Von wegen «Ocean's Eleven» – was wir über die Louvre-Täter wissen
Fünf Monate nach dem spektakulären Einbruch in den Pariser Louvre gehen die Fahnder davon aus, dass sich die Beute im Grossraum Paris befindet. Das schreibt die Zeitung «Le Parisien» in ihrer neusten Ausgabe. Demnach konzentrieren sich die Ermittlungen auf zwei Vororte: zum einen nördlich von Paris auf Aubervilliers, wo mehrere der Einbrecher herstammen, sowie auf Ivry-sur-Seine im Südosten von Paris, wo die Fluchtfahrzeuge aufgefunden worden waren. Die acht bisher unauffindbaren Schmuckstücke werden auf einen Wert von 88 Millionen Euro geschätzt.
Ein neuntes Juwel, das Diadem der Kaiserin Eugénie, der Gemahlin von Napoleon III., hatten die Gauner am 19. Oktober auf der Flucht aus der Apollo-Galerie fallen- und liegen lassen. Es ist beschädigt, die 56 Smaragde und 1354 Diamanten sind aber vollständig; ein kleiner Goldadler und «ein Dutzend» winziger Diamantstücke scheinen aber laut Parisien verloren zu sein. Fünf Experten bekannter Juwelierhäuser haben sich kürzlich getroffen, um über die Restaurierung der Krone zu beraten.
Dass das unschätzbare Kaiserdiadem den Einbrechern entfiel, war nur eines ihrer gröbsten Fehler. Sie waren keine ausgefuchsten Profis oder subtilen Gentlemen-Gauner: Unter anderem liessen sie ihre Fingerabdrücke auf den Glasvitrinen zurück, dazu DNA-Spuren auf dem Fluchtfahrzeug. Nach allen Presseenthüllungen handelt es sich um armselige Banlieue-Kriminelle, die in schmutzigen Absteigen lebten und teils unter Depressionen leiden.
Die vier Jugend- und Schulfreunde bildeten auch keine eigentliche Verbrecherbande. Einer der beiden Einbrecher, Ghemalallah A., war Paketverträger und Müllabführer, bevor er arbeitslos wurde und auf die schiefe Bahn geriet. Der 35-Jährige wurde wenige Tage nach dem Einbruch am Pariser Flughafen Roissy gefasst, als er nach Algerien ausfliegen wollte.
Fünfzehn Verurteilungen
Sein Kumpan Abdoulaye N. betätigte sich schwarz als Taxifahrer. Der 39-Jährige wohnte bei seinen Eltern in Aubervilliers und bezog das Existenzminimum. In den Sozialen Medien trat er mit seinem Motorrad und seinem Pseudo «Doudou Cross Bitume» an Strassenrodeos auf, wenn er nicht gerade eine seiner fünfzehn Haftstrafen absass – unter anderem wegen Einbruchs in ein Schmuckgeschäft.
Slimane K. war der Bastler der Spontibande. Er kannte sich mit Kreissägen und Lastenhebern aus und fabrizierte falsche Nummernschilder; zudem leitete er den Bruch vom Seine-Quai aus, von wo aus seine zwei Komparsen in die Kunstgallerie im ersten Stockwerk des Museums einstiegen.
Alle Verhafteten sagten in der Einvernahme dasselbe: Sie hätten die Schmuckstücke ihren Auftraggebern in Ivry-sur-Seine ausgehändigt, nachdem ihnen 10'000 bis 15'000 Euro versprochen worden seien. Es seien Männer aus «Osteuropa» oder aus «Rumänien», die mit slawischem Akzent gesprochen hätten, sagten die Einbrecher sehr vage.
Die Ermittler schenken diesen Erklärungen kaum Glauben. Sie gehen davon aus, dass die Festgenommenen aus eigenem Antrieb gehandelt und die Juwelen behalten haben. Sie schliessen nicht aus, dass die Gangster aus dem Louvre einen Tipp gekriegt hatten. Es genügte, einen Blick in eine vertrauliche Studie des Juwelenhändler Van Cleef & Arpels zu werfen: Dort wurden sämtliche Schwachstellen im Louvre säuberlich aufgelistet.
Auch für einen Auftraggeber in Form eines Kunstliebhabers scheint die Polizei bisher keine Anhaltspunkte gefunden zu haben. Sie geht davon aus, dass der entwendete Louvre-Schmuck irgendwo in Ivry-sur-Seine oder Aubervilliers versteckt ist und dort, wie ein anonymer Ermittler dem Parisien sagte, «Staub ansetzt». (aargauerzeitung.ch)

