Produziert in Kolumbien, Peru und Bolivien, gelangt Kokain normalerweise über grosse Häfen wie Le Havre, Rotterdam oder Antwerpen auf den europäischen Markt. Doch weil die Kontrollen verschärft wurden, weichen die Schmuggler aus: Sie kommen vermehrt über Barcelona und Lissabon rein – und bringen die Ware dann per Lkw Richtung Nordeuropa.

Die am 23. März an der Mautstelle Vienne auf der A7 sichergestellte Ladung war auf der iberischen Halbinsel verladen worden – mit Ziel Nordeuropa. Corinne Cléostrate, Vizedirektorin für Betrugsbekämpfung, erklärt:

«Diese Kokain-Route hat in den letzten anderthalb Jahren deutlich zugelegt – und zwar mit Sicherstellungen in richtig grossen Mengen. Solche Volumen haben wir früher so nicht gesehen.»

2025 wurden in Frankreich laut der Anti-Drogenbehörde (Ofast) insgesamt 84,3 Tonnen Kokain sichergestellt. Davon kamen 59,5 Tonnen über den Seeweg. Auffällig: 11 Tonnen wurden über Spanien und Portugal eingeschleust – im Jahr zuvor waren es noch 1,7 Tonnen. Allein der französische Zoll zog 2025 insgesamt 31,26 Tonnen aus dem Verkehr.

Den Kriminellen «das Leben schwer machen»

An der Mautstelle Veauchette nehmen die Beamten die Lastwagen genau unter die Lupe. Einer davon, mit rumänischen Kennzeichen, fällt ihnen auf. Der Lkw wird rausgewinkt, kontrolliert – und die Ladung von Spürhund «Pat» überprüft. Alles sauber: Der Fahrer darf weiterfahren, die Zöllner suchen weiter. Jean-Pierre Chappuis, Zolldirektor in Clermont-Ferrand, sagt:

«Der Kampf gegen diese kriminellen Organisationen wird immer härter – sie haben oft mehr Geld als wir. Wir versuchen, ihre Methoden zu verstehen und ihnen einen Schritt voraus zu sein. Aber sie versuchen ständig, unsere Linien zu durchbrechen. Und die erste Linie ist der Zoll. Mit dieser Sicherstellung von 1,2 Tonnen haben wir einer Organisation finanziell wehgetan. Wir haben sie nicht in die Knie gezwungen – aber wir zwingen sie, ihre Pläne zu überdenken.»

Der Umsatz des Drogenhandels in Frankreich wurde von den Behörden für 2025 auf rund 7 Milliarden Euro geschätzt. (btr/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Bootsanlegesteg im Hafen Tiefenbrunnen in Zürich gesunken
1 / 7
Bootsanlegesteg im Hafen Tiefenbrunnen in Zürich gesunken

In der Nacht auf Donnerstag ist im Zürcher Hafen Tiefenbrunnen ein grosser Teil der Betonmole versunken.

quelle: brk news
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Megastau vor dem Gotthard verzögert Osterferien für Tausende Reisende
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
43 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
43
Ukraine setzt russische Ölanlagen in Brand ++ Kiew US-Delegation nach Ostern
Die aktuellsten Nachrichten zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und den geopolitischen Auswirkungen im Liveticker.
Zur Story